Übersicht / Pharmazeutische Zeitung / Meldung vom 18.07.2006

Dienstag, 18. Juli 2006, 19:47 Uhr

Pharmazeutische Zeitung

Arzneimitteltherapie

Industrielle Verblisterung ohne ökonomischen Nutzen

Eschborn – Nur auf den ersten Blick scheint das industrielle Verblistern von Arzneimitteln die Kosten der Therapie zu senken. Eine nähere Analyse bestätigt diese Vermutung, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Pharmazeutischen Zeitung (Erscheinung: 20.7.2006).

Der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Eberhard Wille skizziert in der Zusammenfassung seiner Untersuchung im Auftrag des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) Vor- und Nachteile einer industriellen Verblisterung von Arzneimitteln. Problematisch ist nach Willes Auffassung, dass die Verblisterung auf viele Faktoren keine oder sogar negative Auswirkungen hat. Das gelte beispielsweise für das Arzt-Patienten-Verhältnis oder das Wissen des Patienten um eine angemessene Arzneimittelversorgung. Durch die gemeinsame "anonyme" Verpackung könne bei Patienten das Wissen um die einzelnen Medikamente verloren gehen, die Therapietreue könne sich langfristig verschlechtern.

Die Verblisterung könne zudem einen vom Patienten gewollten Abbruch der Medikation nicht verhindern. Patienten, die die komplette Einnahme der Medikation vergessen, profitieren ebenfalls nicht von einer Verblisterung. Der Wissenschaftler ist der Ansicht, dass die vielen für die Verblisterung nötigen Veränderungen bei Herstellern, Großhändlern, Ärzten, Apotheken und schließlich Patienten den erhofften Compliance-Erfolgen gegenüber gestellt werden müssten.

Es müsse berücksichtigt werden, dass der Vorteil einer verbesserten Compliance durch eine Verblisterung nur bei einigen wenigen Patienten auftreten werde - gleichzeitig aber alle Patienten und anderen Beteiligten die Aufwendungen und Umstellungen in Kauf nehmen müssten.

Wille errechnet, dass eine kostendeckende Blisterabgabe erst ab etwa 3,00 Euro möglich sei. Dem stünden durchschnittliche Kosteneinsparungen durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) von 0,35 Euro gegenüber. Da es derzeit keine Bereitschaft bei den Patienten gebe, zusätzlich für eine Umstellung auf Blister aufzukommen, scheide eine Finanzierung über Zuzahlungen aus. Nur in einer Monopolsituation sei es Unternehmen, die verblistern und gleichzeitig andere Stufen der Distribution besetzten, möglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Auch bei den Disease-Management-Programmen erwartet Wille keine Fortschritte durch Blister, das gelte ebenso für die Integrierte Versorgung. Da das Einschreibeverfahren zunächst von einer Selbstselektion ausgehe nutz nach Willes Ansicht nur motivierte Patienten die Angebote. Damit erreiche die Verblisterung, wenn überhaupt, "ohnehin nur diejenigen, die ihr am wenigsten bedürfen".

Der komplette Beitrag kann online unter http://www.pharmazeutische-zeitung.de abgerufen werden.

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