Übersicht / Deutsche Hirnstiftung / Meldung vom 13.06.2022

Montag, 13. Juni 2022, 14:35 Uhr

Deutsche Hirnstiftung

Presseinformation

„Karussell im Kopf“: Informationsveranstaltung zu Ursachen und Therapien bei Schwindelattacken am 20.06.2022 in Celle

Berlin – Schwindel ist ein häufiges Symptom, unter dem besonders oft ältere Menschen leiden. Nicht jeder Schwindel ist gefährlich, allerdings sollten die Ursachen immer abgeklärt werden, denn manchmal kann auch eine lebensbedrohliche Krankheit dahinterstecken. Welche Formen von Schwindel es gibt, bei welcher sofort gehandelt werden muss und welche Therapien helfen, ist Thema einer Informationsveranstaltung der neu ins Leben gerufenen Reihe „Dialogwochen“ der Deutschen Hirnstiftung am 20. Juni 2022 um 18.00 Uhr in Celle.

Wer kennt es nicht? Plötzlich schwankt alles oder dreht sich gar – ein unangenehmes Gefühl, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Schwindel ist neben Kopfschmerzen ein häufiges neurologisches Symptom, das viele Ursachen haben kann. Bei fast jedem fünften Fall handelt es sich um einen gutartigen Lagerungsschwindel (benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel/BPPV). Dabei kommt es plötzlich und attackenartig zum Auftreten von starkem Drehschwindel, der durch Kopf- und Körperbewegungen ausgelöst wird und bei Ruhe schnell wieder abklingt. Ursächlich sind abgelöste „Ohrsteinchen“ (Otokonien), kleinste Kalkpartikel, die normalerweise fest im Gleichgewichtsorgan (Innenohr) verankert sind und dort als Seismographen für die Sinneszellen im Innenohr, unserem Gleichgewichtszentrum, fungieren, damit wir wissen, wo im Raum wir uns befinden. Löst sich so ein Steinchen und fliegt frei herum, bringt er alles zum Rotieren. „Die kleinen Kalksteinchen reizen dann die Sinneszellen und geben Fehlinformationen“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Heide, Chefarzt der Neurologie am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Celle und Sprecher der Kommission Neuroophthalmologie/Neurootologie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Da diese Reize nicht zu den anderen Wahrnehmungen, also etwa mit dem Auge, passen, tritt ein Schwindelgefühl auf.“ Die Behandlung liegt dann auf der Hand – das losgelöste Steinchen muss entfernt werden. In der Praxis geschieht das durch ein sogenanntes Befreiungsmanöver. Dabei bewegt der Arzt den Kopf des Patienten in einer bestimmten Abfolge von Positionen, wodurch das freie Steinchen den Weg aus dem Bogengang herausfindet.

Doch es gibt noch viele andere Ursachen: Migräne oder Innenohrerkrankungen sind darunter relativ häufig anzutreffen. Bei einigen Patientinnen und Patienten ist der Schwindel ein Stresssymptom. Stark erhöhte Blutdruckwerte können sowohl eine Folge als auch Ursache von Schwindel sein, ebenso wie schwankende oder erniedrigte Blutdruckwerte. Je nachdem können dann Entspannungstechniken, körperliches Ausdauertraining, reichliche Flüssigkeitszufuhr oder blutdrucksenkende Medikamente den Schwindel lindern.

Aber es gibt auch Schwindelattacken, die auf gefährliche Krankheiten hinweisen und bei denen ein akuter Handlungsbedarf besteht. Bei anhaltendem Drehschwindel kann beispielsweise eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs vorliegen. Weitere Symptome sind dann starke Übelkeit, Erbrechen, Augenzittern und Fallneigung. „In diesen Fällen gibt es ein wirksames Gleichgewichtstraining und Medikamente“, sagt der Mediziner, der auch als Fachbeirat für die Deutsche Hirnstiftung tätig ist.

Schwere Schwindelattacken können auch auf einen Schlaganfall hinweisen. Dann empfiehlt sich, den sogenannten „FACE-Test“ durchzuführen. Zunächst sollte der Betroffenen aufgefordert werden zu lächeln. Dabei zeigt sich, ob ein Mundwinkel hinabhängt. Auch wenn er nicht in der Lage ist, beide Arme zu heben oder einen Satz nachzusprechen, deutet das auf einen Schlaganfall. Kommt also eines dieser Symptome oder auch andere Symptome wie Doppelbilder, Taubheitsgefühle im Gesicht oder Arm, Sehstörungen oder verwaschene Aussprache zum Schwindel dazu, sollte sofort der Notarzt gerufen werden, denn dann zählt jede Minute.

In wenigen Fällen können schwere Schwindelattacken auch auf einen Tumor im Gehirn hinweisen. „Das ist zwar sehr selten, sollte aber, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen wurden, abgeklärt werden“, rät Prof. Heide.

Die Bandbreite an Schwindelformen ist also groß. Nur, wie erkennt man die unterschiedlichen Ursachen und wie behandelt man sie am besten? Dazu will die Informationsveranstaltung zu Ursachen und Therapien bei Schwindelattacken am 20.06.2022 in Celle informieren und gibt auch konkrete Hilfestellungen. Zusammen mit einer Physiotherapeutin wird Prof. Heide Therapieübungen zeigen, die Betroffenen im Bedarfsfall schnell helfen. „Auch möchten wir erklären, wie man sich während einer Schwindelattacke verhält, um Stürze oder Unfälle zu vermeiden.“

„Einen besonders großen Leidensdruck haben die Menschen, bei denen partout keine Ursache für die Schwindelattacken gefunden wird – und damit auch keine Therapie. Man darf nicht vergessen, wie beängstigend und z.T. wie gefährlich es ist, wenn sich plötzlich alles dreht.“ Auf der Veranstaltung wird der Experte erklären, was dann zu tun ist, woran gedacht werden kann und wohin sich diese Betroffenen wenden können. „Mit der Deutschen Hirnstiftung möchten wir Hilfesuchenden ein Informationsangebot geben und ihnen ermöglichen, mit Expertinnen und Experten direkt in Kontakt zu treten“, erklärt Prof. Heide. „Wir hoffen auf eine hohe Resonanz und freuen uns darauf, viele Menschen im Kreistagssaal des Landtags Celle begrüßen zu dürfen.“

Die Patientenveranstaltungen der Deutschen Hirnstiftung stehen grundsätzlich jedem offen und sind kostenfrei. Aufgrund begrenzter Platzkapazität ist es aber in jedem Fall ratsam, sich vorab anzumelden unter www.hirnstiftung.org/veranstaltungen/2022-celle

Dort finden Sie auch das detaillierte Veranstaltungsprogramm.