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Neuer GWQ-Report fordert wirksamere Steuerung und mehr Qualitätswettbewerb

Transparenzoffensive im Hilfsmittelmarkt

In der Debatte um die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fand der Hilfsmittelmarkt bislang vergleichsweise wenig Beachtung. Dabei fehlt es gerade dort, wo Krankenkassen Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität steuern sollen, häufig an Transparenz über Preisbildung und konkrete Produktauswahl. Das zeigt der neue Hilfsmittelreport „Transparenz und Intransparenz im Hilfsmittelmarkt: Ausgaben und Preisfindung am Beispiel Orthopädie und Homecare“, den die GWQ ServicePlus AG in Kooperation mit der Vandage GmbH entwickelt hat. Der Report macht strukturelle Informations- und Steuerungsdefizite sichtbar und zeigt Ansatzpunkte für mehr Transparenz und einen stärkeren Wettbewerb im Hilfsmittelmarkt auf.

Dynamisches Ausgabenwachstum trifft auf Intransparenz

Während sich die gesundheitspolitische Debatte häufig auf große Ausgabenbereiche wie Krankenhäuser oder Arzneimittel konzentriert, weist die Hilfsmittelversorgung seit Jahren eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik auf. Neben steigenden Vergütungen und technischen Innovationen identifizierte die FinanzKommission Gesundheit in ihrem jüngsten Bericht vom März 2026 auch zunehmende Marktkonzentrationstendenzen als Treiber dieser Entwicklung. Gleichzeitig kritisiert das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als Aufsichtsbehörde in seinem Sonderbericht die mangelnde Transparenz bei Kosten und Preisen sowie drohende Mehrkosten für Versicherte.

Das Steuerungsdefizit an der Schnittstelle zur Praxis

Obwohl der Hilfsmittelmarkt stark selektivvertraglich organisiert ist und Krankenkassen eigenständig Preise mit Leistungserbringern verhandeln können, endet die Gestaltungsfähigkeit oft hinter der Ladentür des Sanitätshauses.

„Der Hilfsmittelmarkt bewegt sich in einem sensiblen Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Versorgungsqualität und begrenzten Steuerungsmöglichkeiten“, erklärt Oliver Harks, Deputy CEO der GWQ. „Zwischen vertraglicher Preisvereinbarung und konkreter Produktauswahl in der Versorgungspraxis besteht eine strukturelle Steuerungslücke. Mit unserem Report wollen wir diese Informationsdefizite sichtbar machen und aufzeigen, wie die Versorgungssteuerung wirksamer gestaltet werden kann.“

Orthopädie vs. Homecare: Was die Versorgungsdaten verraten

Der Report analysiert anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 5,3 Millionen Versicherten (Zeitraum 2020–2023) und beleuchtet die ausgabenstarken Segmente Orthopädietechnik und Homecare, die zusammen rund 45 Prozent der GKV-Hilfsmittelausgaben ausmachen:

  • Orthesen (exemplarisch für die Orthopädietechnik): Ein heterogenes Segment aus standardisierten Produkten und handwerklichen Maßanfertigungen ohne Festbeträge. Hier stiegen die Ausgaben pro Verordnung kontinuierlich und lagen 2023 insgesamt 12 Prozent über dem Niveau von 2020.
  • Ableitende Inkontinenzhilfen (exemplarisch für Homecare): Ein stark standardisiertes Verbrauchsgütersegment, für das Festbeträge die Erstattung beziehungsweise die vertragliche Preisbildung überwiegend begrenzen. Trotz eines Anstiegs der Inanspruchnahme um 29 Prozent gingen die Ausgaben pro Verordnung im selben Zeitraum um 4 Prozent zurück. Dies gibt Hinweise darauf, dass Festbeträge zur Begrenzung der Ausgabendynamik und zu einer höheren Planbarkeit beitragen können.

Impulse für die Politik: Qualität und Wettbewerb zusammendenken

Gerade vor dem Hintergrund des vom Bundestag beschlossenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes liefert der GWQ-Hilfsmittelreport wichtige ordnungspolitische Impulse. Das Gesetz sieht neben pauschalen Abschlägen vor allem eine Ausweitung von Festbeträgen vor.

Aus Sicht der GWQ greifen pauschale Steuerungsinstrumente allein zu kurz. Die Ergebnisse des Reports zeigen vielmehr, dass sich die untersuchten Produktgruppen hinsichtlich Standardisierung, Preisbildung und Versorgungsstruktur deutlich unterscheiden. Daraus folgt, dass auch die regulatorischen Instrumente differenziert ausgestaltet werden sollten. Um den Markt nachhaltig zu reformieren, sollten stattdessen ungenutzte Wettbewerbselemente gestärkt werden. Der Report plädiert folglich für eine Weiterentwicklung der Steuerungsinstrumente. Als mögliche Maßnahmen werden die Wiedereinführung qualitätsorientierter Ausschreibungen für ausgewählte, standardisierbare Hilfsmittel (z. B. über Mehrpartnervergaben oder Positivlisten) oder die Einführung evidenzbasierter Bewertungsverfahren für neue Hilfsmittel, angelehnt an das bewährte AMNOG-Verfahren für Arzneimittel, vorgeschlagen.

Der vollständige Hilfsmittelreport „Transparenz und Intransparenz im Hilfsmittelmarkt: Ausgaben und Preisfindung am Beispiel Orthopädie und Homecare“ steht unter folgendem Link zum Download bereit: https://www.gwq-serviceplus.de/leistungen/knows/hilfsmittelreport

Über die GWQ

Die 2007 gegründete GWQ ServicePlus AG mit Sitz in Düsseldorf ist Innovations- und Dienstleistungspartner der gesetzlichen Krankenversicherung. Heute vertrauen 74 Krankenkassen auf ihr Leistungsportfolio, das sich in drei spezialisierte Bereiche gliedert: GWQ.knows schafft durch datenbasierte Analysen und Versorgungsberatung fundierte Entscheidungsgrundlagen, GWQ.creates entwickelt innovative digitale Lösungen und GWQ.buys stärkt mit progressivem Vertragsmanagement und gemeinsamer Beschaffung die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Krankenkassen. Mit einem fundierten Verständnis der GKV und der gebündelten Stärke seiner Partner gestaltet das Unternehmen die Gesundheitsversorgung vorausschauend, verlässlich und konsequent an den Bedürfnissen der Versicherten aus. Mehr Informationen unter www.gwq-serviceplus.de

Über Vandage

Der GWQ-Hilfsmittelreport wurde von der Vandage GmbH im Auftrag der GWQ erstellt. Vandage ist eine Boutiqueberatung für Real-World-Datenanalysen im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt auf der Konzeption, Umsetzung und strategischen Einordnung von Analysen auf Grundlage von GKV-Abrechnungsdaten.