Übersicht / Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen ... / Meldung vom 24.02.2011

Donnerstag, 24. Februar 2011, 11:34 Uhr

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz

Menschen pflegen

Dreyer: Schulungen sollen freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege vermeiden

Mainz – Die rheinland-pfälzische Familienministerin Malu Dreyer setzt sich dafür ein, vor dem Einsatz von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der Pflege nach Alternativlösungen zu suchen, um alten Menschen möglichst viel Freiheit und damit auch Lebensqualität zu lassen. „Freiheitsentziehende Maßnahmen sind schwere Eingriffe in die Menschenrechte eines pflegebedürftigen Menschen. Vorab müssen immer alternative Möglichkeiten ausgeschöpft werden“, so Dreyer.

Um Betreuerinnen und Betreuer, Angehörige und Pflegekräfte in Altenpflegeeinrichtungen bei der schwierigen Einschätzung für oder wider freiheitsentziehende Maßnahmen zu unterstützen, hat das Familienministerium ein spezielles Schulungs- und Beratungsangebot für Rheinland-Pfalz entwickelt. „Mit dem neuen Angebot wird nicht nur über die negativen Auswirkungen von freiheitseinschränkenden Maßnahmen aufgeklärt, sondern es werden alternative Wege zur Problemlösung für die betroffenen alten Menschen aufgezeigt“, betonte Dreyer. Die Ziele des neuen rheinland-pfälzischen Landeswohnformen- und Teilhabegesetzes seien dafür ein Maßstab.

Über 400 rheinland-pfälzische Pflegeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz wurden im Dezember 2010 über das kostenlose Schulungsangebot, das im März 2011 startet, informiert. „Die Nachfrage ist außerordentlich groß. Insgesamt haben mehr als 200 Altenpflegeinrichtungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Schulung angemeldet“, zeigte sich Dreyer erfreut. Auch Altenpflegeschulen haben bereits ihr Interesse an dem Schulungsangebot bekundet.

Studien zufolge werden in den stationären Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland fünf bis zehn Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner körpernah mit Gurtsystemen fixiert. Darüber hinaus werden 20 bis 30 Prozent aller Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer Bewegungsfreiheit durch weitere Maßnahmen eingeschränkt. „Vor allem auffällige Verhaltensweisen, wie motorische Unruhe, Weglaufgefährdung oder Selbst- und Sturzgefährdungen werden als Argumente für freiheitsentziehende Maßnahmen angeführt“, so Dreyer. Doch die negativen Auswirkungen von Fixierungen, wie zum Beispiel die mangelnde Bewegungsmöglichkeit, die das Sturzrisiko ebenso erhöht wie starke Beruhigungsmedikamente, werden oftmals unterschätzt. Dabei zeigten neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass es für einen großen Teil der freiheitseinschränkenden Maßnahmen gute und praxistaugliche Alternativen gibt.

Die Familienministerin hob hervor, dass die Entscheidung für oder wider freiheitsentziehende Maßnahmen eine moralisch schwierige, rechtlich sehr differenzierte und fachliche hoch professionelle Angelegenheit sei. Die Träger dabei zu unterstützen sei ihr wichtig. „Mit geeigneten Konzepten kann es gelingen, die Zahl freiheitseinschränkender Maßnahmen deutlich zu reduzieren und trotzdem den Schutz der betroffenen Menschen zu gewährleisten“, unterstrich Malu Dreyer. Das komme nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch den Pflegekräften zugute, deren Arbeitszufriedenheit dadurch nachweislich steige.