Übersicht / Saarland - Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales / Meldung vom 21.08.2009

Freitag, 21. August 2009, 11:26 Uhr

Saarland - Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales

Überlebensraten haben sich im Saarland deutlich verbessert

Gesundheitsminister Vigener stellt neuen saarländischen Krebsatlas vor

Saarbrücken – "Nachhaltige Veränderungen der Umwelt entfalten ihre Wirkung erst in langfristigen Zeiträumen. Gerade bei der Entstehung von Krebserkrankungen ist es wichtig, Krankheitsentwicklungen und Heilungschancen in den Städten und Gemeinden genau zu beobachten“, so Gesundheitsminister Prof. Dr. Gerhard Vigener bei der Vorstellung des neuen Krebsatlas heute in Saarbrücken.

Der neue Krebsatlas ist Herzstück der vom saarländischen Krebsregister vorgelegten Dokumentation "Krebs im Saarland – Atlas der Inzidenz und Mortalität 1997-2006 und Bericht für die Jahre 2004-2006". In die Berechnungen für die Karten und Tabellen des Atlasses wurden insgesamt 59.795 Datensätze zu Neuerkrankungen, davon 31.476 (52,6%) für Männer und 28.319 (47,4%) für Frauen sowie 31.302 Datensätze zu Todesfällen, 16.788 (53,6%) männlichen und 14.514 (46,4%) weiblichen Geschlechts eingeschlossen.

In den Jahren 2004 bis 2006 sind insgesamt 18.860 Saarländerinnen und Saarländer neu an Krebs erkrankt, davon waren 10.184 (54,0%) Männer und 8.676 (46,0%) Frauen. Im Jahresdurchschnitt waren dies 6.287 Fälle, davon bei Männern 3.395 und bei Frauen 2.892. Im Europavergleich wird im Saarland ein bemerkenswert höheres Erkrankungsrisiko (+41,9%) der Männer deutlich: Nach aktuellen Risikoberechnungen müssen derzeit zwei Fünftel (41,1%) der saarländischen Männer und gut ein Viertel (27,9%) der saarländischen Frauen damit rechnen, bis zur Vollendung ihres 74. Lebensjahres an Krebs zu erkranken.

Obwohl Krebserkrankungen überwiegend in späteren Lebensabschnitten auftreten – das mittlere Erkrankungsalter ist aktuell für beide Geschlechter mit 68,6 Jahren bei Männern und 68,9 Jahren bei Frauen nahezu gleich - erkrankte gut jeder fünfte (22,4%) der neu erkrankten Männer und gut jede vierte (28,5%) der neu erkrankten Frauen vor Vollendung ihres 60. Lebensjahres. Im Alterssegment von 15-49 Jahren lagen die altersspezifischen Erkrankungsraten beim weiblichen Geschlecht durchgehend über denen ihrer männlichen Altersgenossen. Ab 55 Jahren aufwärts das umgekehrte Bild. Die männlichen Raten waren beträchtlich höher, um im Alter von 75-79 Jahren das Doppelte der weiblichen Raten zu erreichen.

Bei 9.686 von 2004-2006 verstorbenen Personen im Saarland wurde Krebs als Todesursache ermittelt. Dies war ein gutes Viertel (26,4%) aller Todesfälle. Mit leicht zunehmender Tendenz nach Herzkreislauferkrankungen somit die zweithäufigste Todesursache. Dabei wurden deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt: Während bei Männern drei von zehn (30,2%) Todesfällen auf Krebs zurückzuführen waren, betrug die entsprechende weibliche Quote weniger als ein Viertel (23.1%) Die bereits bei den Neuerkrankungen festgestellte stärkere Bedrohung der Männer tritt bei den Todesursachen noch auffälliger zutage. Zumindest eine Ursache hierfür ist der immer noch relativ hohe Anteil der Lungenkrebsfälle bei Männern, der im Vergleich zum bei den Frauen häufigsten Brustkrebs eine wesentlich schlechtere Prognose aufweist.

