Übersicht / Deutsche Leberstiftung / Meldung vom 11.07.2022

Montag, 11. Juli 2022, 12:00 Uhr

Deutsche Leberstiftung

Pressemitteilung

Endlich wieder reisen – Deutsche Leberstiftung empfiehlt Impfschutz auch für die Leber

Hannover – Die Deutschen haben ihre Reiselust wiederentdeckt: Nach aktuellen Angaben der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hat der Wegfall der meisten coronabedingten Reiseauflagen dazu geführt, dass die Deutschen in diesem Jahr gute Chancen haben, wieder Reiseweltmeister zu werden. Die Reisebranche rechnet mit 60 bis 70 Millionen Urlaubsreisen, das sind fast so viele wie vor der Pandemie im Rekordjahr 2019. Für die Deutsche Leberstiftung ein Anlass, daran zu erinnern, dass zusätzlich zum Corona-Impfschutz auch ein Impfschutz gegen andere Infektionskrankheiten wichtig ist.

Durch die Pandemie und die auf das Coronavirus SARS-CoV-2 fokussierte Berichterstattung ist in den Hintergrund gerückt, dass es neben COVID-19 noch andere Infektionskrankheiten gibt. Speziell in einigen beliebten Urlaubsländern gibt es Gesundheitsrisiken durch Virusinfektionen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt in ihrem aktuellen Epidemiologischen Bulletin verschiedene Impfungen für Reisende. Dazu zählt auch die Impfung gegen das Hepatitis A-Virus (HAV), das eine Virusinfektion der Leber, die Hepatitis A, hervorrufen kann. „Über die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen in Deutschland sind ein ungewolltes Reisesouvenir", sagt Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und ergänzt: „Die Hepatitis A wird als ‘Reisehepatitis‘ bezeichnet. Sie tritt häufig in beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie beispielsweise im Mittelmeerraum, Südostasien, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Vorderen Orient. Die Infektion mit dem Hepatitis A-Virus kann eine akute Leberentzündung hervorrufen, die allerdings nur in äußerst seltenen Fällen zu einem akuten Leberversagen führen kann. Dies wird dann oft bei älteren Menschen beobachtet. Einen wirksamen Schutz gegen Hepatitis A-Virusinfektionen bietet nur die Impfung.“

Das Hepatitis A-Virus wird fäkal-oral übertragen, das heißt entweder über direkten Kontakt mit Infizierten oder über verunreinigte Nahrungsmittel. Häufig wissen Urlauber nicht, dass manchmal schon die Eiswürfel im Drink oder das Menü mit frischen Muscheln eine Gefahrenquelle sein kann. Darüber hinaus besteht bei bestimmten Praktiken die Gefahr einer Ansteckung bei Sexualkontakten.

Auch gegen das Hepatitis B-Virus schützt eine Impfung. Mit Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Das Hepatitis B-Virus (HBV) wird durch Blut oder Körpersekrete übertragen. Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen unter anderem Kontakte mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen. Tätowierungen, Rasuren, Ohrlochstechen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, können zu einer Ansteckung führen. Auch beim ungeschützten Geschlechtsverkehr kann das Hepatitis B-Virus übertragen werden. Die Hepatitis B kann chronisch werden und in der Folge zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen. Weltweit gibt es rund 250 Millionen Träger des Hepatitis B-Virus. Wer gegen das HBV geimpft ist, baut gleichzeitig einen Schutz gegen die Hepatitis delta auf, da eine Hepatitis delta nur mit einer Hepatitis B entstehen kann.

Gegen ein weiteres Hepatitis-Virus steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung: Das Hepatitis C-Virus (HCV) wird fast ausschließlich über Blut-zu-Blut-Kontakte übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Zur Behandlung dieser Virus-Variante gibt es erfolgreiche neue Medikamente, die direkt in den Vermehrungszyklus des Virus eingreifen (sogenannte DAAs – Direct Acting Antiviral Agents). Damit kann die chronische Hepatitis C bei fast allen Patienten in kurzer Zeit und nahezu ohne Nebenwirkungen geheilt werden.

Doch nur wer sich informiert und untersuchen lässt, kann im Falle einer bestehenden Erkrankung auch therapiert werden. Deswegen rät Prof. Manns zur Vorsorgeuntersuchung: „Seit dem 1. Oktober 2021 kann im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen, die gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren anbieten, auch das Screening auf Hepatitis B und C in Anspruch genommen werden. Das soll dazu beitragen, die hohe Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen mit den beiden Hepatitis-Viren zu verringern und Betroffenen eine möglichst frühzeitige Behandlung anbieten zu können. Wird die Erkrankung zu spät erkannt oder bleibt unbehandelt, kann sie in einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkrebs münden.“

Deutsche Leberstiftung

Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung unter www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage: „Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere Informationen: www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie können ein Rezensionsexemplar per Mail an asche@humboldt.de (Frau M. Asche) anfordern.