Übersicht / Verband der Diagnostica-Industrie e.V. / Meldung vom 10.05.2011

Dienstag, 10. Mai 2011, 10:30 Uhr

Verband der Diagnostica-Industrie e.V.

Pressemitteilung

Labormediziner: "Innovationen werden nicht optimal genutzt"

Berlin – Auf Defizite in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung haben heute (10.) in Berlin führende Labormediziner aufmerksam gemacht. Die enormen Fortschritte der Labordiagnostik der letzten Jahre würden häufig weder medizinisch, noch wirtschaftlich optimal genutzt, betonte der Präsident der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), Prof. Dr. Karl Lackner, aus Anlass des Weltkongresses der Labormedizin, der IFCC WorldLab 2011, der Mitte Mai in Berlin beginnt.

Der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH), Matthias Borst, verwies in diesem Zusammenhang auf die langwierigen Verfahren, insbesondere in der ambulanten Versorgung und bei der Krankheitsfrüherkennung. Innovative Labortests stünden den gesetzlich versicherten Patienten dadurch teilweise erst nach Jahren zur Verfügung. Die langen Verfahren konterkarierten die Absicht der Politik, medizinische Innovationen schneller als bisher in die Regelversorgung einzuführen. Die Krankenkassen verbauten sich dadurch die Chance, durch frühe Krankheitserkennung und die gezielte Behandlung die Finanzmittel des Gesundheitswesens effizienter einzusetzen. „Diagnostische Innovationen sind ein wichtiges Instrument zur Steuerung der Kosten im Gesundheitswesen“, betonte Borst.

IFCC-Kongresspräsident Professor Dr. Harald Renz sprach von einer „dramatischen, nicht mehr hinnehmbaren Mangelversorgung“ bei bestimmten Patientengruppen. Als Beispiel nannte er die Allergie- und Rheumadiagnostik. Zahlreiche Tests, die längst Eingang in internationale und nationale Leitlinien gefunden hätten, würden nur unzureichend genutzt: „Die Aufnahme solcher Innovationen in den Leistungskatalog hinkt dem medizinischen Fortschritt hinterher.“

Der VDGH-Vorsitzende Borst forderte gemeinsame Anstrengungen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der klinischen Forschung die Patienten schneller erreichen. Nötig seien verbindliche Fristen für die Selbstverwaltung von Krankenkassen und Ärzteschaft, in denen Aufnahmeanträge geprüft, beraten und entschieden werden müssten.

DGKL-Präsident Lackner verwies auf die enormen Fortschritte der Labordiagnostik, die eine personalisierte Medizin erst möglich machten. Innovationen in der biochemischen Analytik erlaubten heute die molekulare Charakterisierung von Krebszellen und verbesserten damit die langfristige und gezielte Behandlung. Solche neuen diagnostischen Chancen stehen im Mittelpunkt des Weltkongresses der Labormedizin, der IFCC WorldLab, vom 15. bis 19. Mai im Internationalen Congress Centrum in Berlin. Rund 4000 Labormediziner diskutieren dort die neuesten Entwicklungen der Diagnostik.