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Mittwoch, 28. März 2007, 09:56 Uhr

Freie Ärzteschaft e.V.

„Die Heuschrecken übernehmen das Gesundheitswesen“

„Die Folge wird eine gigantische Kostenexplosion“

Essen – "Anonyme Massenabfertigung am Fließband, wenn man denn nach Monaten überhaupt einen Termin kriegt - so sieht die Zukunft deutscher Patienten als direkte Folge der Gesundheitsreform aus", warnt Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft (FÄ) vor einer immer weiter zunehmenden Industrialisierung des Gesundheitswesens. Die Krankenversorgung werde derzeit ohne den Sachverstand von Ärzten und Patienten gezielt umgeplant, einzig ausgerichtet am Interesse von Investoren und Konzernen: "Die Heuschrecken lassen sich mit Hilfe Ulla Schmidts im Gesundheitswesen nieder - Folge wird eine Kostenexplosion ungeahnten Ausmaßes und ein unkontrollierter Abfluss von Patientengeldern in dunkle Kanäle", warnt er.

"Gegen den Willen der Bevölkerung und der Ärzte, lange bevor die undemokratisch verabschiedete Gesundheitsreform am 01.04.07 in Kraft tritt, hat die Gesundheitsindustrie die Übernahme des Gesundheitswesens geplant und hinter dem Rücken von Ärzten und Patienten alle Vorbereitungen getroffen", sagt Grauduszus,. Das werde schon aus den ersten Pressemitteilungen zum 1. Gesundheitskongress des Westens deutlich, welcher als Leitkongress für die Gesundheitswirtschaft in NRW und darüber hinaus firmiere: "Hier sollen wieder Weichen gestellt werden, um das beste Gesundheitswesen der Welt für Investoren sturmreif zu schießen".

Die Krankenversorgung werde durch die bevorstehende Industrialisierung nicht nur entmenschlicht, sondern darüber hinaus teuer, gefährlich und ungesund, warnt der Hausarzt aus Erkrath. Entgegen den Behauptungen der Gesundheitsindustrie und den Versprechen der Gesundheitspolitiker werde die Medizin der Zukunft erheblich teurer. Ohne jegliche Einflussmöglichkeit der Zwangsbeitragszahler würden Beitragsmillionen für die Einführung der neuen Krankenversorgung mittels krankenkassengelenkter Behandlungsprogramme sowie für einen teuren Scheinwettbewerb zwischen den Kassen aufgewendet. Allein die Zwangseinführung der geplanten elektronischen Gesundheitskarte koste erheblich mehr als vom Bundesgesundheitsministerium angegeben. Die beweisführende Studie von Booz, Allen und Hamilton habe das BMG unterschlagen, deckte der Chaos Computer Clubs auf.

"Elektronische Verwaltung löst keine medizinischen Probleme - es schafft sie aber, da die Milliarden für die Gesundheitskarte der Patientenversorgung entzogen werden" sagt der Präsident der FÄ. Es werde ein elektronischer Patientenkörper geschaffen, der von den Patienten zwar selbst mitbestimmt werden könne, dadurch aber auch unvollständig oder verzerrt sei. "Das ist gefährlich, denn kein Arzt kann den Daten wirklich vertrauen. Es kann zu Fehldiagnosen und Behandlungsfehlen kommen.", warnt Grauduszus.

Darüber hinaus sollten Ärzte sich Ihren echten Patienten und nicht virtuellen Patientenkörpern zuwenden. "Die Behandlung von Datenkörpern kann für den Patienten sehr ungesund werden, besonders wenn je nach Kassen bzw. Versorgungslage und Versichertenstatus die Gemeindeschwester, der Telearzt oder der Dienst habende Krankenhausarzt zuständig ist. Das ist keine Qualitätsverbesserung, sondern der Versuch der Politik, die Schäden der eigenen Reformfehler durch eine neue Art von Rationierung zu begrenzen und das den Bürgern als modernes und leistungsfähiges Gesundheitssystem zu verkaufen", meint die Freie Ärzteschaft.

Zentral gespeicherte intime Patientendaten seien niemals zuverlässig vor missbräuchlichem Zugriff zu schützen. Sie untergraben das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Arzt und Patient und schaden den Menschen in vielfacher Hinsicht. Die freie Ärzteschaft fordert, dem Leben und der Gesundheit der Menschen einen höheren Stellenwert einzuräumen als den Milliardengewinnen einer so genannten Gesundheitsindustrie.

Bereits am 23.03.2007 hatte die freie Ärzteschaft mit der Übersendung einer plakatgroßen elektronischen Protest-Krankenkarte in einem offenen Begleitbrief an Bundeskanzlerin Merkel gefordert, das kostenintensive Akzeptanzmarketing des Gesundheitsministeriums und der gesetzlichen Krankenkassen mit Steuergeldern und dem Geld der gesetzlich Zwangsversicherten für die Industrie zu stoppen. Mit der Aktion Stethoskop und Strichcode warnt die Freie Ärzteschaft die Entscheider der Gesundheitswirtschaft aus Politik, Klinik, Hochschulen, Krankenkassen sowie der IT- und Telematik-Branche davor, die Zukunft ohne Ärzte und Patienten zu planen.

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