- Erkältungssaison 2025/26 ohne Engpässe bei Fiebersäften für Kinder
- Gezielte finanzielle Anreize zeigten Wirkung – strukturelle Fehlsteuerung bei kritischen Generika bleibt
- Masterplan beziffert Finanzbedarf für stabile Arzneimittelversorgung auf 310 bis 610 Millionen Euro jährlich
67 Cent entschieden in diesem Winter über Versorgungssicherheit. Um diesen Betrag durfte der Preis eines Kinderfiebersafts infolge des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) steigen. Für die gesetzlichen Krankenkassen kaum spürbar – für die Hersteller jedoch ein wirtschaftliches Signal.
Das Ergebnis: In der Erkältungssaison 2025/26 ist die Zahl der Engpässe bei Kinderarzneimitteln massiv zurückgegangen. Beim Fiebersaft investierten Hersteller in zusätzliche Wirkstoffbestände, neue Lieferanten für Flaschen und Packmittel sowie in zusätzliche Abfüllkapazitäten. Es kam sogar ein neues Produkt mit alternativer Wirkstoffquelle auf den Markt. „Der Winter hat gezeigt: Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, stabilisiert sich die Versorgung“, sagt Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika. „Es geht nicht um Subventionen – es geht um funktionierende Marktanreize.“
Engpässe bei Generika mit kritischen Wirkstoffen steigen weiter
Während sich die Lage bei Kinderarzneimitteln entspannte, bleibt die Grundversorgung insgesamt fragil. Bei versorgungskritischen Wirkstoffen – darunter Antibiotika, Diabetesmedikamente oder Krebsmittel – ist die Zahl der Engpässe zuletzt weiter gestiegen. Der Grund: Die beim ALBVVG angewendete Anreizlogik wurde nur punktuell umgesetzt.
In weiten Teilen des Generikamarktes wirken weiterhin hyperkomplexe Preisinstrumente, die Investitionen in mehr Resilienz und damit Versorgungssicherheit verhindern und Produktion an die Grenze der Wirtschaftlichkeit drücken. „Wir erleben seit Jahren eine strukturelle Fehlsteuerung“, so Bretthauer. „Der Staat reguliert Preise bis an die Rentabilitätsgrenze – und wundert sich dann über fragile Lieferketten.“
Masterplan überträgt erfolgreiche Logik auf die Grundversorgung
Vor diesem Hintergrund legt Pro Generika erstmals einen „Masterplan für Versorgungssicherheit“ vor. In einem einjährigen Projekt haben die wichtigsten Generikahersteller für Deutschland konkrete, finanzierbare Maßnahmen entwickelt, um die erfolgreiche Anreizlogik systematisch auf alle versorgungskritischen Wirkstoffe zu übertragen.
Der Plan unterscheidet zwischen akuten Engpässen und präventiver Stabilisierung und definiert jeweils geeignete Instrumente – von gezielten Preisentlastungen bis zur Absicherung mehrerer Anbieter im Markt. Der dafür errechnete Finanzbedarf liegt bei 310 Millionen bis 610 Millionen Euro jährlich.
Zum Vergleich: Allein durch den Patentablauf einzelner Blockbuster-Medikamente sparen die gesetzlichen Krankenkassen regelmäßig ein Vielfaches dieser Summe pro Jahr ein. Der Masterplan liefert die Lösung, wie gezielte Investitionen in die Resilienz zu Versorgungssicherheit bei Generika führen.
Pharmadialog vor Abschluss – Industrie fordert strukturelle Weichenstellung
Der Pharmadialog der Bundesregierung befindet sich in der Schlussphase. Ob aber strukturelle wirtschaftliche Anreize zur Stabilisierung der Generikaversorgung verbindlich verankert werden, ist bislang offen.
„Versorgungssicherheit entsteht durch stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen“, sagt Bretthauer. „Wenn wir die Grundversorgung resilient machen wollen, müssen wir die richtigen Anreize setzen. Der Masterplan zeigt konkret, wie das möglich ist.“
Ein Factsheet mit den wichtigsten Punkten des Masterplans finden Sie hier.
Den ganzen Masterplan für eine stabile Versorgung finden Sie hier.