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Moderne Bauten für den Infektionsschutz

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Berlin – Das Robert Koch-Institut erhält im Rahmen einer großen Baumaßnahme neue Labor- und Bürogebäude. “Damit werden die Möglichkeiten für Forschung und Diagnostik zum Schutz der Bevölkerung vor Krankheiten deutlich verbessert”, sagt Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. In einem ersten Bauabschnitt investiert die Bundesregierung rund 110 Millionen Euro in ein neues Labor- und Bürogebäude am Standort in der Seestraße 10 in Berlin-Wedding. In der Mitte des Neubaus wird sich ein (baulich abgeschlossenes) Hochsicherheitslabor der Kategorie BSL-4 befinden. Die Genehmigung für Bau und Betrieb des BSL-4-Labors hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin am 30.11.2007 erteilt. Außerdem wird zu einem späteren Zeitpunkt am historischen Standort am Nordufer ein bestehendes und sanierungsbedürftiges Laborgebäude durch einen Neubau ersetzt.

Beide Standorte des RKI in Berlin-Wedding sind eng benachbart zum Universitätsklinikum Charité (Virchow-Klinikum) mit seiner Sonderisolierstation für Patienten mit schweren Infektionen und dem einzigen Lehrstuhl für Infektiologie in Deutschland. Außerdem gibt es enge Kooperationen des RKI mit allen Berliner Universitäten und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Infektiologie. “Die Baumaßnahme stärkt auch den Forschungsstandort und die Entwicklung Berlins zur Gesundheitsstadt”, unterstreicht Reinhard Kurth. Das RKI gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und ist die zentrale Einrichtung in Deutschland für den Gesundheitsschutz. Zu seinen Tätigkeiten gehört ein breites Spektrum experimenteller und diagnostischer Methoden. Für den Umgang mit bestimmten Krankheitserregern und entsprechenden Patientenproben ist die höchste Sicherheitsstufe für Laboratorien (BSL-4) nötig. Bislang gibt es kein Institut des Bundes mit einem solchen Labor.

Bei schwer verlaufenden Erkrankungen durch zuvor unbekannte Erreger, zum Beispiel SARS, ist zumindest bei den ersten Laboruntersuchungen die höchste Sicherheitsstufe sinnvoll. In den vergangenen Jahrzehnten ist nahezu jedes Jahr ein neuer Erreger entdeckt worden, der schwere Erkrankungen des Menschen hervorruft. Aber auch für Infektionen mit bekannten lebensgefährlichen Erregern ist eine schnelle Diagnostik dringlich, um über Schutzmaßnahmen (zum Beispiel Quarantäne) und, falls Behandlungsmöglichkeiten existieren, lebensrettende Therapieschritte entscheiden zu können. Das zeigte sich zum Beispiel bei einem Patienten mit Gelbfieber (zunächst Verdacht auf Lassafieber) in Berlin 1999 oder bei einem Patienten mit Lassafieber in Münster bzw. Frankfurt 2006 sehr deutlich. Auch bei Verdacht auf einen bioterroristischen Anschlag ist eine schnelle Diagnostik (in der gebotenen Sicherheitsstufe) entscheidend.

Das Sicherheitslabor ist räumlich und organisatorisch von umgebenden Gebäuden getrennt. Das Betreten und Verlassen des Sicherheitslabors erfolgt über mehrstufige Schleusensysteme. Alle verwendeten Materialien, insbesondere Abwässer und Laborabfälle, werden inaktiviert, das bedeutet die vollständige Abtötung aller möglicherweise anhaftenden oder enthaltenen Erreger. Zu- und Abluft des Sicherheitslabors werden über ein mehrstufiges Filtersystem keimfrei gemacht. Der Zugang zum Labor ist nur besonders qualifizierten Experten in sicheren Schutzanzügen möglich. Vor dem Verlassen des Labors werden die Schutzanzüge in einer speziellen Dusche desinfiziert. Diese Maßnahmen haben sich in vergleichbaren BSL-4-Laboren über Jahrzehnte als wirksam bewährt.