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Dienstag, 22. April 2008, 13:29 Uhr

Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg

Die Trendwende ist geschafft: Hamburger Jugendliche greifen seltener zu Suchtmitteln

Konzept drogenfreie Kindheit und Jugend wirkt: 14jährige trinken und rauchen weniger - Tendenz bei Mädchen jeden Alters deutlich rückläufig

Hamburg – Hamburg hat die Trendwende im Suchtmittelkonsum von Jugendlichen geschafft: Die 14 bis 18jährigen greifen seltener und wenn erst mit höherem Alter zu Alkohol und Zigarette. Der Konsum illegaler Drogen hat sich fast halbiert. Besonders erfreulich ist, dass der Erstkonsum der 14jährigen deutlich rückläufig ist und damit in der Folge auch die Häufigkeit des Konsums in höherem Alter sinkt. Das Konzept "Drogenfreie Kindheit und Jugend" greift, wie die Studie SCHULBUS 2007 zeigt.

Nachdem jahrelang Kinder und Jugendliche immer früher und immer mehr Rauschmittel konsumiert haben, hat der Senat mit dem Leitbild und Konzept einer Drogenfreien Kindheit und Jugend eine Trendwende gegen den Suchtmittelkonsum erreicht. Die darin enthaltenen Maßnahmen sowie verstärkte Aktivitäten zur konsequenten Einhaltung bestehender Jugendschutzmassnahmen zahlen sich nach Erkenntnissen der aktuellen Studie SCHULBUS 2007 aus.

Trotz der positiven Trends geben die Ergebnisse jedoch weiterhin keinen Anlass zur Entwarnung oder zum Nachlassen der Anstrengungen: Noch immer ist die Zahl der Jugendlichen in Hamburg, die Erfahrungen mit Rauschmitteln haben, auf einem hohen Niveau. Die Studie zeigt dabei erneut, dass besonders jene Jugendlichen gefährdet sind, deren familiärer Kontext gestört ist.

Sozial- und Gesundheitsstaatsrat Dietrich Wersich: "Die Trendwende im Suchtmittelkonsum ist geschafft! Insbesondere bei den 14jährigen zeigt die aktuelle Studie eine erfreuliche positive Entwicklung. Denn gerade der frühe Konsum von Rauschmitteln ist verheerend. Je früher Jugendliche erstmals rauchen, desto größer ist später auch die Zahl ihrer täglich konsumierten Zigaretten. Deshalb muss Prävention so früh wie möglich ansetzen. Wir werden darum Maßnahmen und Programme aufrecht erhalten und fördern, die schon in sehr frühem Alter ansetzen und Jugendliche davon abhalten sollen, überhaupt mit dem Rauchen oder Trinken zu beginnen. Gleichzeitig gilt es auch Familien zu unterstützen. Intakte Familienverhältnisse sind zwar nach wie vor keine Gewähr für eine drogenfreie Kindheit und Jugend, aber sie sind eine der Voraussetzungen, die ein zufriedenes Aufwachsen ohne Suchterfahrung wahrscheinlicher machen."

Im Rahmen des Konzepts einer Drogenfreien Kindheit und Jugend wurden u.a. Koordinatoren für die Suchtprävention in den Bezirken ernannt, um die gemeinsame Zielsetzung zu unterstützen und den Informationstransfer zwischen Fachstellen, Trägern und Fachkräften zu gewährleisten. Außerdem wurde die Kooperation der Sucht- und der Jugendhilfe verbessert, um dadurch z.B. suchtbelastete Familien oder polizeilich erstmals registrierte Cannabiskonsumenten gezielt ansprechen zu können. Ein weiterer wichtiger Baustein war auch die Gründung des DZSKJ (Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters) am UKE, mit dem die Qualität der Suchtprävention verbessert und an der Praxis orientierte Forschung gewährleistet wird. Das Rauchverbot an Schulen wurde auch auf Jugendeinrichtungen ausgedehnt und Maßnahmen sowie Kampagnen zur Einhaltung des Jugendschutzgesetzes initiiert.

