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Dienstag, 12. September 2017, 12:17 Uhr

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.

PRESSEMITTEILUNG anlässlich der öffentlichen Sitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) am Donnerstag, 21. September 2017

„Schmerz-Indikator einführen – Qualität sichern!“

Berlin – 12. September 2017

Schmerzpräsident Prof. Dr. Martin Schmelz: „Jeder Mensch hat das Recht auf eine gute Schmerzbehandlung – Antrag der Patientenvertretung überaus dringend und sehr wichtig!“

Anlässlich der öffentlichen Sitzung des Plenums des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) am 21.09.2017 unter TOP 8.3.5 (vgl. sitzungsanmeldung.g-ba.de/downloads/871/2_Tagesordnung_Plenum_2017-09-21_Öffentlichkeit.pdf) erklärt Schmerzpräsident Prof. Dr. Martin Schmelz: „Jeder Mensch hat das Recht auf eine angemessene Schmerzlinderung. Deshalb hoffe ich sehr, dass die entscheidungsbefugten Mitglieder dieses wichtigen Gremiums des deutschen Gesundheitswesens dem außerordentlich am Allgemeinwohl orientierten Antrag der Patientenvertretung nachkommen und entsprechend beschließen“, so Prof. Dr. Martin Schmelz, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. "Ziel der Initiative ist es, endlich Minimalstandards auch in der Schmerztherapie zu verankern, wie dies in anderen Bereichen der Medizin -beispielsweise bei der Hygiene- schon lange selbstverständlich ist“, so der Schmerz-Präsident.

Die aktuelle Situation der Schmerzversorgung in vielen Kliniken ist verbesserungsfähig. Dies zeigte bereits der offizielle Bericht zum Health-Technology-Assessment (HTA) Nr. 126 Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMIDI): „Wir hoffen, dass durch die Initiative der Patientenvertretung und hoffentlich resultierenden Beschluß des G-BA Krankenhäuser in Deutschland künftig so aufgestellt sind, dass Patientinnen und Patienten - beispielsweise nach Operationen - keine unnötigen Schmerzen erleiden. Studien zeigen: In rund der Hälfte der Kliniken ist das derzeit nicht gut geregelt, und deshalb erleiden Patienten unnötige Schmerzen“, so Prof. Dr. Wolfgang Koppert, Sprecher des Beirats der Fachgesellschaften in der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. In 1/3 der deutschen Kliniken gibt es beispielsweise immer noch keine Akutschmerzdienst „Das kann auch zu einer eigentlich vermeidbaren späteren Chronifizierung beitragen“, so der Experte.

Auch vor diesem Hintergrund hatte bereits die 88. Konferenz der Gesundheitsminister der Länder und des Bundes vom 24./25. Juni 2015 (vgl. www.gmkonline.de/documents/Ergbnisniederschrift_extern.pdf) in TOP 9.1 ihres gefassten Beschlusses den G-BA um eine Stärkung der schmerzmedizinischen Versorgung gebeten und an diesen appelliert „für ein strukturiertes Akutschmerzmanagement der Krankenhäuser Qualitätskriterien zu entwickeln.“ Diese Beschlussfassung resultiert aus den vorherigen Erörterungen u. a. beim Nationalen Schmerzforum, das die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. jährlich im Dialog mit den bundesweit für die Schmerzversorgung maßgeblichen Akteuren in jedem September eines Jahres durchführt, in diesem Jahr am Freitag, den 15. September 2017, diesmal zum Themenfeld „Patientenorientierung und Schmerzversorgung“. Details hierzu finden Sie unter www.nationales-schmerzforum.de

„Wir danken der Patientenvertretung beim G-BA, dass sie dieses außerordentlich wichtige Thema aufgreift und wir es fachlich unterstützen durften“, so Schmerzpräsident Prof. Dr. Martin Schmelz. An einer entsprechenden Arbeitsgruppe der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. waren renomierte Expertinnen und Experten der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. beteiligt wie Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn (Münster), Prof. Dr. Frank Petzke (Göttingen), Prof. Dr. Wolfgang Koppert (Hannover), Prof. Dr. Winfried Meissner (Jena), Prof. Dr. Michael Schäfer (Berlin), Prof. Dr. Edmund Neugebauer (Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Akutschmerz – CAAS der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie) sowie Thomas Isenberg (Berlin), Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. beteiligt.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist mit fast 3.500 persönlichen Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. ist Mitglied der IASP (International Association for the Study of Pain) sowie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften). Sie ist zudem die interdisziplinäre Schmerzdachgesellschaft von derzeit 19 mitgliederstarken weiteren medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften im Bereich Schmerz. Diese Fachgesellschaften repräsentieren rund 100.000 Mitglieder. Diese Perspektive wird zudem erweitert durch die institutionelle korrespondierende Mitgliedschaft der Vereinigung aktiver Schmerzpatienten SchmerzLOS e. V. in der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

Die Mitgliedschaft der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. ist interdisziplinär und interprofessionell und besteht aus Schmerzexperten aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege, Physiotherapie u. a. sowie wissenschaftlich ausgewiesenen Schmerzforschern aus Forschung, Hochschule und Lehre.

Etwa 23 Mio. Deutsche (28 %) berichten über chronische Schmerzen, 95 % davon über chronische Schmerzen, die nicht durch Tumorerkrankungen bedingt sind. Legt man die „Messlatte“ der Beeinträchtigung durch die Schmerzen zugrunde, so erfüllen 6 Mio. Deutsche die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerzes. Die Zahl chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen (Schmerzkrankheit) liegt bei 2,2 Mio. Deutschen.