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Montag, 04. Juni 2012, 10:43 Uhr

Deutscher Behindertensportverband e.V.

"Paralympics 2012 - Was denkt Deutschland?"

Interview mit Mario Galla:

Frechen – Mario Galla gehört zu den erfolgreichsten Männermodels. Er kam mit einem verkürzten rechten Oberschenkel zur Welt und trägt deshalb eine Prothese. Der gebürtige Hamburger arbeitete bereits für namenhafte Labels und schaffte den Durchbruch als er 2010 auf der Berliner Fashion Week in kurzen Hosen über den Laufsteg ging.

Unmittelbar nach den Olympischen Spielen finden in London die Paralympischen Spiele 2012 statt. Welche Bedeutung hat dieses Ereignis für Sie?

Ich finde es sehr wichtig, dass die Paralympics stattfinden. Einfach um zu zeigen, dass behinderte Menschen mindestens genau so gute Leistungen erbringen können wie nicht behinderte. Die Paralympics setzten dieses Statement auf Sport bezogen, aber diese Tatsache lässt sich auf alle Bereiche in der Gesellschaft beziehen. Behindert oder nicht, am Ende des Tages kommt es auf den Willen an und wenn der vorhanden ist, kann man alles erreichen.

Wie werden Sie die Paralympischen Spiele in London verfolgen?

Wahrscheinlich wird mir im Internet ab und zu ein Artikel bezüglich der Paralympics über den Weg laufen. Ich bin leider nicht sehr sportinteressiert wenn es um TV übertragungen geht. Ich schaue mir maximal die Fusßball-WM und Spiele der NBA an, ansonsten ziehe ich es vor, selbst Sport zu treiben oder mir einen guten Film anzuschauen.

Verfolgen Sie den Behindertensport auch zwischen den Paralympischen Jahren? Haben Sie für eine der Sportarten besondere Bewunderung? Kennen Sie eine(n) Sportler(in) mit Behinderung persönlich?

Meine Tante war selbst mal Teilnehmerin bei den Paralympics und das hat mir sehr imponiert. Bei ihr hingen unzählige Medaillen an der Wohnzimmerwand, die ich als kleiner Junge immer bestaunt habe. Leider ist sie vor 5 Jahren verstorben. Abgesehen davon befasse ich mich kaum mit Behindertensport.

Wie kann die öffentliche Aufmerksamkeit für den Sport von Menschen mit Behinderung gesteigert werden?

Ich denke durch generelle Akzeptanz von behinderten Menschen in der Gesellschaft.

Als international gefragtes Model dürfte Sport zu Ihrem Alltag gehören. Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt Leistungssport zu betreiben und eine Teilnahme an den Paralympischen Spielen anzustreben?

Als Jugendlicher habe ich sogar 4 Jahre lang in einer Leistungsklasse Basketball gespielt, jedoch in Konkurrenz zu nicht behinderten Personen. Momentan würde mein Terminplaner und meine sportliche Ambition wohl eher keine Teilnahme an den Paralympics zulassen. ;) Ich habe jedoch ausgesprochen großen Respekt vor den Menschen die es schaffen, an diesem Event teilzunehmen. Ich denke selbst mit zwei gesunden Beinen und genug Training könnte ich keinem Paralympioniken das Wasser reichen.

Sie sind ein Vorbild für viele junge Menschen mit Behinderungen. Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht Vorbilder für junge Menschen, besonders im Behindertensport? Haben Sie ein Vorbild?

Ich finde es sehr wichtig Vorbilder im Leben zu haben denen man nacheifert, denn daraus resultieren automatisch Ziele die man sich selbst setzt und verfolgt. Meine Vorbilder in der Jugend waren Michael Jordan und Co. heute sind es eher Menschen aus meinem Umfeld wie z.B. meine Mutter oder Lars Amend, mit dem ich zusammen mein Buch „Mit einem Bein im Modelbusiness“ geschrieben habe.