Übersicht / Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V. / Meldung vom 12.11.2012

Montag, 12. November 2012, 12:19 Uhr

Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V.

PRESSEINFORMATION

Krankenkassen verweigern faire Verhandlungen über den apothekerlichen Zwangsrabatt / Apotheken fordern gerechte Anpassung mit Fax-Aktion ein

Stuttgart – Am Mittwoch (14.11.) verhandeln gesetzliche Krankenkassen und Apotheker über die Höhe des Rabatts, den die Apotheken den gesetzlichen Krankenkassen pro abgegebenem Medikament bezahlen müssen. Der Abschlag muss jährlich neu zwischen Apotheken und den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) verhandelt werden. Dieser Zwangsrabatt war für die vergangenen beiden Jahre als Sonderopfer von der Politik von 1,75 Euro auf 2,05 Euro angehoben worden. Begründet worden war dieses milliardenschwere finanzielle Sonderopfer der Apotheken mit einer Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung. Politik und Apothekerschaft sind sich einig, dass 1,75 Euro als Ausgangsbasis für die aktuellen Verhandlungen gilt. Die Kassen verweigern dies und stellen das befristete Sonderopfer der Apotheken in Frage. Darum startet die Apothekerschaft in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Apothekerverbänden im Saarland, in Thüringen und in Mecklenburg-Vorpommern heute eine Fax-Aktion an Krankenkassen in Bund und Land. Zudem kündigt der LAV für Baden-Württemberg an, dass andere Vertrags-Verhandlungen mit den Krankenkassen (beispielsweise über Blutzuckerteststreifen) bis auf weiteres ausgesetzt werden.

LAV-Präsident Fritz Becker: „Es kann nicht sein, dass die gesetzlichen Krankenkassen trotz ihrer milliardenschweren Finanzrücklagen die Apotheken auch 2013 gegen den Willen des Gesetzgebers finanziell unverändert hoch belasten wollen. Dies, obwohl viele Apotheken unter den Sparmaßnahmen leiden und jede Woche in Deutschland sechs Apotheken schließen müssen.“ Becker fordert von den Krankenkassen eine faire Verhandlung unter den Partnern der Selbstverwaltung ein und pocht auf die Festsetzung eines gerechten Apothekenabschlages: „Apotheken haben ihren Sparbeitrag in den vergangenen zwei Jahren erbracht und erwirtschaften zusätzlich jährlich über eine Milliarde Euro an Einsparungen für das Gesundheitssystem durch die Umsetzung der Rabattverträge. Diese Leistung wird von unseren Verhandlungspartnern nicht anerkannt. Darum protestieren die Apotheker in Baden-Württemberg und in anderen Bundesländern von heute an bis Mittwochnachmittag mit einer Fax-Aktion. Massenhaft fordern wir so die Kassen auf, die Belastung der Apothekerschaft wieder auf ein angemessenes und gerechtes Maß zurück zu fahren. Für mich sagen die Kassen mit ihrer derzeitigen Verweigerungshaltung aus, dass sie nicht bereit sind, für die Versorgung ihrer Versicherten einen angemessenen Preis zu bezahlen. Versorgung zum Schleuderpreis kann nicht dem Anspruch unseres Gesundheitswesens entsprechen. Wer hohe Qualität für Patienten einfordert, muss auch die Leistungen entsprechend bezahlen. Das Geld der Kassen ist nicht für den Sparstrumpf bestimmt, sondern für die Gesundheitsversorgung der Versicherten.“

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg fordert die gesetzlichen Krankenkassen ultimativ auf, sich ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Anpassung des Abschlags für das Jahr 2013 zu stellen und sich nicht vor der Verantwortung zu drücken. Fritz Becker: „Am kommenden Mittwoch haben die gesetzlichen Krankenkassen noch eine letzte Chance, einen konstruktiven Dialog in der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens zu führen und somit die Versorgung der Versicherten ernst zu nehmen und fair für die erwartete Leistung zu bezahlen.“

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg e. V. setzt sich für die unabhängige Beratung von Patienten, Gesundheitsprävention und die sichere Abgabe von Arzneimitteln ein. In Baden-Württemberg gibt es rund 2.700 öffentliche Apotheken. Der Verband vertritt die wirtschaftlichen und politischen Interessen seiner Mitglieder. Um das Wohl der Patienten kümmern sich im Land neben den approbierten Apothekerinnen und Apothekern auch rund 15.000 Fachangestellte, überwiegend Frauen, in Voll- oder Teilzeit.