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Dienstag, 25. September 2018, 15:20 Uhr

Evangelisches Klinikum Bethel gGmbH

Presseinformation

Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht

Bielefeld – Aus Spiel wird Ernst

Die Fachstelle Glücksspielsucht in der Ambulanten Suchthilfe Bethel des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) gehört zu den fünf größten Beratungsstellen in der Bundesrepublik. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Menschen, die Hilfe suchen, um 27 Prozent erhöht. Die Art der Glücksspiele verändert sich. Der Klassiker „Automatenspiele“ stagniert, Online-Spiele und Sportwetten nehmen zu. Suchtgefährdet sind vor allem junge Männer.

Glücksspieler kennen keine Sperrstunde. Jeder kann rund um die Uhr zocken, die Grenzen zwischen Spielspaß und Spielsucht verlaufen fließend. „Die meisten Hilfesuchenden kommen erst, wenn der Leidensdruck so enorm hoch ist – wie zum Beispiel vor einer Pleite oder Insolvenz – dass fast nichts mehr zu retten ist.“ Frank Gauls, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht im EvKB, spricht aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Die Glücksspieler können ihre Sucht von allen Suchtkranken am besten verheimlichen, denn sie haben zum Beispiel keine Fahne, sind also nach außen hin sehr unauffällig. In vielen Fällen ahnen beste Freunde oder enge Bezugspersonen monate- oder jahrelang nichts von der Sucht.“ Bundesweit zeigen knapp 500.000 Menschen ein problematisches oder krankhaftes Suchtverhalten – Tendenz steigend.

Bei der Bielefelder Fachstelle wurden 2017 mehr als 2.700 Gespräche geführt, das ist eine deutliche Steigerung um 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. „Glücksspiel ist prinzipiell in Deutschland verboten. Lizensiert sind Spiele in Spielbanken, Lotto und die Sportwette Oddset – alles andere ist verboten oder liegt in einer Grauzone“, so Gauls, der mit seinem Team vor allem Klienten betreut, die durch Geldspielautomaten und Online-Glücksspiele wie Sportwetten ihre Existenz aufs Spiel setzen oder gesetzt haben. Die Mehrzahl der Hilfesuchenden in Bielefeld ist zwischen 20 und 39 Jahren alt und immer mehr sind hoch verschuldet. „Allein der Anteil der Klienten, die eine Schuldenhöhe von mehr als 50.000 Euro haben, hat sich verdoppelt und liegt jetzt bei 6,5 Prozent. Über die Hälfte der Suchterkrankten haben offizielle Schulden bis zu 50.000 Euro, über private Verpflichtungen wird meist geschwiegen.“

Der Traum vom schnellen, großen Glück bleibt unerfüllt – Gewinner ist die Glücksspielindustrie, die es bisher geschafft hat, dass Staat, Länder und Städte die eigenen Gesetze nicht umsetzen. Bielefeld macht da keine Ausnahme. Von rund zwei Millionen Euro eingenommener Vergnügungssteuer fließen zirka.100.000 Euro in die Beratungsstelle, die eine sehr gute Erfolgsquote aufweist. Zwei Drittel der Ratsuchenden, die durchschnittlich ein Jahr in Behandlung sind, schaffen es aus der Sucht herauszukommen. „Wir bieten den Menschen, die bei uns Hilfe suchen und auch ihren Angehörigen an, durch Informations-, Beratungs- und Behandlungsangebote einen Ausweg aus dem Spiel, das zum Ernst geworden ist, zu finden.“