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Freitag, 10. November 2006, 10:18 Uhr

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Namen des Kooperationsverbundes "Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ vom 10.11.2006

“Gesundheitliche Chancengleichheit muss zum Leitbild werden“

Berlin – Ein Verbund aus 41 Organisationen fordert Gesundheitsförderung als politische Querschnittsaufgabe

Angesichts zunehmender Armut in Deutschland und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen ist nach Ansicht des Kooperationsverbundes "Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten" eine weitere Akzentverschiebung in der Politik erforderlich: Gesundheitliche Chancengleichheit darf nicht nur Aufgabe des Gesundheitsbereichs sein, sondern muss auch andere Politikfelder einschließen. Dies erklärten die Partner anlässlich der Erweiterung des Kooperationsverbundes auf 41 Organisationen bei einem Treffen in Köln. Initiiert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beteiligen sich am Kooperationsverbund Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Ärzteorganisationen, die Landesvereinigungen und die Bundesvereinigung für Gesundheit und zahlreiche weitere Akteure.

Armut ist das größte Gesundheitsrisiko. Dies belegen der jüngste Gesundheitsbericht für Deutschland und aktuelle Studien wie der vor wenigen Wochen veröffentlichte Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS). Etwa elf Millionen Menschen leben in Deutschland unter der Armutsgrenze. Jedes zehnte Kind in Deutschland wächst in Armut auf, in Berlin sogar jedes vierte. Ein niedriger Bildungsstand, Arbeitslosigkeit und ein geringes Einkommen verkürzen zum Beispiel die Lebenserwartung von Männern aus dem untersten Viertel der Einkommensskala gegenüber dem obersten Viertel im Durchschnitt um zehn Jahre (72 gegenüber 82 Jahre). Der Befund ist deutlich: Soziale Ungleichheit führt zu ungleichen Gesundheitschancen.

Anlässlich des vierten Kooperationstreffens am 10. November in Köln fordern die Partner des Kooperationsverbundes in einer gemeinsamen Erklärung, gesundheitliche Chancengleichheit als Querschnittsaufgabe zu etablieren: "Neben dem Gesundheitsbereich kommt insbesondere auch der Bildungspolitik eine Schlüsselstellung zur Erreichung des Zieles zu. Daneben sind z.B. der Wirtschafts- und der Sozialbereich von besonderer Bedeutung."

"Gesundheitliche Chancengleichheit muss zum Leitbild werden, das über die einzelnen Politikfelder hinaus wirkt und bereits frühzeitig bei der Planung von Maßnahmen und Programmen berücksichtigt wird", erklärt Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. Insbesondere die Lebenswelten von Menschen in schwierigen Lebenslagen müsse so gestaltet werden, dass gesundheitliche Belastungen abgebaut und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gestärkt werden. Ausgrenzung und sozialer Verwahrlosung muss entgegen gewirkt werden. "Gesundheitliche Chancengleichheit in der Praxis vor Ort verankern!", ist eine zentrale Forderung der gemeinsamen Erklärung des Kooperationsverbundes.

Doch der Kooperationsverbund belässt es nicht bei Appellen an die Politik, sondern schafft selbst Strukturen und Instrumente. Ein erster Schritt ist die Einrichtung von Koordinierungs- und Vernetzungsstellen in den Bundesländern, den Regionalen Knoten. Sie werden im Rahmen der Arbeit des Kooperationsverbundes finanziert und sind bei kompetenten Partnern auf der Landesebene angesiedelt - in der Regel bei den Landesvereinigungen für Gesundheit. Die Arbeit der Regionalen Knoten bringt Akteure an einen Tisch, informiert über die Problemlage und leistet durch die Auswahl von Beispielen guter Praxis einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Gesundheitsförderung vor Ort. Seit Jahresbeginn 2006 haben fünf weitere Regionale Knoten ihre Arbeit aufgenommen, so dass nun 15 Bundesländer beteiligt sind. Um gesundheitliche Chancengleichheit wirkungsvoll als Querschnittsaufgabe in den Ländern zu verankern, fordern die Partner im Kooperationsverbund in ihrer Erklärung die nachhaltige finanzielle Sicherung der Regionalen Knoten durch ein entsprechendes finanzielles Engagement der Länder und der gesetzlichen Krankenkassen. Am 10. November 2006 erweitert sich der Kooperationsverbund auf 41 Partner: Zu den 37 bisherigen Organisationen treten die Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit, der Deutsche Caritasverband, das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) und der Deutsche Olympische Sportbund dem Verbund bei.

Partner im Kooperationsverbund sind (Stand: 10.11.2006):

AOK-Bundesverband Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V. Barmer Ersatzkasse BKK Bundesverband Bundesärztekammer Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit Bundesverband der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen Bundesverband der Unfallkassen e.V. Bundesverband der Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes Bundesvereinigung für Gesundheit e.V. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Deutsches Rotes Kreuz Deutsches Institut für Urbanistik (difu) Deutscher Caritasverband e.V. Deutscher Olympischer Sportbund Diakonisches Werk der EKD Gesundheit Berlin e.V. Gmünder Ersatzkasse Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V (HAG) Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung (HAGE) IKK-Bundesverband Knappschaft Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. (LAGS) Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg Landesinstitut für den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW Landesvereinigung für Gesundheit Bremen e.V. Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V. Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V. Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Mecklenburg-Vorpommern e.V. Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein e.V. Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V. (AGETHUR) Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie Brandenburg Nationale Armutskonferenz Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. Stiftung SPI Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V. / Arbeiter-Ersatzkassen-Verband VdAK/AEV Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Forschungsgruppe Public Health

Weitere Informationen zum Kooperationsverbund zur Gesundheitsförderung bei sozial benachteiligten Menschen stehen unter http:// www.gesundheitliche-chancengleichheit.de.