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Mittwoch, 26. November 2008, 14:07 Uhr

Hessischer Apothekerverband e.V.

Arzneimittelfälschungen sind lukrativer als Kokain

Apotheker fordern Verbot des Versandhandels aus dem Ausland

Offenbach – Vor dem Kauf von Arzneimitteln vor allen Dingen im außereuropäischen Ausland und bei ausländischen Internetapotheken hat der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes, Dr. Hans Rudolf Diefenbach, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Schöner Schein. Dunkler Schatten.“ des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) am Flughafen Frankfurt gewarnt. „Viele Touristen meinen, im Ausland Medikamente zu Schnäppchenpreisen zu bekommen, und erhalten dann Fälschungen, die zu wenig oder keinen Wirkstoff enthalten, im schlimmsten Fall sogar schädliche Inhaltsstoffe. Auf keinen Fall sollten Arzneimittel auf Wochenmärkten oder bei Straßenhändlern gekauft werden.“

Die 2.800 Apotheken in Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützen diese Aktion und machen auf die Wanderausstellung durch Aushängen des Aktionsplakates aufmerksam. Darüber hinaus halten Sie Informationsblätter bereit, die zum Thema Arzneimittelfälschungen informieren.

Arzneimittelfälschungen sind für Kriminelle lukrativer als der Drogenhandel. Auf dem Schwarzmarkt kostet ein Kilogramm an Plagiaten des Lifestyle-Arzneimittels Viagra® durchschnittlich 90.000 Euro. Ein Kilo Kokain kostet geschätzte 65.000 Euro, Heroin 50.000, Marihuana 8.000 und Ecstasy 1.300 Euro. „Bei solchen Verdienstspannen wundert es nicht, dass der internationale Schwarzmarkt mit gefälschten Arzneimitteln boomt. Deshalb kann man die Verbraucher nur davor warnen, Arzneimittel aus dem Internet zu bestellen“, so Diefenbach. Bei einer in diesem Jahr vorgenommenen Stichprobe verschiedener Internetversender waren mehr als die Hälfte der geprüften Viagra-Präparate minderwertig.

Da es für den Verbraucher praktisch nicht möglich sei, im Internet seriöse von unseriösen Versandapotheken zu unterscheiden, forderte Diefenbach die Politik auf, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus dem Ausland wieder zu verbieten.

Der deutsche Zoll hat im Jahr 2007 eine um das dreifache höhere Menge an gefälschten Arzneimitteln beschlagnahmt als im Vorjahr. 2006 entdeckten die Fahnder gefälschte Medikamente im Wert von 2,5 Mio. Euro, 2007 waren es bereits 8,3 Mio. Euro.