München – Krebs ist eine Volkskrankheit. Beinahe jeder kennt jemanden in Familie oder Freundeskreis, der betroffen ist. Doch dank neuer Therapien ist die Krankheit zunehmend behandelbar – insbesondere durch individualisierte Behandlungen wie Immuntherapie oder die Nutzung von künstlicher Intelligenz für digitale Diagnostik. Ein weiterer innovativer Ansatz ist der Einsatz von mRNA-Technologien. CNATM, ein Netzwerk aus Forschenden der Münchner Universitäten LMU und TUM sowie weiteren bayerischen Hochschulen, Start-ups und Biotechnologieunternehmen, arbeiten daran, neuartige Nukleinsäure-basierte Wirk- und Impfstoffe der nächsten Generation zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen, darunter auch Therapien gegen Krebs. Das Ziel: den Krebszellen ihre „Identität“ zu nehmen.
Mehr als zwei von fünf Frauen (43 Prozent) und etwa jeder zweite Mann (51 Prozent) erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs. Dies geht aus aktuellen Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) hervor. Damit betrifft die Diagnose mittelbar oder unmittelbar einen Großteil der Bevölkerung. Nach Herz-Kreislauferkrankungen ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.
Neue Therapieansätze haben die Überlebenschancen von Patientinnen und Patienten in den letzten Jahren bereits deutlich erhöht. In vielen Fällen ist die Krankheit nicht mehr lebensbedrohlich. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass anstelle von Standardtherapien individuelle Therapien getreten sind. Diese wirken gezielt, effizient und mit weniger unerwünschten Nebenwirkungen.
Zu den personalisierten Krebstherapien gehört auch der Einsatz mRNA-basierter Impfstoffe. Die breite Öffentlichkeit kennt sie vor allem durch die COVID-19-Impfungen, doch die Technologie wurde ursprünglich in der Krebsforschung genutzt und eröffnet dort weiterhin neue Möglichkeiten.
Ein neues Kapitel in der Entwicklung von Nukleinsäure-basierten Therapeutika öffnet das Münchner Netzwerk Cluster for Nucleic Acid Therapeutics Munich (CNATM). Das Innovationsnetzwerk zwischen Forschung und Wirtschaft geht konsequent einen neuartigen Weg. An dem Netzwerk beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschulen Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Technische Universität (TUM) sowie der Universitäten Regensburg und Würzburg, das Helmholtz-Zentrum sowie 14 Biotechnologieunternehmen und Start-ups aus Bayern.
Das Team um Prof. Dr. Thomas Carell von der LMU, Sprecher des CNATM, forscht praxisnah an der Entwicklung stabiler, langwirksamer und eben gezielt einsetzbarer Medikamente auf Basis von Nukleotiden. Vor allem bislang nicht oder nur schwer behandelbare Krankheiten wie beispielsweise Blutkrebsarten bei Risikopatienten sollen damit bekämpft werden. Mit diesen neuartigen Nukleotiden wird ein neues Kapitel der Wirkstoffentwicklung geöffnet. „Wir ändern nämlich gezielt das epigenetische Programm von Tumorzellen“, erklärt Prof. Dr. Carell den Forschungsansatz. Einfach gesagt: Den Krebszellen wird ihre genetische Identität als Krebszelle genommen; der menschliche Organismus nimmt sie damit nicht mehr als solche wahr. „Diese Methode“, so Carell weiter, „hat das Potenzial, bislang therapieresistente Erkrankungen zu behandeln. Also auch jene, die auf bereits eingesetzte Impfstoffe nicht ansprechen.“
Prof. Dr. Dr. Stefan Engelhardt von der TUM, Sprecher des CNATM, beschäftigt sich als Pharmakologe mit der klinischen Entwicklung von Arzneimitteln. Er sagt: „Auf diesem Gebiet erleben wir gerade eine Revolution. Zu den bisher wichtigsten Wirkstoffklassen – niedermolekulare Wirkstoffe, die an Proteine im Körper andocken sowie Biologicals, zum Beispiel künstlich hergestellte Antikörper – wird eine weitere große hinzukommen. Und dies sind Nukleinsäure-basierte Medikamente wie die, an denen wir gerade forschen.“
Über CNATM
Der Cluster for Nucleic Acid Therapeutics Munich (CNATM) ist ein interdisziplinärer Zukunftscluster aus München, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). CNATM schafft ein Netzwerk, dessen Ziel es ist, neuartige Nukleinsäure-basierte Wirkstoffe und Vakzine der nächsten Generation zu entwickeln und schneller sowie effizienter in die Anwendung zu bringen. Der Forschungsverbund besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der federführenden Universitäten LMU und TUM. Beteiligt sind außerdem die Universitäten Regensburg, Würzburg, das Helmholtz-Zentrum in München sowie 14 Unternehmen aus der Region München.
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