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Mittwoch, 11. November 2020, 14:30 Uhr

Adriane Beck & Partner GmbH

Experteninterview: Die Mistel in der Krebsbehandlung

„Mehr als 80 Prozent aller Krebspatienten wünschen sich einen ganzheitlichen Therapieansatz.“

Bad Berka – Dr. med. Doreen Jaenichen ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Zusatzausbildungen in Palliativmedizin, Integrativer Onkologie, Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur und Systemischer Therapie. Sie ist Leiterin einer Ambulanz für Integrative Onkologie und Naturheilkunde. Bevorzugt arbeitet sie mit den klassischen Naturheilverfahren, der Misteltherapie, der Homöopathie, orthomolekularer Medizin, Akupunktur und systemischer Therapie. Im Interview gibt Frau Dr. Jaenichen Einblicke in die ganzheitliche Krebsbehandlung.

Frau Dr. Jaenichen, die Kombination aus Naturheilkunde und Schulmedizin ist nicht neu, sondern wird in der Anthroposophischen Medizin schon seit 100 Jahren umgesetzt1. Warum ist diese Kombination aus Ihrer Sicht gerade bei der Behandlung von Krebspatienten wichtig?

Jaenichen: Die Krebsbehandlung ist oft auf das Körperliche fokussiert. Jedoch ist der Mensch auch ein fühlendes und spirituelles Wesen. Es gehört zu unserer Natur als Mensch, sich in ein „größeres Ganzes“ eingebunden zu fühlen. Dies kann man schon bei Paracelsus, bei C.G. Jung oder bei Kübler-Ross nachlesen. Viele Patienten wollen verstehen, was hinter ihrer Erkrankung steht und vor allem selbst an der Genesung mitwirken. Diese Einübung der Selbstwirksamkeit des Patienten, die gesundheitsförderliche Änderung des Lebensstils und die nachfolgende Verbesserung des Befindens ist ein klarer Verdienst der Integrativen Medizin.

Welchen Behandlungsnutzen hat die Misteltherapie im Rahmen einer Krebstherapie, und wie wirkt die Misteltherapie – was leistet sie also für Patienten?

Jaenichen: Die Patienten haben wieder mehr Lebensqualität und Kraft, besseren Appetit und Schlaf, weniger Schmerzen und fühlen sich insgesamt leistungsfähiger. Auch Infekte sind seltener, denn die Misteltherapie wirkt unterstützend im Immunsystem. Man kann das unter anderem an einem Anstieg der eosinophilen Granulozyten (Leukozyten die an der Immunabwehr beteiligt sind) im Blutbild mitverfolgen.

Ist die Misteltherapie als Begleittherapie für alle Krebspatienten geeignet?

Jaenichen: In meiner Ambulanz führe ich meist einen Test durch, ob und welches Mistelpräparat für die individuelle Patientensituation geeignet ist. Wie bei allen wirksamen Therapien gilt es ansonsten natürlich, etwaige Kontraindikationen zu beachten, z. B. akute Entzündungen oder Allergien. Auch bei Patientinnen im ersten Trimester einer Schwangerschaft setze ich die Misteltherapie nicht ein. Vom Grundsatz her gibt es aber keine Krebsart, bei der die Misteltherapie ausgeschlossen ist.

Bei welchen Krebserkrankungen eignet sich die Misteltherapie aus Ihrer Sicht besonders?

Jaenichen: In meiner Sprechstunde sehe ich besonders gute Verläufe unter Misteltherapie mit Brust-, Prostata,- Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Magen-, Speiseröhren-, Lungen-, Schilddrüsen-, Hoden- und Unterleibskrebs sowie Hirntumoren. Natürlich nutze ich parallel auch andere Integrative Therapieverfahren und spreche diese gerne auch mit den behandelnden Onkologen ab.

Wie verbinden Sie Ihre Arbeit in der Allgemeinmedizin und den Naturheilverfahren im Bereich der Krebstherapie?

Jaenichen: Ich habe 13 Jahre an der Universitätsklinik in Jena in der Onkologie gearbeitet und dort neben meiner schulmedizinischen Tätigkeit viele Jahre die Ambulanz für Naturheilkunde in der Onkologie geleitet. Da mehr als zwei Drittel aller Deutschen und mehr als 80 Prozent aller Krebspatienten sich ein Miteinander von Schulmedizin und Naturheilkunde wünschen, waren die Termine in der Ambulanz immer belegt. Es macht unglaublich viel Freude, interdisziplinär zu arbeiten und mit den Patienten und Kollegen gemeinsam die Therapieentscheidungen zu besprechen. Auch in Bad Berka habe ich eine Integrative Arbeitsgruppe gegründet. 2019 haben wir ein Symposium zur Integrativen Onkologie veranstaltet. Die Teilnehmerzahl überstieg unsere Erwartungen und wir werden das in jedem Fall wiederholen.

Und zu guter Letzt: Was ist Ihr Wunsch für Menschen, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert sind?

Jaenichen: Geben Sie nie auf, setzen Sie sich Ziele und lernen Sie wieder, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, Ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und liebevoll für sich einzustehen. Vertrauen Sie den behandelnden Ärzten und stärken Sie die eigenen positiven Ressourcen.

Dr. med. Doreen Jaenichen
MVZ Zentralklinik GmbH
Integrative Onkologie, Allgemeinmedizin und Naturheilkunde
Robert-Koch-Allee 9, 99437 Bad Berka

Weitere integrativ-medizinische Anlaufstellen:

1 www.100jahrezukunft.de