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Freitag, 11. November 2016, 16:18 Uhr

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.

Deutsche Kontinenz Gesellschaft vergibt Nachwuchspreis

Blasenkrebs besiegt – und dann? Neue Studie zeigt, dass auch die postoperative Inkontinenz nicht vergessen werden darf

Frankfurt/ Baden-Baden – Nach einer Blasenkrebs-Operation kann die Anlage einer künstlichen Blase aus dem Dünndarm (Neoblase) die Lebensqualität der Patienten erhöhen. Allerdings tritt danach weitaus öfters eine Harninkontinenz auf als bisher wissenschaftlich dokumentiert. „Die Ärzte müssen dieses Problem deutlich vor Augen haben und mit den Betroffenen darüber sprechen“, sagt Dr. Markus Tobias Grabbert (Klinikum der Universität München/LMU). Er wurde – zusammen mit Dr. Tanja Hüsch von der Universitätsmedizin der JGU Mainz – mit dem Nachwuchspreis der Deutschen Kontinenz Gesellschaft ausgezeichnet.

Grabbert hat die Daten von 1085 Patienten – vor und nach der Operation – über elf Jahre hinweg ausgewertet. Ergebnis: Es gibt keine Einzelfaktoren wie Alter oder Gewicht, die bei männlichen Patienten mit Neoblase zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Inkontinenz führen. Aber: Bisher gelten offiziell zehn Prozent tagsüber als inkontinent, ein Drittel der Betroffenen haben nachts Probleme. Grabbert: „Wir konnten zeigen, dass bei 39 Prozent der Patienten mit Neoblase am Tag ein unwillkürlicher Urinverlust auftritt und 58 Prozent in der Nacht.“

„Den Krebs zu besiegen ist das primäre und wichtigste Ziel. Das wird von Ärzten auch gewissenhaft kontrolliert“, sagt Dr. Ricarda Bauer, Tagungspräsidentin des Jahreskongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft 2015. „Die hier gezeigten postoperativen Inkontinenz-Zahlen zeigen aber deutlich – da erstmals aktuelle und strenge Kriterien für postoperative Kontinenz angewendet wurden - wie wichtig es ist, dass sich der behandelnde Arzt auch mit dem funktionellen Ergebnis auseinandersetzt, gezielt nach möglicher Inkontinenz und Erektionsstörungen fragt und Hilfe anbietet.“

Für seine Arbeit erhielt Dr. Markus Tobias Grabbert den wissenschaftlichen Nachwuchspreis 2016 der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Grabbert teilt sich die Auszeichnung mit Dr. Tanja Hüsch vom der Universitätsmedizin der JGU Mainz arbeitet.
Dank ihrer Arbeit können nun Schweregrade von neurologischen Blasenfunktionsstörungen unterteilt werden. Dafür untersuchte sie mithilfe des Eiswassertests die weltweit größte Kohorte von Patienten mit Multipler Sklerose. Erstmalig konnte so eine Schweregradeinteilung erfolgreich vorgenommen werden. Das heißt weiterführend, dass therapeutische Maßnahmen wie Botox-Injektionen erstmalig objektiviert werden können und den Patienten zukünftig konkrete Prognosen gestellt werden können.

Der Nachwuchspreis wurde am 4. November 2016 beim Jahreskongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Baden-Baden vergeben. Er ist mit 1500 Euro dotiert und soll Anreize zur wissenschaftlichen Tätigkeit bieten. Forschung und Weiterbildung sind zwei wichtige Betätigungsgebiete der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, um die Situation der Betroffenen zu verbessern. Derzeit gibt es eine hohe Quote noch nicht oder nicht adäquat behandelter Patienten.
Der Nachwuchspreis 2016 wurde von der Firma Medtronic GmbH Meerbusch unterstützt.

Preisträger Dr. med. Markus Tobias Grabbert, München: „Evaluation von Risikofaktoren für eine postoperative Inkontinenz bei Patienten mit Neoblase.“

Preisträgerin Dr. med. Tanja Hüsch, Mainz: „Evaluierung des Eiswasser-Nomogramms in einer Kohorte von 201 Patienten mit Multipler Sklerose.“

Inkontinenz ist eine Volkskrankheit. Es gibt in Deutschland über neun Millionen Betroffene. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. setzt sich seit 1987 für eine Verbesserung der Diagnose, Behandlung und Prävention ein – von Harn- und Stuhlinkontinenz sowie dem Einnässen beim Kind. Unter www.kontinenz-gesellschaft.de finden Betroffene und Angehörige wertvolle Informationen, zertifizierte ärztliche Beratungsstellen, sowie Kontinenz- und Beckenbodenzentren in ihrer Nähe. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft ist eine gemeinnützige, medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft. Durch regelmäßige Fortbildungs-Veranstaltungen trägt sie zudem maßgeblich zur Qualitätssicherung in der Behandlung und Beratung von Menschen mit Inkontinenz bei.