Übersicht / Initiative "Sprachmittlung im Gesundheitswesen" / Meldung vom 14.07.2015

Dienstag, 14. Juli 2015, 09:36 Uhr

Initiative "Sprachmittlung im Gesundheitswesen"

Pressemitteilung

Initiative für Sprachmittlung im Gesundheitswesen gegründet

Berlin – Probleme in der Kommunikation zwischen fremdsprachigen Patienten und Ärzten bzw. Psychotherapeuten können schwerwiegende Folgen haben: Die neu gegründete Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen“ setzt sich für mehr Sicherheit von Patienten und Ärzten bzw. Psychotherapeuten durch qualifizierte Sprachmittlung ein.

In Praxen und Krankenhäusern gehören Patienten mit Migrationshintergrund zum Alltag. Um negative Folgen einer missverständlichen Kommunikation abzuwenden und die Sicherheit von Patienten und Ärzten bzw. Psychotherapeuten zu erhöhen, gründete sich heute die Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen“ in Berlin. Mit der Initiative machen die Träger auf den akuten Bedarf an professioneller Dolmetschleistung wie auch Sprach- und Kulturmittlung im deutschen Gesundheitswesen aufmerksam. Es geht dabei gleichermaßen um eine reibungslose medizinische Versorgung fremdsprachiger Patienten sowie um die Sicherheit von Patienten und Ärzten bzw. Psychotherapeuten: Jede fehlende oder mangelhafte Verständigung zwischen fremdsprachigen Patienten und Ärzten bzw. Psychotherapeuten erhöht das Risiko einer Fehl- bzw. Mehrfachbehandlung oder auch Unterversorgung. Dies kann schwerwiegende Folgen haben. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Patientenschutz, Soziales und Sprachmittlung. Gründungsmitglieder sind die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), der Deutsche Patientenschutzbund (DPSB), die Internationale Gesellschaft für Bildung, Kultur und Partizipation gemeinnützige GmbH (bikup), das KKC – Krankenhaus-Kommunikations-Centrum e.V. sowie die Österreichische Plattform Patientensicherheit (Austrian Network for Patient Safety ANetPAS).

Die Initiative will die Politik für die Problematik der fremdsprachigen Kommunikation im Bereich Gesundheit sensibilisieren. Ziel der Initiative ist es, verbindliche Regelungen zu bewirken, um die Versorgung fremdsprachiger Patienten mit qualifizierter Sprachmittlung zu gewährleisten und ihnen einen barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen. Während in einfachen Alltagssituationen der Einsatz ehrenamtlicher Laiendolmetscher hilfreich sein kann, bedarf es im Gesundheitswesen professioneller und qualifizierter Dolmetscher sowie Sprach- und Integrationsmittler. Die umfangreiche und verständliche Aufklärung des Patienten ist ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung sowie der ärztlichen und psychotherapeutischen Aufklärungspflicht. Diese ist verankert im Bürgerlichen Gesetzbuch (vgl. § 630e BGB Aufklärungspflichten).

Die Initiative nimmt Bezug auf das Schwerpunktjahr „Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft“ der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz und stützt sich auf die Beschlüsse der 88. Gesundheitsministerkonferenz und der 10. Integrationsministerkonferenz 2015, die eine gesicherte Finanzierung von Dolmetschleistungen für psychisch erkrankte und traumatisierte Asylsuchenden und Flüchtlinge fordern.


Hintergrundinformationen: Das Gründungsstatement der Initiative kann über www.gesundheit-adhoc.de/files/1436799673_cd6106dd.pdf aufgerufen werden.

Beschluss der 88. Gesundheitsministerkonferenz 2015
www.gmkonline.de/Beschluesse.html?id=304&jahr

Beschluss der 10. Integrationsministerkonferenz 2015
www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/I/integration/IntMK/Ergebnisse/DownloadLinks/konf_10.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (S. 30).

Beschluss des 118. Deutschen Ärztetages
www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/118._DAET/118DAETBeschlussprotokoll20150515.pdf (S. 101ff.).

Beschluss des 26. Deutschen Psychotherapeutentages
www.bptk.de/uploads/media/20150504_resolution_26_dpt_dolmetscherInnen_fuer_patientInnen_mit_migrationshintergrund.pdf

Redebeiträge zum Schwerpunktjahr Gesundheit in der Einwanderungsgesellschaft der Bundesregierung

www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Gesundheit/Themenjahr-2015/2015-04-28-rede-bundesarbeitsgemeinschaft.html

www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Gesundheit/Themenjahr-2015/2015-04-28-rede-bundesarbeitsgemeinschaft.html

www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Gesundheit/Themenjahr-2015/2015-04-28-rede-gernot-kiefer.html

Artikel Ärztezeitung, 22.4.15, “Kommt ein Patient mit Dolmetscher zum Arzt“:
www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/w_specials/special-arzt-patient/article/884233/sprachprobleme-praxis-kommt-patient-dolmetscher-arzt.html

Über die Initiative: Die Initiative „Sprachmittlung im Gesundheitswesen“ wurde am 14. Juli 2015 als Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Patientenschutz, Soziales und Sprachmittlung ins Leben gerufen. Sie ist für alle natürlichen und juristischen Personen offen, die die angestrebten Ziele teilen und sich gemeinsam im Interesse nicht deutschsprachiger Patienten und Ärzte engagieren wollen.

Dateianhänge:

Kontakt Initiative:

Farina Casselmann, Hauptstadtbüro der Verbände,
Tel. 030 80 09 32 297, E-Mail: farina.casselmann@hauptstadtbueros.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Dr. Hubert Koch, Koordinationsbüro.