In Deutschland leben schätzungsweise rund elf Millionen Menschen mit Diabetes. Viele von ihnen messen regelmäßig den Blutzucker, um ihre Therapie anzupassen und Unter oder Überzuckerungen früh zu erkennen. Dabei hängt der optimale Messzeitpunkt von der individuellen Therapiesituation ab. Außerdem möchten unerfahrene Diabetiker wissen, was die gemessenen Werte aussagen. Um darauf richtig zu antworten, berücksichtigen Ärzte stets die individuelle Situation mit den persönlichen Voraussetzungen.
Der richtige Zeitpunkt: Wann Blutzucker messen?
Wann Patienten den Blutzucker messen sollten, hängt immer vom Einzelfall ab. Ein Diabetes-Tagebuch kann helfen, Messwerte zusammen mit Uhrzeit, Mahlzeiten und Bewegung übersichtlich festzuhalten. Hier können Sie ein Diabetes-Tagebuch kostenlos herunterladen.
Diabetiker besprechen die besten Zeitpunkte für die Messung mit Hausärzten und Diabetologen im Detail. Dabei sind in der Regel vor allem die folgenden Momente eine Option:
- nüchtern vor dem Frühstück
- vor dem Mittagessen und dem Abendessen
- zwei Stunden nach Mahlzeiten
- vor der Nachtruhe
- bei Beschwerden oder Verdacht auf Unterzuckerung nach dem persönlichen Notfallplan
Bei manchen Therapieformen, etwa bei einer Behandlung mit Tabletten ohne Insulin und geringem Unterzuckerungsrisiko, kann ein strukturiertes Tagesprofil mit drei bis vier Messungen an einem Tag pro Woche ausreichen. An den übrigen Tagen sind dann weniger Messungen nötig. Bei einer intensivierten Insulintherapie sind dagegen meist tägliche Messungen vor den Mahlzeiten und bei Bedarf erforderlich.
Aussagekraft der Blutzuckerwerte mit Abhängigkeit vom Einzelfall
Für die Deutung der Blutzuckerwerte gelten bei Menschen mit und ohne Diabetes sehr unterschiedliche Kriterien. Eine Blutzuckertabelle kann dabei helfen, die Werte übersichtlich festzuhalten und Zusammenhänge mit Mahlzeiten, Bewegung oder der Therapie zu erkennen. Die Werte sollten im Zusammenhang mit dem persönlichen Therapieplan betrachtet werden. Das behandelnde Team unterstützt bei der Einordnung und bei notwendigen Anpassungen.
Es gibt während der Auswertung eines Blutzuckertagebuchs keine festen Zielwerte, die für alle Patienten erstrebenswert sind. In jedem Einzelfall müssen Mediziner sicherstellen, dass Zielsetzungen das Risiko für Unterzuckerungen nicht unnötig erhöhen. Durch die Berücksichtigung der individuellen Faktoren erkennen Spezialisten mit analysierten Zuckerwerten, ob Diabetiker die richtigen Insulindosen erhalten und auch mit der täglichen Ernährung den Blutzuckerspiegel senken.
Vor der ursprünglichen Diagnose sind die Zuckerwerte ein wichtiger Anhaltspunkt, wenn Ärzte sich mit Symptomen und Ursachen von Diabetes befassen. Bei Erwachsenen ohne Diabetes liegen die NüchternBlutzuckerwerte normalerweise unter 100 mg/dl. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit sollten sie wieder unter 140 mg/dl liegen. Werte dauerhaft darüber können auf Prädiabetes oder Diabetes hinweisen. Die Diagnose wird jedoch immer durch Laboruntersuchungen in der Praxis gestellt, zum Beispiel durch Messung des NüchternBlutzuckers, eines Zuckerbelastungstests oder des LangzeitBlutzuckers (HbA1c).
Blutzucker messen mit Anleitung für zuverlässige Auswertung
Sobald Patienten erstmals alleine den Blutzucker messen, ist die Anleitung des Arztes hierzu für aussagekräftige Werte im Detail einzuhalten. Denn es bleibt unverzichtbar, dass Diabetiker bei der Selbstmessung typische Fehler vermeiden. Beispielsweise können schmutzige Finger oder Rückstände von Desinfektionsmitteln die Messwerte deutlich verfälschen. Zugleich müssen die Betroffenen die Teststreifen richtig aufbewahren und auf das Ablaufdatum achten. Mediziner zeigen, wie ausreichendes Blut ohne verfälschende Gewebeflüssigkeit auf den Streifen gelangt. Dadurch ergeben die Messungen zuverlässige Werte, die tatsächlich etwas aussagen.