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DGIV legt Positionspapier zur Primärversorgung vor

Pressemitteilung

„Ziel muss es sein, die gesamte ambulante Versorgung systematisch zu strukturieren“

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) hat ein Positionspapier zur Weiterentwicklung der Primärversorgung in Deutschland vorgelegt. Kern des Papiers ist die Forderung nach einer verbindlichen, standardisierten und digital gestützten Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs, um Patientinnen und Patienten künftig gezielter durch das Gesundheitssystem zu führen. Nach Überzeugung der DGIV erschweren es fragmentierte Versorgungsebenen und unkoordinierte Behandlungswege zunehmend, Patientinnen und Patienten effizient und bedarfsgerecht durch das Gesundheitssystem zu begleiten.

Das vom DGIV-Vorstand um Vorstandsmitglied Corinna Beutel federführend erarbeitete Positionspapier skizziert vor diesem Hintergrund konkrete Ansatzpunkte für eine stärker koordinierte Primärversorgung. „Die Diskussion über Primärversorgung wird in Deutschland häufig auf ein Primärarztmodell verkürzt“, so Corinna Beutel. „Tatsächlich geht es uns jedoch um eine bessere Koordination der Versorgung insgesamt – also um klare Zugangsstrukturen, interprofessionelle Teams und eine systematische Steuerung der Patientenwege.“ Daher müsse die Primärversorgung als interprofessionelle Aufgabe verstanden werden, bei der verschiedene Gesundheitsberufe gemeinsam Verantwortung für den ersten Zugang zur Versorgung übernehmen.

Entscheidend sei dabei eine digitale Ersteinschätzung, die unabhängig vom gewählten Zugangsweg nach einheitlichen Standards erfolgt und Patientinnen und Patienten nach denselben Kriterien in die passende Versorgungsebene steuert. Ergänzend schlägt das Papier vor, verfügbare Behandlungskapazitäten stärker zu bündeln und in einen gemeinsamen Terminpool zu überführen, um eine koordinierte Terminvergabe zu ermöglichen.

Neben der Strukturierung des Zugangs zur Versorgung betont der DGIV-Vorstand in seinem Papier die Bedeutung einer strukturierten Behandlungskontinuität. Klare und verbindliche Übergänge in die fachärztliche Weiterbehandlung sollen sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten auch bei komplexeren Krankheitsverläufen koordiniert durch verschiedene Versorgungsebenen begleitet werden. Die freie Arztwahl soll dabei grundsätzlich erhalten bleiben. Anders als in einigen internationalen Modellen, in denen Patientinnen und Patienten automatisch einem Primärarzt- oder Gesundheitszentrum zugewiesen werden, plädiert die DGIV weiterhin für eine freie Arztwahl auf der Grundlage standardisiert geführter Prozesse.

Ausdrücklich betont die DGIV darüber hinaus die Bedeutung regionaler Gestaltungsspielräume. „Unterschiedliche Versorgungsrealitäten in Ballungsräumen und ländlichen Regionen erfordern flexible Modelle der Primärversorgung“, so Beutel. Eine zentrale Rolle komme dabei den Kassenärztlichen Vereinigungen zu, die im Rahmen ihres Sicherstellungsauftrags maßgeblich an der regionalen Versorgungsplanung beteiligt sind. Die Weiterentwicklung der Primärversorgung müsse zudem eng mit der Reform der Notfallversorgung zusammengedacht werden.

„Die Diskussion über Primärversorgung zeigt sehr deutlich, dass wir das Gesundheitssystem stärker vom Bedarf der Patientinnen und Patienten her denken müssen“, erklärt Prof. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV. „Es geht nicht darum, Zugänge zu beschränken, sondern Versorgung besser zu koordinieren. Eine gut organisierte Primär- und Anschlussversorgung kann dazu beitragen, Ressourcen gezielter einzusetzen und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu verbessern.“

Das vollständige Positionspapier „DGIV-Positionen zur Primärversorgung“ ist ab sofort auf der Website der DGIV verfügbar unter: https://dgiv.org/wp-content/uploads/2026/03/DGIV-PositionPrimaerversorgung.pdf