Übersicht / Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland / Meldung vom 04.05.2007

Freitag, 04. Mai 2007, 11:29 Uhr

Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland

Neue Kundenzeitung in Apotheken

„Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland“ startet erfolgreich mit Millionenauflage

Essen – Seit dem 2. April erhalten Patienten in zahlreichen Apotheken kostenlos die "Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland". "In erster Linie behandelt unser neues Medium verschiedene Gesundheits- und Servicethemen", so Chefredakteurin Tanja Kahlert. "Darüber hinaus legen wir jedoch auch großen Wert auf seriöse und verständlich aufbereitete gesundheitspolitische Berichterstattung im Sinne des Endverbrauchers." Die erste Ausgabe der Zeitung, die mit einer Auflage von einer Million Exemplaren an den Start ging, beschäftigte sich unter anderem mit der Gesundheitsreform:

GESUNDHEITSVERSORGUNG IM REFORMSUMPF M. D. Wenn es nur ein Aprilscherz wäre: Am Ersten dieses Monats trat die Gesundheitsreform in Kraft. Ein voluminöses Werk von 600 Seiten, das der Bundestag wider besseres Wissen seiner eigenen Fachleute verabschiedet hat. Nach Auffassung zahlreicher Experten wird das neue Gesetz an den Megatrends, die das Gesamtsystem für den Verbraucher teurer, aber nicht effektiver gemacht haben, nichts ändern. Die Bundesregierung will dagegen nach eigenen Angaben die Risiken des Gesundheitswesens auf Dauer in den Griff bekommen und führt u. a. einen zentralen Fonds ein, der voraussichtlich im Jahr der nächsten Bundestagswahl seine Arbeit aufnehmen wird. "Herzstück der Reform" ist der Finanzausgleich der Krankenkassen ab 2009. Für alle Beitragszahlerinnen und -zahler gilt dann der gleiche Beitragssatz. Die Kassen erhalten aus dem Gesundheitsfonds abhängig von Geschlecht, Alter und Krankheit der Versicherten eine gleich große Zuweisung. Mit der Reform sei es gelungen, das Solidarsystem im Gesundheitswesen zu stabilisieren, das Gesundheitswesen bezahlbar bleiben zu lassen und dazu das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung beizubehalten, unterstrichen Sprecher der Koalition. Auch nach Ansicht zahlreicher Kritiker enthält das Paket, das die Große Koalition zu ihren Glanzleistungen zählt, durchaus fortschrittliche Seiten wie die Versicherungspflicht für alle. Als positiv dürfte sich auch der Vorrang für Prävention und Gesundheitsförderung auswirken. Früherkennung ist immer besser als Rehabilitation. Aus Sicht der FDP ist die schwarz-rote Gesundheitsreform demgegenüber zum Scheitern verurteilt. Im Rahmen der Kampagne "Reform mit Langzeitwirkung - die liberale Gesundheitsreform" macht sie gegen das Vorhaben der Regierung mobil. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Bahr, forderte die Regierung auf, ihre Pläne einzustampfen und von vorn zu beginnen. "Es kann nur besser werden", unkte der Abgeordnete. Problematisch ist im Gesamtzusammenhang die Belastung der Arzneimittelpreise, auf die seit dem 1. Januar 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig sind. Viele Apotheker fühlen sich in einem Zangengriff, als sie über kurz oder lang eine weitere Aufweichung des Niederlassungsrechts befürchten, was weitere fachfremd geführte Billig- und Versandapotheken zur Folge haben könnte. Auch angesichts der Tatsache, dass versicherungsfremde Ausgaben weiterhin von den Krankenkassen finanziert werden müssen, wird nach seriösen Schätzungen eine dauerhafte Stabilisierung des gesamten Gesundheitssystems mit der Reform nicht verbunden sein.

BEWÄHRTES BEWAHREN Ein Kommentar von Matthias Dohmen Ein Trauerspiel: Gibt es Nasenspray demnächst an der Tankstelle, Kopfschmerztabletten in der Kneipe um die Ecke und Magentabletten am Kiosk? Wenn die Große Koalition auf dem Weg fortfährt, den sie mit der Gesundheitsreform eingeschlagen hat, ist der Weg zu diesem Szenario nicht mehr weit. Mit fatalen Folgen. Über Jahrhunderte ist das deutsche Gesundheitswesen und mit ihm die deutsche Apotheke gewachsen. Der Apotheker genießt, zu Recht, hohes Vertrauen. Doch sein Ruf wird leichtfertig in Gefahr gebracht - und seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Allen Akteuren des Gesundheitswesens geht es an den Kragen, obwohl dieser Wirtschaftssektor ein Jobmotor ohne Ende ist. Alles vergessen, liebe Abgeordnete? Köche, die sich selbst nicht trauen, verdienen keinen Stern. Im Bundestag haben die Experten aller Fraktionen massive Bedenken erhoben: die Fachleute der Opposition, von denen man vielleicht nichts anderes erwartet hat, und die Koryphäen der Union und der SPD, die sich ansonsten kaum grün sind. Im Gesundheitsausschuss des Parlaments mussten die Stellvertreter ran, um die Mehrheit der Koalition zum Tragen zu bringen. Es ist eine Frage von Tagen, bis breite Kreise der Bevölkerung ob der Auswirkungen der "Reform" sehr kritisch in ihre Geldbörse schauen. Feindbilder müssen dann her, und es steht zu befürchten, dass die Hauptakteure des Gesundheitswesens vorgeführt werden sollen. Die Apotheker zum Beispiel. Oder die Ärzte. Unschuldige an den Pranger zu stellen lenkt vom eigenen Versagen ab. Doch es sind "Politikerpreise", die der Verbraucher zahlt.