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Mittwoch, 18. Juni 2008, 12:35 Uhr

Saarland - Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales

Pressemitteilung

Gesundheitsminister Prof. Dr. Gerhard Vigener: Ein Sechstel der untersuchten Füchse im Saarland haben Fuchsbandwurm

Saarbrücken – Ansteckungsgefahr für den Menschen ist gering. Vorsicht bei Beeren, Früchten und Bärlauch: nie ungewaschen genießen.

„Im Saarland werden Füchse schon seit langem konsequent auf die Fuchsbandwurm-Erkrankung untersucht. Und zwar auf freiwilliger Basis, da dies trotz einer Forderung der Jagdverbände bislang keine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme ist", unterstreicht Gesundheitsminister Prof. Dr. Gerhard Vigener. Um maximale Sicherheit für die Bevölkerung zu erreichen, fordert der Minister, dass die Untersuchungen Pflicht werden.

2007 wurden im Saarland 328 Füchse beim saarländischen Landesamt für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz auf Tollwut untersucht. Keiner war mit Tollwut infiziert. Zusätzlich wurden 36 dieser Tiere auf Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) untersucht. Davon waren sechs positiv, was einem Sechstel der untersuchten Tiere entspricht. Zur Erklärung: Eine Untersuchung von jährlich zehn Prozent der angelieferten Füchse auf den Parasiten reicht aus, um wissenschaftlich fundiert eine Aussage mit einer 95-prozentigen Sicherheit zu treffen. Zusätzlich wurden im Rahmen der Amtshilfe 23 Füchse aus Luxemburg untersucht. Davon erwiesen sich vier als positiv.

Trotz dieser vergleichsweise geringen Infektionsrate (im Vergleich dazu waren 2005 noch 30 Prozent der untersuchten Füchse mit Fuchsbandwurm infiziert) im Saarland, gehen Experten davon aus, dass immer mit einem Befall von 25 bis 35 % der Füchse zu rechnen ist. "Man muss bei diesem Thema am Ball bleiben und darf es nicht auf die leichte Schulter nehmen", so der Gesundheitsminister.

"Die Anzahl der Übertragungen auf den Menschen ist immer noch sehr gering", so Minister Vigener. In Europa sind von 1982 bis 2000 lediglich 559 Fälle der Echinokokkose bekannt, wobei allerdings berücksichtigt werden muss, dass die tatsächliche Zahl der Fälle aufgrund der erst im Jahre 2000 begonnenen zentralen Erfassung nicht genau angegeben werden kann. Obwohl die Zahl der mit dem Bandwurm infizierten Füchse in Endemiegebieten relativ hoch ist, wurde kein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer hohen Population von befallenen Füchsen und erhöhten Infektionsraten beim Menschen festgestellt. Im Saarland wurde bislang keine Erkrankung beim Menschen festgestellt.

Fuchsbandwürmer sind selbst bei hohem Aufkommen im Endwirt für diesen kaum schädlich, für den Menschen hat aber eine Infektion meist verheerende Folgen. Zwar stellt im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurmes der Mensch einen Fehlzwischenwirt dar, da die Infektion nicht an den Endwirt weitergegeben wird: Dennoch findet in den Organen eines infizierten Menschen, vornehmlich in Leber, Lunge und Gehirn, eine Schädigung statt, bei der die betroffenen Organe zerstört werden.

Tückisch ist, dass die Erkrankung wird meist erst zehn bis zwanzig Jahre nach der Infektion bemerkt, bei Befall der Leber etwa besitzen die Symptome Ähnlichkeit mit einem Leberkarzinom oder einer Leberzirrhose. Eine Abgrenzung gegen die vorgenannten Erkrankungen ist mittels Antikörpernachweis im Blut möglich. bei fortgeschrittener Erkrankung ist eine Operation kaum noch möglich. Die meisten Erkrankungen traten bei Personen auf, die beruflich oder privat mit Landwirtschaft und Waldbau zu tun hatten.

Empfehlungen:

Früchten und Beeren aus Bodennähe (weniger als 60 bis 80 cm über dem Boden) oder Pilzen können möglicherweise Bandwurmeier anhaften. Minister Vigener empfiehlt daher, bodennah gesammelte Früchte, Beeren oder Kräuter wie Bärlauch niemals ungewaschen zu essen. Tiefgefrieren der Früchte reicht nicht aus, da die Eier erst bei minus 80 Grad Celsius absterben. Die Früchte sollten nach Möglichkeit gekocht werden. Beim Umgang mit Haustieren, die Mäuse fangen, ist Hygiene der beste Infektionsschutz. Vermutlich geht von diesen Haustieren das größte Infektionsrisiko aus, da in 70 Prozent der 559 zwischen 1982 und 2000 untersuchten Fälle Katzen oder Hundehalter betroffen waren. Nach der Berührung des Fells mit den Händen, zum Beispiel durch Streicheln, sollten diese nicht ungewaschen zum Mund geführt werden, insbesondere wenn das Fell in der Afterregion berührt wurde. Hunde und Katzen, die in der Nähe von Fuchs-Populationen gehalten werden, sollten regelmäßig entwurmt werden.

Hintergrund:

Der Fuchsbandwurm ist eine Unterart der Bandwürmer, nur rund drei Millimeter lang und tritt bei Rotfuchs, Polarfuchs und Marderhund, seltener bei Haushund oder Hauskatze auf. Beim Menschen ist er Auslöser einer bläschenartigen Erkrankung. Die Verbreitungsgebiete erstreckten sich vor allem auf die gemäßigten bis kalt-gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas und Nordamerikas. Die Erkrankung bei Menschen kommt in den meisten Gebieten endemisch vor, breitet sich jedoch zusehends auch auf ganz Mitteleuropa aus, da immer mehr Rotfüchse in die Städte abwanderten und sich der Fuchsbandwurm dort vor allem unter der Nagetierpopulation ausbreitet. Die Befallsdichte schwankt erheblich, in manchen Regionen sind bis zu 70 Prozent der Füchse befallen (Südwestdeutschland), in anderen nur bis zu Prozent.