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Zwei neue Professoren im Bereich Ergotherapie
Hochschule Fresenius ergänzt ihre professorale Lehre

Pressemitteilung

Idstein – Am 14. Oktober ernannte das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Dr. Wolfgang Eirund zum Professor für Psychosomatik und Psychiatrie und Dr. Karel Kostev zum Professor für Theoretische Medizin am Fachbereich Gesundheit & Soziales. In ihren öffentlichen Antrittsvorlesungen an der Hochschule Fresenius in Idstein stellten die neuberufenen Professoren die Vielseitigkeit der Ergotherapie und ihres Einsatzgebietes unter Beweis.

„Die Einheit der Seele“
Prof. Dr. med. Wolfgang Eirund beschäftigte sich in seiner Antrittsvorlesung „Die Einheit der Seele – Die Bedeutung menschlicher Symbolik in der psychiatrischen Arbeit am Beispiel der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)“ mit der psychiatrischen Ergotherapie. Wie sich ein Trauma seelisch auswirkt, ist unter anderem abhängig vom einzelnen Menschen und seinem Lebenslauf. Wenngleich die Neurowissenschaften die Symptome der PTBS mit Funktionsstörungen des Gehirns in Verbindung bringen, berücksichtigt ein eher hermeneutischer Ansatz die Bedeutung, die ein Trauma für den Betroffenen in seinem Lebenskontext entfaltet. Das indes lässt sich eher in der Deutung der individuellen Beziehung zur Welt des Betroffenen erfassen.

Das Gehirn symbolisiert
Professor Eirund wies darauf hin, dass es zwar wissenschaftliche Traumadefinitionen gebe, dennoch könnten Ereignisse, die der Definition entsprechen, je nach Kontext sehr unterschiedlich erlebt und gedeutet werden. Dies demonstrierte er anhand zweier Beispiele: So fürchtet etwa eine Zeitzeugin des 2. Weltkrieges Silvester, da sie dabei an die Bombennächte erinnert wird. Darin sieht sie selbst aber kein Krankheitsbild. Vielmehr prägen diese Erfahrungen ihren Lebensentwurf und ihre Weltanschauung, indem sie ihre Erlebnisse in einen Zusammenhang zu den Ursachen und Folgen der Bombennächte stellt – und damit auch zur eigenen Verantwortlichkeit. Hier wird das belastende Erlebnis zum Symbol, das für einen größeren Zusammenhang steht. Der Begriff „Symbol“ bedeutet in seinen altgriechischen Wurzeln „das Zusammengefügte“. Eirund wies darauf hin, dass das menschliche Gehirn darauf angelegt ist, zu symbolisieren, also Zusammenhänge effizient zu erfassen beziehungsweise herzustellen. Ganz anders als bei der Zeitzeugin gestaltete sich der Anspruch des öffentlich bekannt gewordenen Entführers und Kindsmörders Magnus Gäfgen, als Folteropfer anerkannt zu werden. Er klagte, weil man ihn mit Gewaltandrohungen zu zwingen versuchte, den Aufenthaltsort des Kindes zu nennen. Dass die zweifellos illegalen Drohungen des Beamten jedoch in einem spezifischen Zusammenhang standen und letztlich Folge der eigenen Gewaltanwendung waren, droht in diesem Fall unterzugehen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob unter diesen Umständen überhaupt von einer Trauma-Erfahrung zu sprechen ist. Einem politischen Gefangenen in ähnlicher Situation würde man hingegen ein Trauma zugestehen. Es wird deutlich, wie wichtig die Zusammenhänge und die Lebenswege der Patienten sind, um deren Belastungen in ihrer Tiefe zu verstehen.

In den Beschreibungen ergotherapeutischer Arbeit wird von Fachverbänden hervorgehoben, dass es um Unterstützung von „Menschen jedes Alters bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in ihrer persönlichen Umwelt“ gehe. Die darin vorkommenden Begriffe der „Bedeutung“ und der „Umwelt“ weisen auf die Relevanz der lebensweltlichen Umstände für den therapeutischen Erfolg hin. Ergotherapeuten kommen sehr nah an die Lebenskontexte ihrer Patienten und leisten daher einen wichtigen Beitrag im therapeutischen Anliegen, ein subjektives Gefühl seelischer Einheit wieder herzustellen.

