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Donnerstag, 12. Juni 2008, 12:01 Uhr

Hessischer Apothekerverband e.V.

Rabattverträge: Immer noch viel Beratungsbedarf in Apotheken

Hessens Apotheker beschäftigen 11 Prozent mehr Pharmazeuten für die Aufklärung der Patienten

Offenbach – Hessens Apotheken kämpfen immer noch mit den Auswirkungen der Rabattverträge, die die gesetzlichen Krankenversicherungen mit verschiedenen pharmazeutischen Herstellern abgeschlossen haben. Zum Start der Verträge am 1. April 2007 hatten die Apotheker in erster Linie damit zu kämpfen, dass ein Großteil der Arzneimittel nicht lieferbar war. Diese Probleme sind mittlerweile weitestgehend ausgeräumt. Allerdings hat eine Umfrage des Hessischen Apothekerverbandes bei seinen Mitgliedern ergeben, dass es bei etlichen Patienten zu unerwünschten Reaktionen nach dem Austausch des gewohnten Präparates kommt.

So klagten Versicherte, die Arzneimittel gegen Herz-/Kreislaufbeschwerden einnehmen, nach dem Austausch des bisher gewohnten Produktes gegen ein Rabattarzneimittel verstärkt über Übelkeit, Magen-/Darmbeschwerden und allergischen Reaktionen. Bei anderen waren extreme Erhöhungen oder auch ein Abfall des Blutdrucks zu verzeichnen. Eine weitere Problematik besteht darin, dass die ausgetauschten Produkte häufig nicht teilbar sind.

Auch Diabetiker litten nach der Umstellung auf Rabattvertragsarzneimittel verstärkt unter Durchfall, Magenbeschwerden und entgleisten Blutzuckerwerten. Und vor allen Dingen von Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen wurden zahlreiche Symptome wie Herzrasen, Schwindel und entgleiste Schilddrüsenwerte berichtet.

Insgesamt wurden 308 Meldungen eingeschickt. Dabei wurde 22 Mal über veränderte Blutdruckwerte berichtet. Allergische Reaktionen wurden 21 Mal genannt, davon waren sieben so heftig, dass diese eine Krankenhauseinweisung erforderlich machten.

Apotheker investieren in qualifiziertes Beratungspersonal

Die Zahl der hessischen Apotheken ist seit 2002 nahezu konstant. Zum Jahresende 2007 gab es 1.634 Betriebsstätten. Davon waren 1.324 Einzelapotheken, 113 Betriebe betrieben eine Filiale, 24 hatten 2 Filialapotheken und drei Apotheken verfügten über drei Filialen.

Durch den massiven Beratungsbedarf durch die Rabattverträge haben die selbstständigen Apotheker in hochqualifiziertes Personal investiert. So stieg die Zahl der angestellten PharmazeutInnen von 2.368 im Jahr 2006 auf 2.624 in 2007 und damit um 10,8 Prozent. Dem gegenüber steht ein Abbau beim nicht pharmazeutischen Personal um 172 Stellen. Die Gesamtzahl der Arbeitsplätze in Hessens Apotheken stieg um 283, nämlich von 10.823 (2006) auf 11.106; das bedeutet ein Plus von 2,8 Prozent. Die qualitative und quantitative Aufrüstung des Personals ist sicher auch ein Grund dafür, dass das Betriebsergebnis vor Steuern der typischen Apotheke gegenüber dem Jahr 2006 um 6.000 Euro sank.

Den Hauptumsatz mit 76,8 % machen nach wie vor die rezeptpflichtigen Arzneimittel aus, 13,4 % ist der Anteil mit rezeptfreien Arzneimitteln und 9,8 % tragen Ergänzungssortiment und Krankenpflegeprodukte bei.

Dabei ist bemerkenswert, dass der Staat – ohne dass er hierfür etwas leisten würde – durch die Erhebung des vollen Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent auf Arzneimittel einen größeren Kostenblock an den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung darstellt als die Apotheken. Den größten Anteil an den Ausgaben hat die Pharmaindustrie (64,6 %), danach folgt bereits der Fiskus (16 %) und dann folgen die Apotheken mit 15,4 %. Das Schlusslicht bildet der pharmazeutische Großhandel (4 %).

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Der Hessische Apothekerverband e.V. vertritt die Interessen der selbstständigen hessischen Apothekerinnen und Apotheker. Er ist Vertragspartner der Krankenkassen und schließt mit diesen Verträge ab. Von den rund 1.650 Apothekenleitern sind mehr als 95 Prozent freiwillige Mitglieder im Verband.