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Donnerstag, 16. Mai 2013, 10:53 Uhr

Verband medizinischer Fachberufe e.V.

Konsequenzen für die praktische Adipositastherapie aus Kanada

Adipositas - eine unheilbare Krankheit?

Wolfsburg/Freiburg/Eppstein – Wer an Adipositas leide, benötige in der Regel eine lebenslange Behandlung. Aussicht auf vollständige Heilung bestünde dabei fast nie. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Arya Sharma von der Universität Alberta, Edmonton in Kanada. Er definiert Fettleibigkeit als chronisch fortschreitende Erkrankung, die unbehandelt zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führe. Es gäbe allerdings auch stark Übergewichtige, die keinerlei Einschränkungen, Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen hätten und völlig gesund seien. Auf zirka 15 Prozent schätzt Sharma diese nicht primär behandlungsbedürftige Ausnahmegruppe.

Sharma, einer der weltweit renommiertesten Adipositas-Forscher und -Therapeuten, teilte seine Erfahrung und sein Wissen mit Diätassistenten, Ernährungsmedizinern, Physio- und Sporttherapeuten sowie Psychologen und Psychotherapeuten auf dem 55. Bundeskongress des Verbands der Diätassistenten e.V. (VDD) und der 14. Jahrestagung des Bundesverbands der Ernährungsmediziner e.V. (BDEM) in Wolfsburg. Er appellierte an rund 1.500 Fachkräfte, nicht das Gewicht als primäre Zielgröße in den Mittelpunkt der Therapie zu stellen. Solange man weiterhin nur auf die Pfunde schaue, würden Patienten und Kostenträger am Ende immer enttäuscht werden.

Die logische Schlussfolgerung von Sharma: Es gibt kein allgemeingültiges für adipöse Menschen zu erreichendes Ideal- oder Normgewicht! Vielmehr gehe es darum, mit jedem Betroffenen sein persönliches „Best Weight“ im Laufe einer langfristig und interdisziplinär angelegten Therapie herauszufinden. Das könne im Einzelfall auch ein sehr hohes Gewicht sein. Oberstes Ziel jeder Adipositas-Intervention ist für Sharma die Verbesserung der Lebensqualität und des Allgemeinzustands der Patienten. Folglich wertet er einen Gewichtsstillstand und das Aufhalten der Progression als echten Behandlungserfolg.

Das Deutsche Netzwerk Adipositas – D.N.A., zu dessen Mitgliedern neben den ausrichtenden Berufsverbänden des Wolfsburger Kongresses auch der Verband medizinischer Fachberufe e.V. zählt, begrüßt Sharmas Ansatz. Er unterscheide sich von der in Deutschland vorherrschenden Sichtweise auf die Adipositas als selbst verschuldeter Zustand, der mit Disziplin und Willenskraft wieder in den Griff zu bekommen sei. Sharma nehme Druck von den Betroffenen und stelle die individuellen Voraussetzungen bzw. Möglichkeiten des Einzelnen in den Vordergrund.

„Diese Sichtweise ist auch für Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte wichtig. Sie sind die ersten Ansprechpartner/innen in Praxen. Sie sind Vertrauenspersonen für Patienten und sie bringen die notwendige Fachkompetenz mit, um Menschen mit Übergewicht zu betreuen und begleiten. Auf der Grundlage dieses Vertrauens lassen sich gemeinsam Strategien mit den Patienten erarbeiten. Denn es geht bei einer effizienten Adipositastherapie um mehr als Kilo und BMI“, erklärte dazu Brigitte März, Referatsleiterin für Medizinische Fachangestellte im Verband medizinischer Fachberufe e.V.

Hintergrund: Das Deutsche Netzwerk Adipositas – D.N.A. setzt sich seit Januar 2013 dafür ein, die Behandlung und Versorgung krankhaft übergewichtiger Menschen zu verbessern. Das von Sharma gegründete sehr erfolgreiche Canadian Obesity Network ist nicht zuletzt Vorbild für das Deutsche Netzwerk Adipositas – D.N.A. Weitere Informationen unter: www.deutsches-netzwerk-adipositas.de.

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. wurde 1963 als Berufsverband der Arzthelferinnen (BdA) gegründet und vertritt als Gewerkschaft seit 1980 auch die Interessen der Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen. Seit dem 6. Juni 2006 trägt der ehemalige BdA den Namen Verband medizinischer Fachberufe e.V. Mit der Satzungsänderung 2010 können auch angestellte Zahntechniker/innen den Verband beitreten. Mehr Infos unter www.vmf-online.de.