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Freitag, 16. März 2012, 11:01 Uhr

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Universitätsmedizin Mainz nimmt neue Angiographieanlage in Betrieb

Neue Anlage am Institut für Neuroradiologie liefert brilliante 3D-Aufnahmen der Hirngefäße - kürzere Untersuchungszeiten sowie mehr diagnostische und therapeutische Möglichkeiten als bisher

Mainz – Am Institut für Neuroradiologie der Universitätsmedizin Mainz ist heute eine neue Angiographieanlage eingeweiht worden. Es handelt sich um das modernste derzeit auf dem Markt erhältliche Gerät. Es erlaubt eine sehr schnelle, detaillierte und umfassende Darstellung der Blutgefäße im Gehirn - und damit eine moderne Diagnostik und Therapie bei Patienten mit zerebralen und spinalen Gefäßerkrankungen. Insbesondere Schlaganfallpatienten profitieren von der neuen Anlage.

Bei der Angiographie werden Blutgefäße im menschlichen Körper durch Gabe eines Kontrastmittels sichtbar gemacht. Bei neuroradiologischen Untersuchungen werden vor allem jene Gefäße, die das Gehirn und das Rückenmark versorgen, dargestellt. Mit der neuen Angiographieanlage gelingt diese Darstellung schneller, einfacher und präziser als mit dem vorherigen Gerät. Durch die zusätzliche Möglichkeit einer neuen CT-ähnlichen Bildgebung sind darüber hinaus zusätzliche anatomische Details - wie beispielsweise das die Gefäße umgebende Hirngewebe - sichtbar. Auch 3D-Bilder lassen sich sehr einfach und schnell aus den erhaltenen Aufnahmen berechnen. Insgesamt bietet diese Anlage neben der deutlich höheren Detailerkennbarkeit für die Patienten kürzere Untersuchungszeiten und erspart unter Umständen zusätzliche Untersuchungen - etwa in einem Computertomographen.

Der Einsatz der neuen Anlage beschränkt sich aber nicht nur auf die Darstellung der Gefäße - und damit auf die Diagnostik -, sondern erlaubt auch die Durchführung therapeutischer Maßnahmen. „Mit der neuen Anlage können wir nun das komplette neuroradiologische Untersuchungs-Spektrum inklusive der interventionellen Behandlungen anbieten“, freut sich Prof. Dr. Wibke Müller-Forell, kommissarische Leiterin des Instituts für Neuroradiologie. „Dies umfasst, je nach Problemstellung und Situation sowohl gefäßeröffnende wie auch gefäßverschließende Maßnahmen.“

Bei der ersten Behandlungsform sind in erster Linie Patienten mit einem Schlaganfall zu nennen, bei denen der Gefäßverschluss aus den hirnzuführenden bzw. hirnversorgenden Gefäßen durch interventionelle Maßnahmen wie die mechanische Thrombektomie entfernt werden kann. Bei Patienten mit einer Hirnblutung infolge einer Gefäßaussackung (Aneurysma) kommen gefäßverschließende Verfahren zur Anwendung. Durch die Einbringung von Platinspiralen in das Aneurysma (so genanntes Coiling) – auch in Kombination mit Gefäßrekonstruktion mittels Stents (so genanntes Flow remodeling) – können diese Gefäßaussackungen behandelt werden. Weitere Einsatzgebiete gefäßverschließender Verfahren sind Hirngefäßangiome, Fisteln sowie einige Tumorarten an der Schädelbasis.

„In den letzten Jahren wurde am Institut für Neuroradiologie der Schwerpunkt der interventionellen Verfahren bei Gefäßerkrankungen des Zentralen Nervensystems weiter ausgebaut“, betont Univ.-Prof. Dr. Guido Adler, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz. „Die neue Anlage ist ein wesentliches Element, um diese Entwicklung weiter konsequent voranzutreiben.“ Dies spiegele sich auch in den regelmäßigen Konferenzen des Neurovaskulären Zentrums (NVZ) wider. „So erfolgt die Entscheidung der individuellen Therapie eines Patienten in interdisziplinärer Abstimmung mit den am NVZ beteiligten Kollegen der Neurochirurgie, der Neurologie, der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie und der Angiologie“, erläutert Prof. Müller-Forell abschließend.