Übersicht / DEKV Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V. / Meldung vom 18.09.2020

Freitag, 18. September 2020, 10:30 Uhr

DEKV Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V.

Pressemitteilung

1. DEKV-Pflegeforum: Starke Pflege im evangelischen Krankenhaus 2030

Berlin – Visionen zu entwickeln, die die Zukunft der Pflege im Krankenhaus mitgestalten, ist das Ziel des 1. DEKV-Pflegeforums, zu dem der Deutsche Evangelische Krankenhausverband e.V. (DEKV) in Kooperation mit der Diakonie Deutschland und der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) eingeladen hat. „Die evangelischen Krankenhäuser und der DEKV verstehen die Pflege als professionelle Betreuung und Unterstützung eines Menschen während seiner Genesung, aber auch in der Begleitung am Lebensende. Das bedeutet, die professionelle Pflege organisiert und gestaltet eigenverantwortlich den gesamten Pflegeprozess von der Planung bis zur Evaluation. Um dies leisten zu können, braucht sie die passenden Rahmenbedingungen im Krankenhaus. Mit der Prüfungs- und Ausbildungsverordnung zur Umsetzung des Pflegeberufegesetzes, der Konzertierten Aktion Pflege, der Einführung des Pflegebudgets und der damit verbundenen Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System hat die Politik in der aktuellen Legislaturperiode schon viel bewegt. Doch auch in Zukunft braucht die Pflege im Krankenhaus weitere Stärkung. Eine Tätigkeit in der Pflege muss ein moderner Beruf sein, der für Menschen aller Altersgruppen und Bildungsabschlüsse lebenslang attraktiv ist. Darüber hinaus müssen unsere Pflegenden befähigt werden, die Organisation Krankenhaus gemeinsam mit den anderen Mitarbeitenden weiterzuentwickeln“, betont Christoph Radbruch, Vorstandsvorsitzender des DEKV.

Qualifikationsmix und Pflegekarrieren stärken

Qualifikationsgemischte Teams aus Pflegenden mit Helferabschluss, Examen und einer akademischen Ausbildung stärken den Pflegeberuf. Alle Patientinnen und Patienten, aber vor allem vulnerable Patientengruppen und solche mit komplexen Behandlungsverläufen, profitieren von qualifikationsgemischten Teams. Voraussetzungen, um Menschen für die Pflege zu gewinnen, sind neben eigenverantwortlichen Tätigkeiten auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie persönlichen Zielen. Im Beruf muss der Kern der Pflege, der in der Beziehung und Zuwendung zu den Patientinnen und Patienten liegt, künftig mehr Raum einnehmen. Darüber hinaus gilt es, die akademische Pflege auszubauen. Dazu Professor Dr. Sebastian Schröer-Werner, Rektor der Evangelischen Hochschule Berlin: „Als Vorreiterin in Berlin beim primärqualifizierenden Pflegestudium und auch in der Hebammenkunde trägt die EHB seit Jahren in hohem Maße zur Akademisierung und Professionalisierung in den Gesundheitsberufen bei. Für das Studium essentiell ist die gute Verknüpfung von Theorie und Praxis, dazu gehört unter anderem auch ein enger Wissens- und Erfahrungsaustausch mit außerhochschulischen Einrichtungen und Institutionen. Mit dem DEKV haben wir hier einen starken Partner an unserer Seite.“

Für die Zukunft fordert der DEKV die Kultusminister der Bundesländer und den Bund auf, die akademische Pflegeausbildung durch die Einrichtung und Finanzierung von Studienplätzen zu stärken. Bis 2027 müssen bundesweit 10 Prozent zusätzliche Pflegestudienplätze geschaffen werden. „Um Kompetenzen in der Pflege gezielt zu entwickeln, sollte in den Häusern ein mit den mittel- und langfristigen Zielen und Entwicklungen des Krankenhauses abgestimmtes strukturiertes Personal- und Kompetenzmanagement implementiert werden“, ergänzt Christoph Radbruch die Forderung.

Pflegebedarfsbemessung für bessere Arbeitsbedingungen und Patientensicherheit

Es stärkt die Pflege, wenn der differenzierte Bedarf von Pflegebedürftigen im Krankenhaus strukturiert nachgewiesen wird. Der daraus abgeleitete jeweilige Pflegepersonalbedarf und eine angemessene Personalausstattung verbessern die Versorgungsqualität und gewährleisten die Patientensicherheit. Dazu Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: „Die Pflege ist eine tragende Säule jedes Krankenhauses. Deshalb setzt sich die Diakonie für gute Rahmenbedingungen in der Pflege ein. Pflegekräfte brauchen mehr Wertschätzung und Anerkennung ihrer Professionalität, auch durch bessere Arbeitsbedingungen. Wir unterstützen die Entwicklung eines bedarfsgerechten Personalbemessungsinstrumentes für die Krankenhäuser. Keine Pflegekraft sollte nachts allein auf einer Station arbeiten müssen. Patientinnen und Patienten müssen zu jeder Zeit professionell pflegerisch versorgt werden. Diese Zusage müssen wir verbindlich sicherstellen.“

Das von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Deutschen Pflegerat (DPR) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) entwickelte Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 ist ein geeignetes Interims- und Übergangsinstrument. Es bezieht auch besonders pflegebedürftige, vulnerable Patientengruppen mit ein und erleichtert die Dokumentation. „Ein zukünftiges Pflegepersonalbemessungsinstrument muss aber noch weiter ausdifferenziert werden, beispielsweise in der Nachtschicht, der Zuwendungsorientierung und bei der Qualifikation der Pflegenden. Daher fordert der DEKV den Gesetzgeber auf, die Entwicklung eines modernen, wissenschaftlich fundierten Pflegebedarfsbemessungsinstruments für das Krankenhaus zu beauftragen und dessen Einführung gesetzlich umzusetzen“, betont Christoph Radbruch.

