Übersicht / Ärztekammer Nordrhein / Ärztekammer Westfalen-Lippe / Meldung vom 22.09.2014

Montag, 22. September 2014, 13:59 Uhr

Ärztekammer Nordrhein / Ärztekammer Westfalen-Lippe

Pressemitteilung

Häusliche Gewalt: Erkennen, ansprechen, Hilfe anbieten.

Düsseldorf – Die nordrhein-westfälischen Ärztekammern haben die Ärztinnen und Ärzte in NRW heute (Montag, 22. September) in Düsseldorf dazu aufgerufen, möglichen Opfern häuslicher Gewalt in Praxen und Klinikambulanzen verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Angesichts einer dramatischen Zunahme der Strafanzeigen seit 2004 um rund zwei Drittel intensivieren die Kammern Fortbildung und Information der Ärzteschaft zu diesem Thema. In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW wollen sie eine engere Kooperation der Ärzteschaft zum Beispiel mit psychosozialen Hilfeeinrichtungen organisieren. In dieser Woche findet in der Landeshauptstadt eine Fachtagung zu dem Thema statt.

„Schutz und Hilfe für die Opfer sind mindestens ebenso wichtig wie die Ächtung und Sanktionierung häuslicher Gewalt“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, „Menschen mit Gewalterfahrung empfinden es häufig als Erleichterung, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt die Initiative ergreift und sensibel auf eine Gewaltbelastung zu sprechen kommt.“ Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Ärztinnen und Ärzte sind wichtige helfende Kooperationspartner, wenn es darum geht, häusliche Gewalt aufzudecken. Es gilt, die stummen Schreie der Betroffenen aufzunehmen, zu helfen und zu heilen. Ziel der ärztlichen Intervention muss immer wieder sein, erstrangig Hilfestellung zu leisten und so den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen." „Gewalt macht krank. Wenn Gewaltopfer ihre Belastung nicht offenbaren, gilt es, sie aktiv zu erfragen“, so die Leiterin des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW, Marion Steffens.

Nach einer Statistik des Landeskriminalamtes NRW ist die Zahl der Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt zwischen 2004 und 2013 von 16.267 auf 27.284 und damit um rund 68 Prozent gestiegen. Hier ist aber nur ein Teil der Fälle von häuslicher Gewalt erfasst. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben laut einer repräsentativen Studie rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren ein- oder mehrmals körperliche oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartnerinnen und Beziehungspartner in ihrem Leben erlebt.