Übersicht / Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Meldung vom 22.03.2011

Dienstag, 22. März 2011, 10:29 Uhr

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Deutsches Kinderkrebsregister an der Universitätsmedizin Mainz beteiligt

Vermeidung von Spätfolgen nach Kinderkrebs: EU fördert europäisches Verbund-Forschungsprojekt mit 6 Millionen Euro

Mainz – Heutzutage können immer mehr Kinder, die an Krebs erkranken, geheilt werden. Viele von ihnen leiden jedoch unter psychischen und physischen Spätfolgen der Erkrankung oder der Behandlung. Wie diese Spätfolgen durch eine optimierte Nachsorge reduziert werden können, wollen Wissenschaftler mit dem Forschungsprojekt PanCareSurFup (PanCare Childhood and Adolescent Cancer Survivor Care and Follow-up Studies) herausfinden. Dieses Projekt wird im Rahmen des 7. EU-Rahmenprogramms mit 6 Millionen Euro gefördert und ist gerade gestartet. Daran beteiligt sind 16 Forschungseinrichtungen aus 11 europäischen Ländern – unter ihnen auch das Deutsche Kinderkrebsregister am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universitätsmedizin Mainz.

Hervorgegangen ist der Antrag für PanCareSurFup aus dem seit 2008 existierenden Netzwerk PanCare. Dieses multidisziplinäre, pan-europäische Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Experten der Pädiatrischen Onkologie, der Epidemiologie, der Radioonkologie, der Psychologie, der Pädiatrischen Neurologie, der Pädiatrischen Endokrinologie, ehemaligen Patienten und deren Familien. Ziel des Netzwerks ist es, Häufigkeit und Schwere von Spätfolgen aufgrund der Erkrankung und der Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung zu reduzieren und langfristig sicherzustellen, dass jeder europäische ehemalige Patient mit einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter eine optimale Langzeitnachsorge erhält.

„Das nun gestartete europäische Forschungsprojekt PanCareSurFup wird hierzu wichtige Impulse liefern. Denn im Rahmen dieser Verbund-Forschung wollen wir Richtlinien entwickeln, um die Nachsorge ehemaliger Patienten zu optimieren und eine Grundlage für forschungsbezogene Informationen, die alle Spätfolgen der Krebstherapie betreffen, bereitstellen“, erläutert Dr. Desiree Grabow vom Deutschen Kinderkrebsregister, die eines der acht Arbeitspakete innerhalb von PanCareSurfUp leitet. „Dazu wollen wir eine große Europäische Kohorte von etwa 80.000 ehemaligen Patienten mit einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter aufbauen, nachbeobachten und mögliche Spätfolgen erfassen.“ Zu den Spätfolgen die in dem Projekt untersucht werden, zählen das Auftreten von Zweittumoren, Herzschädigungen und das Versterben der Patienten mehr als fünf Jahre nach der Erkrankung. Aber auch weitere Spätfolgen wie beispielsweise Wachstumsstörungen, kognitive Leistungsminderung, Fertilität oder eine verminderte Lebensqualität in vielen Bereichen des psychosozialen Lebens haben die Forscher im Blick und denken diesbezüglich über weitere Projektanträge nach.

„Ehemalige Patienten, die 10, 15 oder 20 Jahre nach ihrer Krebserkrankung Bedarf an klinischer Nachsorge äußern, haben das Problem, dass sie vom Alter her nicht länger in pädiatrischen Zentren behandelt werden und Zentren der Erwachsenen-Onkologie oft nicht über die notwendigen Informationen bezüglich der vorausgegangenen Behandlung verfügen“, beschreibt Dr. Grabow die aktuelle Problematik. Als Resultat des Netzwerkverbundes PanCare sollen klinische Strukturen in der langfristigen Nachsorge verbessert werden.

„Die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Strategien, aber auch Aspekte der Prävention sind ein wichtiges Anliegen in der medizinischen Forschung“, so der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban. „Die Datenerhebung und nachhaltige Datenauswertung, wie in dem Projekt PanCareSurFup, können hierzu entscheidende Beiträge für den Bereich krebserkrankter Kinder bringen.“

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter http://www.unimedizin-mainz.de