Digitalisierung entlastet die Pflege

Der Grad der Digitalisierung ist in den evangelischen Krankenhäusern unterschiedlich weit fortgeschritten. Für die Pflege bietet die Digitalisierung vielfältige Entlastung, sei es durch moderne Informations-, Kommunikations- und Assistenz-Technologien oder durch eine Verringerung des Dokumentationsaufwands. Die so gewonnene Zeit kommt der kompetenten Versorgung der Patienten zugute. Darüber hinaus tragen die gewonnenen Daten zur Verbesserung der Pflegequalität und der Patientensicherheit bei. Voraussetzung dafür ist, dass Pflegende qualifiziert sind, diese Technologien umfassend einzusetzen. Für die digitale stationäre Infrastruktur sind im Krankenhauszukunftsgesetz bis zu 4,3 Milliarden Euro vorgesehen. Das wird die Digitalisierung in den Krankenhäusern voranbringen, doch dieser Prozess muss auch darüber hinaus weiter gesichert sein. Dazu DEKV-Vorstand Christoph Radbruch: „Wir fordern, dass die über den Krankenhauszukunftsfonds geförderten Projekte auch die Pflege gezielt entlasten und den gesamten Pflegeprozess einbeziehen. Mit Ablauf des Krankenhauszukunftsfonds muss eine regelhafte Erstattung der vollständigen Kosten für die Digitalisierung nachhaltig in der Krankenhausfinanzierung mit einem Zuschlag je Fall (Digitalisierungszuschlag) verankert sein. Dies umfasst neben fortlaufenden Investitionen in die Digitalisierung auch Aufwendungen für die Qualifizierung der Pflege. Sind dieser Punkte erfüllt, können wir das leisten: Starke Pflege im evangelischen Krankenhaus 2030.“

Die Diakonie ist die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen. Bundesweit sind etwa 599.282 hauptamtliche Mitarbeitende in rund 31.600 ambulanten und stationären Diensten der Diakonie wie Pflegeheimen und Krankenhäusern, Beratungsstellen und Sozialstationen mit 1,18 Millionen Betten/Plätzen beschäftigt. Der evangelische Wohlfahrtsverband betreut und unterstützt jährlich mehr als zehn Million Menschen. Etwa 700.000 freiwillig Engagierte sind bundesweit in der Diakonie aktiv.

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband e.V. (DEKV) vertritt mit 201 evangelischen Kliniken an über 270 Standorten jedes achte deutsche Krankenhaus. Die evangelischen Krankenhäuser versorgen jährlich mehr als 2,5 Mio. Patientinnen und Patienten stationär und mehr als 3 Mio. ambulant. Mit über 120.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 10 Mrd. € sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der DEKV ist Branchenverband der evangelischen Krankenhäuser und Mitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. Der DEKV setzt sich insbesondere für eine zukunftsorientierte und innovative Krankenhauspolitik mit Trägervielfalt, verlässliche Rahmenbedingungen für die Krankenhausfinanzierung, eine Modernisierung der Gesundheitsberufe und für eine zukunftsorientierte konsequente Patientenorientierung in der Versorgung ein.

Vorsitzender: Vorsteher Christoph Radbruch, Magdeburg, stellvertr. Vorsitzende: Andrea Trenner, Berlin, Schatzmeister: Dr. Holger Stiller, Düsseldorf, Verbandsdirektorin: Melanie Kanzler, Berlin.

Die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) ist eine staatlich anerkannte Bildungs- und Forschungseinrichtung für gesellschaftsrelevante Berufe im Bereich Soziale Arbeit, Gesundheit/Pflege, Erziehung/Bildung (SAGE). Das Studienangebot umfasst aktuell sechs grundständige Bachelor- und vier Masterstudiengänge. Rund 1.550 Studierende, 62 hauptamtlich Lehrende sowie über 200 Lehrbeauftragte lernen, lehren und forschen an einer der ältesten Bildungsstätte für soziale Berufe in Deutschland, mit einer seit dem Jahr 1904 bestehenden Ausbildungstradition. Praxisorientierte Lehr- und Forschungsprojekte sowie eine intensive Betreuung der Studierenden sind besondere Qualitätsmerkmale der Hochschule. Zum Profil gehören Querschnittsthemen wie Gender, Diversität, Flucht/Migration und Gesundheit. Der Wissenstransfer gründet sich auf problemadäquate Interdisziplinarität. Unterstützt werden Forschung, Lehre und Third Mission durch ein etabliertes Netzwerk externer Kooperationspartner, wie Träger/Institutionen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, Einrichtungen der Diakonie und der Evangelischen Kirche. Zudem bestehen Kooperationen mit über 60 Hochschulen im In- und Ausland. Drei an die EHB angegliederte An-Institute transferieren wissenschaftliche Erkenntnisse in Handlungswissen und bringen praktische Erfahrungen an die Hochschule.

Rektor: Prof. Dr. Sebastian Schröer-Werner. Prorektor: Prof. Dr. Michael Komorek