Die häufigsten Krebsformen im Saarland

Wie bereits seit einigen Jahren bestätigt die aktuelle Rangfolge der häufigsten Tumorlokalisationen bei den Neuerkrankungen der Männer das Prostatakarzinom (23,2%) mit deutlichem Abstand an der Spitze aller Tumorentitäten. Die Zahl der diagnostizierten Neuerkrankungen an einem Prostatakarzinom, die aufgrund breiter Kampagnen zur Einführung des PSA-Tests bei der Früherkennung krankhafter Prostataveränderungen in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts kräftig angestiegen war, ist aktuell wieder rückläufig. Die neuesten Ergebnisse zweier großer randomisierter Studien zur Nützlichkeit des PSA-Tests bestärken eher die Vorbehalte gegenüber dem PSA als Screeningtest, so dass eine Aufnahme in das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Deutschland in nächster Zeit wohl nicht zu erwarten ist.

Mit 16,8% belegt der Lungenkrebs den 2. Rang, dicht gefolgt von den Dick- und Mastdarmkrebsen (16,6%) auf Platz 3. Der seit längerem spürbare Rückgang des Lungenkrebses bei Männern als Erfolg einer zunehmenden Rauchabstinenz ist vorübergehend zum Stillstand gekommen. Lungenkrebs bei Frauen nimmt weiter zu und ist derzeit mit 7,9% die dritthäufigste weibliche Krebserkrankung. Die Primärprävention durch Rauchabstinenz ist beim weiblichen Geschlecht noch nicht wirksam. Die Kampagne "Saarland rauchfrei" wird weiterhin ein zentrales Element in den Aktivitäten der Landesregierung zum weiteren Ausbau der Primärprävention bei der Bekämpfung des Lungenkrebses sein. Positive Effekte der Nichtraucherschutzgesetze sind erst langfristig zu erwarten.

Bei den Frauen steht der Brustkrebs mit 28,5% nach wie vor mit deutlichem Vorsprung an erster Stelle. Als vorübergehende Konsequenz der flächendeckenden Einführung des Mammographiescreenings für Frauen im Alter von 50-69 Jahren ist in den kommenden Jahren zunächst mit einem erneuten Anstieg der Fallzahlen zu rechnen. Erste Auswertungen des Mammographiescreenings zeigen jedoch, dass der Anteil der Tumoren in Frühstadien mit sehr guten Heilungschancen zunimmt.

Für beide Geschlechter zusammengefasst sind Darmkrebserkrankungen die in der Bevölkerung am weitesten verbreitete Tumorerkrankung. Vor dem Hintergrund der hohen Erkrankungszahlen und den Möglichkeiten, die die Darmkrebsprävention und –früherkennung bieten, führt das Saarland seit Einführung der Präventionskoloskopie jährliche Darmkrebskampagnen durch. Die Resonanz auf den Darmkrebsmonat ist sehr gut, die Teilnahmeraten im Saarland sind mit die höchsten bundesweit. Mit der Verleihung des Felix Burda Award fand die Kampagne "Saarland gegen Darmkrebs" bundesweite Anerkennung. Die seit Jahrzehnten rückläufige Entwicklung bei Magenkrebserkrankungen hat sich in jüngster Zeit verlangsamt. Dennoch ist der Magenkrebs in der Erkrankungshäufigkeit bei Männern auf den sechsten, bei Frauen auf siebten Rang zurückgefallen.

Drei von 10 krebsbedingten Todesfällen bei Männern sind auf Lungenkrebs zurückzuführen. Wegen der immer noch ungünstigen Heilungschancen ist der Anteil (29,4%) des mit weitem Abstand an der Spitze rangierenden Bronchialkarzinoms an der gesamten Krebssterblichkeit um den Faktor 2,4 höher als der der mit 12,5% an 2. Stelle rangierenden Darmkrebse. Erfolgreichste Strategie im Kampf gegen den Lungenkrebs ist auf absehbare Zeit auch weiterhin die primärpräventive Bekämpfung des Tabakkonsums. Jeder zehnte männliche Krebstodesfall wird durch das an 3. Position platzierte Prostatakarzinom verursacht. Zusammengefasst sind damit die 3 dominierenden Tumorarten für mehr als die Hälfte (51,6%) aller krebsbedingten Todesfälle bei Männern verantwortlich.

Obwohl - wenn rechtzeitig in frühen Stadien entdeckt – meist mit günstigen Überlebensaussichten therapierbar, ist der Brustkrebs bei Frauen mit 18,1% nach wie vor die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. Es ist zu erwarten, dass sich bei weiter steigenden Beteiligungsraten am Mammographiescreening die Heilungschancen weiter verbessern. Bei Frauen rangieren mit einem Anteil von 14,4% ebenfalls wie bei Männern Darmkrebse als 2. häufigste Krebstodesursache. An dritter Stelle folgen inzwischen mit weiter zunehmender Tendenz die weiblichen Bronchialkarzinome (12,9%). Aufsummiert erreichen die 3 häufigsten Ursachen eine Anteil von 45.4% aller weiblichen Krebssterbefälle.