Auszüge aus SCHULBUS 2007

ALKOHOL

Auffallend gegenüber 2005 ist der Konsumunterschied zwischen den Geschlechtern. Mädchen und junge Frauen konsumieren wieder deutlich weniger Alkohol. Während die 30-Tage-Prävalenz bei Jungen auf hohem Niveau von 62% stabil blieb, sank sie bei Mädchen von 65 auf 54%. In der Konsumfrequenz zeigen sich aber bei beiden Geschlechtern rückläufige Trends: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen tranken demnach zu 42% mehrmals monatlich Alkohol (2005 49%). Positiv ist ebenso, dass insbesondere die 14jährigen deutlich seltener zum Alkohol griffen als in den Vorjahren.

TABAK

Wie beim Alkohol ist auch beim Rauchen der positive Trend insbesondere bei den Mädchen deutlich messbar. 37% der Mädchen gaben an, in den letzten 30 Tagen zur Zigarette gegriffen zu haben (2005: 46%). Bei den Jungen fällt der gemessene Rückgang von 38% gegenüber 39% 2005 weniger deutlich aus.

ILLEGALE DROGEN

Der stärkste Rückgang ist bei Cannabis zu beobachten. Offenbar konnte der Verharmlosung erfolgreich entgegen gewirkt werden. Sowohl bei der Lebenszeit-Prävalenz (Jungen 2005 41%; 2007 33%; Mädchen 2005 37%, 2007 22%) als auch beim aktuellen Konsum von Haschisch und Marihuana sind deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Bei den Mädchen hat sich die 30-Tage-Prävalenz sogar von 14 auf 7% halbiert (Jungen 2005 20%, 2007 13%). Auch bei der Verbreitung des Kiffens ist vor allem in den jüngeren Altersgruppen ein Rückgang messbar.

LEBENSWELT DER KONSUMENTEN

Die regelmäßigen Konsumenten von Suchtmitteln zeigen sich in nahezu allen Lebensbereichen spürbar unzufriedener. Die größten Differenzen liegen in der familiären Situation und der Gesundheit. Dabei bedingen sich Suchtmittelmissbrauch und Lebensprobleme gegenseitig.

Staatsrat Wersich fordert weiterhin Medien, Bevölkerung und Pädagogen auf, den Rauschmittelkonsum bei Kindern und Jugendlichen nicht zu verharmlosen: "Wir wollen unser Ziel einer drogenfreien Kindheit erreichen. Das kann nur gelingen, wenn Prävention von breiter gesellschaftlicher Unterstützung getragen wird und die Vorbildfunktion gelebt wird."

Auch die Studie 2007 belegt, dass es nicht ausreicht, dass die Jugendlichen gut über die Risiken des Konsums von Suchtmitteln Bescheid wissen. Sie brauchen klare und verbindliche Regeln für ihr eigenes Verhalten. Auch Vorbilder - sowohl bei Erwachsenen, aber auch und gerade im Freundes- und Bekanntenkreis - sind von entscheidender Bedeutung.

Bereits zum dritten Mal hat das Büro für Suchtprävention der Landesstelle für Suchtfragen e.V. im Auftrag der Stadt Hamburg rund 5.500 Hamburger Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren aller Schulformen zum Konsum von Drogen befragt. Die SCHULBUS-Studie stellt die Erfahrungen der Jugendlichen mit Tabak, Alkohol und illegalen Drogen, insbesondere Cannabis, dar und ermöglicht als Datenbasis Rückschlüsse, wie und wo Suchtprävention ansetzen muss.

Theo Baumgärtner, Autor der Studie und Leiter des Büros für Suchtprävention: "Die Studie SCHULBUS liefert zum dritten Mal wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der aktuellen Situation des Suchtmittelkonsums von Jugendlichen. Sie gibt uns zudem entscheidende Anhaltspunkte für kommende Aufgaben. Ich danke allen Jugendlichen, die sich beteiligt haben und ebenso den Schulen, die uns die Möglichkeit geben, die Befragung durchzuführen. Die Untersuchung soll auch in Zukunft in ein- bis zweijährigen Abständen wiederholt werden."

Die SCHULBUS-Studie 2007 steht in Auszügen als Download unter http://www.suchthh.de zur Verfügung.

Für Rückfragen der Medien: Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. Theo Baumgärtner Tel.: 284 99 18 13-, Fax: 284 99 18 19 E-Mail: baumgaertner@suchthh.de Im Internet: http://www.suchthh.de