Dringend gesucht: Politischer Wille und Leadership. In der Krise müssen die Lösungen von morgen entstehen. Es ist dringend: Millionen Menschenleben stehen auf dem Spiel.
Zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz hat gestern UNAIDS in Rio die Folgen einer beispiellosen Finanzierungskrise beschrieben und vor Rückschritten gewarnt.
Bei der Eröffnungspressekonferenz waren sich die Redner*innen einig: Die Welt verfügt über alle Mittel, die Aids-Pandemie zu beenden, trotzdem drohen nun drastische Rückschritte. Die Folge: Millionen zusätzlicher Infektionen und Todesfälle – viele davon bereits im letzten Jahr.
Die Botschaft des Konferenzauftakts lautete im Kern: Wir wissen längst, wie wir die Pandemie beenden können. Es fehlt der politische Wille.
Dabei gilt: Weniger solvente Ländern können die Einbrüche bei der globalen Finanzierung nicht „über Nacht auffangen“, wie es der stellvertretende südafrikanische Gesundheitsminister Mathume Joseph Phaahla formulierte.
Auch die Bundesregierung ist angesprochen
„Es ist tragisch und unfassbar: Die Welt riskiert die Rückkehr von Aids, obwohl wir alle Mittel haben, um die Pandemie zu beherrschen. Den Appell von Rio muss auch die Bundesregierung hören: Deutschland muss aktiv werden und dazu beitragen, die Lücke zu schließen, indem es seinen fairen Beitrag leistet“, sagt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.
Stattdessen hat Deutschland im letzten Jahr seine Zuwendungen zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ebenfalls gekürzt. Zugesagt wurde 1 Milliarde Euro für einen Zeitraum von drei Jahren. Der deutschen Wirtschaftskraft entsprechend, müssten es mindestens 1,8 Milliarden sein.
Jetzt Verantwortung übernehmen
„Deutschland muss außerdem seiner Führungsrolle in globalen Gesundheitsfragen gerecht werden: Wir brauchen in der Krise Regierungen, die mit gutem Beispiel vorausgehen und helfen, eine neue verlässliche Architektur der internationalen HIV/Aids-Maßnahmen zu schaffen. So können wir dazu beitragen, Aids doch noch zu beenden – statt eine historische Chance zu vergeben“, so DAH-Vorstand Warminsky weiter.
Neue Lösungen entwickeln
Auf diesen notwendigen Prozess nimmt auch das Konferenzmotto Bezug: „Rethink. Rebuild. Rise“ („Überdenken. Wiederaufbauen. Aufstehen.“)
„In der Krise müssen die Lösungen von morgen entstehen. Die Chance besteht jetzt – und wir können uns nicht leisten zu warten“, sagt Sven Warminsky.
Die Deutsche Aidshilfe schließt sich den Worten von UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima an: „Hinter jeder Zahl stehen Menschenleben.“