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Donnerstag, 25. Oktober 2012, 12:49 Uhr

Hessischer Apothekerverband e.V.

Presseinformation

Kaum noch Grippeimpfstoff in Hessens Apotheken

Offenbach – Die hessischen Apotheker schlagen Alarm: Grippeimpfstoff zu besorgen, sei praktisch unmöglich. Die Schuld daran gibt der Hessische Apothekerverband (HAV) mehreren Faktoren. So sei in einigen Bundesländern der Grippeimpfstoff ausgeschrieben worden. Das bedeute, dass hier – wie auch bei den Rabattverträgen für eine Vielzahl anderer Arzneimittel – nur der Hersteller zum Zuge kommt, der den niedrigsten Preis anbietet. Im Fall des Grippeimpfstoffes handele es sich um ein Unternehmen mit großer Marktbedeutung. „Hier ist nun das eingetroffen, wovor wir schon seit Einführung der Rabattverträge immer gewarnt haben, es sind nämlich im Produktionsprozess Störungen aufgetreten, die dazu geführt haben, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden ist“, so der stv. Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), Dr. Hans Rudolf Diefenbach.

Gerade bei Grippeimpfstoff seien Ausschreibungen problematisch, weil das Serum einem sehr sensiblen Herstellungsprozess unterliege und die jeweiligen Chargen jeweils saisonal vom Paul Ehrlich-Institut freigegeben werden müssen, so der HAV.

Die anderen Hersteller von Impfstoffen, die nicht zu den Ausschreibungsgewinnern großer Krankenkassen gehören, senken dementsprechend ihre Produktion ab. Es kommt wie es kommen muss: Tritt ein Zwischenfall bei einem Hauptlieferanten ein, können andere Unternehmen nicht im gewünschten Maße einspringen.

„Wir fordern die Krankenkassen auf, bei Impfstoffen und anderen lebenswichtigen Arzneimitteln die bisher praktizierte Ausschreibungspraxis endlich zu stoppen. In einem hochentwickelten und hochdotierten Gesundheitssystem wie wir es in Deutschland haben, ist es unverantwortlich, so mit der Gesundheit der Bevölkerung umzugehen“, kritisierte Diefenbach. Die Folgekosten, z.B. durch Nichtimpfen, könnten eklatant steigen und die vermeintliche Einsparung der Ausschreibung deutlich übertreffen.

Der HAV teilte mit, dass man in Hessen mit den federführenden Krankenkassen für die Impfsaison 2013/2014 ein Modell plane, dass eine Ausschreibung überflüssig mache und eine flächendeckende Versorgung garantiere.

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Der Hessische Apothekerverband e.V. (HAV) vertritt die Interessen der selbstständigen hessischen Apothekerinnen und Apotheker. Von den 1.590 Apotheken in Hessen, die mehr als 11.000 Arbeitsplätze bieten, sind 97 Prozent im HAV organisiert. Er ist Vertragspartner der Krankenkassen und schließt mit diesen Verträge ab.