„Der Preis des langen Lebens“
Prof. Dr. rer. med. Karel Kostev beschäftigte sich in seiner Antrittsvorlesung mit Gesundheitsproblemen einer alternden Gesellschaft. Die deutsche Gesellschaft gehört im internationalen Vergleich zu den ältesten: Die Lebenserwartung der Menschen steigt, während die Geburtenrate sinkt. Eine hohe Lebenserwartung bringt aber nicht nur den Gewinn an Lebenszeit, sondern auch zahlreiche gesundheitliche Probleme, die ab einem bestimmten Alter besonders häufig und gleichzeitig auftreten. In seiner Antrittsvorlesung „Der Preis des langen Lebens – Gesundheitsprobleme der alternden Gesellschaft“ zeigte Kostev die Folge einen alternden Gesellschaft auf: Erreicht ein Mensch das 60. Lebensjahr, steigt die Wahrscheinlichkeit für unterschiedliche chronische Erkrankungen. Dazu gehören beispielsweise Diabetes, koronare Herzkrankheit, Osteoporose, Morbus Parkinson, bestimmte Krebserkrankungen, Depressionen sowie Demenz. Die Häufigkeit der Demenz beträgt ca. 12 Prozent bei 80-jährigen und steigt auf 44 Prozent bei 100-jährigen. Für Deutschland würde das bedeutet, dass 2060 4,5 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer Demenz haben könnten. Doch mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Multimorbidität, also Mehrfacherkrankungen, die dann mit der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente (Polypharmazie) behandelt werden. Die Polypharmazie birgt ihrerseits wieder Gesundheitsrisiken.

Zufriedenheitsparadox
Trotz Krankheit sind die meisten Menschen im Alter mit ihrem Leben zufrieden. Man spricht hierbei vom Zufriedenheitsparadox. Die Ergotherapie kann die Zufriedenheit durch verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität erhöhen. Sie unterstützt alte Menschen dabei, sich selbstständig versorgen zu können, trainiert die Bewegungs- und Belastungsfähigkeit sowie Geschicklichkeit und Ausdauer. Zudem arbeiten Ergotherapeuten gegen die Isolation und den sozialen Rückzug ihre Patienten und unterstützen diese beim Umgang mit Schmerzen. Seinen wissenschaftlichen Umgang mit der Ergotherapie vermittelt Kostev auch in seiner Lehre: „Wissenschaft darf nicht als Zwang verstanden werden, auch nicht als Nebenwirkung des akademischen Studiums, sondern als Mittel zur Erreichung der hohen gesellschaftlichen Wertschätzung Ihres Berufes!“.


Über die Hochschule Fresenius
Die Hochschule Fresenius gehört mit rund 10.000 Studierenden und Berufsfachschülern zu den größten und renommiertesten privaten Hochschulen in Deutschland. 1848 als „Chemisches Laboratorium Fresenius“ gegründet und seit 1971 als staatlich anerkannte Fachhochschule in privater Trägerschaft zugelassen, unterhält die Hochschule Fresenius heute Standorte in Idstein, Köln, Hamburg, München, Frankfurt am Main und Berlin sowie Studienzentren in Düsseldorf und Zwickau. 2010 erfolgte die institutionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat. In den Fachbereichen Chemie & Biologie, Gesundheit & Soziales, Wirtschaft & Medien sowie Design können hier Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsangebote wahrgenommen werden. Neben Bachelor- und Masterprogrammen in Vollzeit bieten die vier Fachbereiche mit ihren sieben Schools auch berufsbegleitende und ausbildungsbegleitende (duale) Studiengänge an.

Die Hochschule Fresenius setzt auf eine enge Einheit von Forschung, Lehre und Praxis und forscht in den Fachbereichen Chemie & Biologie (Institute for Analytical Research), Gesundheit & Soziales (Bewegungslabor), Wirtschaft & Medien (Institut für Gesundheitswirtschaft, Medienmanagement Institut, Institut für Energiewirtschaft) sowie Design. Mehr Informationen unter: www.hs-fresenius.de