Langzeittrends der relativen 5-Jahres-Überlebensraten

Die Überlebensaussichten bei Krebs gesamt haben sich im Saarland nachhaltig und kontinuierlich für beide Geschlechter verbessert. Mit knapp einem Viertel (23,9%) erreichten die Männer in den 1970er Jahren nur gut die Hälfte der relativen weiblichen 5-Jahresüberlebensrate (43,6%). Wegen der ausgeprägten Erfolge (+140,2%) bei den Männern gegenüber +41,3% Zunahme bei den Frauen hat sich der Abstand zwischen den Geschlechtern stark verringert. Nach den aktuellen Berechnungen liegen die männlichen (57,4%) nur noch um 4,2 Prozentpunkte unter den entsprechenden weiblichen (61,6%) Raten.

Die Verbesserungen sind das Ergebnis vielfältiger Faktoren, deren Anteil im Einzelnen schwierig zu quantifizieren ist. Die Einführung und zunehmende Inanspruchnahme der Früherkennung, beachtliche Fortschritte in der Therapie und Nachsorge verschiedener Krebsarten, aber auch Umschichtungen im Spektrum der häufigsten Tumorentitäten waren daran beteiligt, so Minister Vigener. Beispielhaft hierfür sei die gegenläufige Trendentwicklung in der Erkrankungshäufigkeit an Lungenkrebs bei beiden Geschlechtern genannt. Der Anteil des Lungenkrebses ist bei Männern zurückgegangen, bei Frauen deutlich gestiegen. Wegen der immer noch ungünstigen Prognose beim Lungenkrebs wirkt sich diese Verschiebung positiv auf das Gesamtüberleben bei Männern und gleichzeitig negativ bei Frauen aus.

Für das Prostatakarzinom, den häufigsten Krebs der Männer, hat sich das relative 5-Jahresüberleben von den frühen 1970er Jahren bis zur 2. Hälfte der 1980er Jahre von 57,3% leicht auf 65,3% verbessert. Die aktuellen Schätzwerte für das Saarland liegen über 90%. Die Fortschritte dürften vorwiegend auf eine Vorverlegung der Diagnose als Folge der nachhaltigen Ausweitung der Früherkennung zurückzuführen sein.

Anfang der 1970er Jahre lebten 5 Jahre nach der Diagnose noch 64,1% der Brustkrebspatientinnen im Saarland. Mehr als 3 Jahrzehnte später ist es nunmehr gelungen, die relativen Überlebensaussichten auf günstige 82,9% zu steigern, was einer Verbesserung um rund 30% entspricht. Wie bereits erwähnt, erwarten wir in einigen Jahren auch im Saarland weitere Verbesserungen des Überlebens und Rückgänge bei der Sterblichkeit auch als Ergebnis der flächendeckenden Einführung und hoher Teilnahmequoten beim Mammographiescreening.

Derzeit betragen die 5-Jahres-Überlebenschancen von Lungenkrebs betroffenen Männern im Vergleich zur durchschnittlichen männlichen Bevölkerung 16,2%, bei Frauen entsprechend 19,1%. Im Langzeitvergleich mit den frühen 1970er Jahren mit extrem niedrigen Werten von 5,7% für Männer und 9,7% für Frauen ist dies zwar eine spürbare Erhöhung, dennoch ist die Situation nach wie vor sehr unbefriedigend. Bronchialkarzinome zählen immer noch zu den prognostisch ungünstigsten Tumoren.

Bei den Krebserkrankungen des Dick- und Mastdarms haben sich die relativen 5-Jahres-Überlebensraten kontinuierlich verbessert. Sie sind für beide Geschlechter identisch und erreichen inzwischen im Saarland über 60%, was einer Verdoppelung des Anteils der Überlebenden im Laufe von 30 Jahren gleichkommt. Weitere Fortschritte verspricht eine breitere Akzeptanz der Darmspiegelung in der Bevölkerung als gleichzeitig primär- und sekundärpräventive Strategie. Gutartige Adenome können während der Koloskopie vor der bösartigen Entartung aus dem Darm entfernt werden. Bereits maligne Tumoren werden mit hoher Treffsicherheit früh erkannt.