Übersicht / Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft / Meldung vom 30.03.2007

Freitag, 30. März 2007, 12:38 Uhr

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

International Journal of Cancer, Band 120 (7), neu erschienen

Heidelberg РIn der neuen Ausgabe des International Journal of Cancer (IJC) stellen deutsche Virologen eine Hypothese auf, wie das Burkitt-Lymphom der Immunabwehr entgehen k̦nnte. Zwei Untersuchungen - in Japan und Italien - zeigen, dass Kaffeekonsum bei verschiedenen Krebsarten unterschiedlichen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko hat. Wissenschaftler aus Teheran finden einen Stammzellmarker in Blasenkarzinom-Zellen und untermauern damit die Krebsstammzell-Hypothese. Die Druckversion des IJC 120 (7) erscheint am 1. April.

An der Entstehung des Burkitt-Lymphoms sind Epstein-Barr-Viren beteiligt. Als molekularer Auslöser dieser Erkrankung gilt eine Umlagerung im Erbgut, die das Onkogen c-myc dauerhaft aktiviert. Die Lymphom-Zellen bilden zwar einige der Virusproteine, werden aber trotzdem vom Immunsystem ignoriert. Martin Schlee und Kollegen untersuchten, ob die Überexpression des c-MYC-Proteins oder das Fehlen bestimmter Virusantigene für die mangelnde Immunogenität der Krebszellen verantwortlich ist. Sie zeigten, dass c-MYC die Expression des Translationsfaktors STAT1 und des Zytokins IFN-beta1 hemmt. Das Fehlen dieser beiden zentralen immunregulatorischen Faktoren könnte erklären, warum Zellen der Immunabwehr sich nicht gegen das Burkitt-Lymphom richten.

Studien zu Kaffeekonsum und Krebserkrankungen des Verdauungstrakts erbringen nach wie vor inkonsistente Ergebnisse: Bei einem Vergleich von Kaffee- und Teetrinkern stellten Maurizio Montella und Kollegen in Italien fest, dass das Risiko, an einem hepatozellulären Karzinom zu erkranken, mit steigendem Kaffeekonsum sinkt. Dagegen fanden Toru Naganuma und Kollegen in einer prospektiven Studie an 38.000 Teilnehmern in Japan keinen Einfluss des Kaffeekonsums auf die Häufigkeit von Darmkrebs.

Bei vielen oder gar den meisten Krebserkrankungen, so postulieren Onkologen heute, geht das bösartige Wachstum nur von einer kleinen Population von Krebsstammzellen aus, die ein unbegrenztes Teilungspotential haben. Die Krebsstammzellen, so wird zunehmend gezeigt, teilen viele biologische Eigenschaften mit den so genannten embryonalen Stammzellen. Der Transkriptionsfaktor OCT-4, ein charakteristisches Markermolekül embryonaler Stammzellen, wurde bislang nur in einigen Keimzelltumoren entdeckt. Yaser Atlasi und Kollegen untersuchten 50 Gewebeproben von gesunden Harnblasen und von Blasenkrebs. Dabei stellten sie eine starke Korrelation zwischen der OCT-4-Expression und Krebs fest. Mit diesem Nachweis eines Stammzellmarkers in einem soliden Tumor tragen die Autoren ein weiteres Indiz zur Unterstützung der Krebsstammzell-Hypothese bei.

Schlee et al.: c-myc activation impairs the NF-kappaB and the interferon response: Implications fort he pathogenesis of Burkitt's lymphoma DOI: 10.1002/ijc.22372

Naganuma et al.: Coffee consumption and the risk of colorectal cancer: prospective cohort study in Japan DOI: 10.1002/ijc.22505

Montella et al.: Coffee and tea consumption and risk of hepatocellular carcinoma in Italy DOI: 10.1002/ijc.22509

Atlasi et al.: OCT-4, an embryonic stem cell marker, is highly expressed in bladder cancer DOI 10.1002/ijc.22508

Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar: www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/jabout/29331

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Sherryl Sundell Managing Editor International Journal of Cancer Deutsches Krebsforschungszentrum Im Neuenheimer Feld 242 69120 Heidelberg Germany Tel.: +49 6221 424800 Fax: +49 6221 424809 E-Mail: intjcanc@dkfz.de

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.