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Mittwoch, 04. August 2010, 12:29 Uhr

DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH

DKMS: Kampf gegen Leukämie kennt keine Grenzen

Petra lernt ihren genetischen Zwilling aus Bangladesch kennen

Wesseling/Köln – DKMS Spenderin Petra Hagenhoff aus Wesseling schenkte der kleinen Bushra aus Bangladesch mit ihrer Knochenmarkspende Chance auf Leben. Im Juli 2010 ist das sechsjährige Mädchen mit ihrem Vater in Deutschland und besucht ihre Lebensretterin. Ein unvergessliches Erlebnis und der Beginn einer innigen Freundschaft.

Juli 2010: Aufgeregt steht Petra mit ihrem Mann und ihrer jüngsten Tochter am Kölner Hauptbahnhof. Endlich, da sind sie. Petra läuft mit gestreckter Hand auf Billal, den Vater zu. Der zieht sie sofort zu sich heran und schließt sie herzlich in seine Arme. „Das war ein sehr schönes Gefühl. Die Sympathie war sofort da“, sagt die 46-jährige Rechtsanwaltsgehilfin. Rückblick: Im Sommer 2000 folgt Petra dem Aufruf der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei und lässt sich in Wesseling bei einer Aktion für eine an Leukämie erkrankte Mitschülerin ihrer Tochter aufnehmen. Sieben Jahre lang hört sie nichts. 2007 erhält sie einen Brief von der DKMS. Eventuell kommt sie als Spenderin für einen Leukämiepatienten in Frage. Es folgt eine weitere Blutuntersuchung. Schließlich die Gewissheit: ihr Knochenmark wird benötigt. Unter Vollnarkose wir Petra im Uniklinikum in Dresden Knochenmark-Blutgemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Ein kleines Mädchen aus Bangladesch hat ihr Knochenmark erhalten, mehr weiß Petra nicht. Neun Monate ist das Kind mit ihrem Vater in einer Klinik in Deutschland, bekommt Chemotherapie und wartet auf einen Spender. Petra ist Bushras Glück im Unglück. Im Juni 2007 empfängt das Mädchen das lebensrettende Knochenmark. Wenige Monate später erhält Petra eine erneute Anfrage der DKMS. Das Knochenmark hat leider nicht gereicht, sie muss noch einmal spenden. Diesmal jedoch Blutstammzellen, die ambulant über die Armvene aus ihrem fließenden Blutkreislauf gesammelt werden. Dann heißt es abwarten und Daumen drücken. Vier Monate danach erfährt sie über die DKMS, dass das Immunsystem des Mädchens wieder zu arbeiten beginnt. Zwei Jahre vergehen und sowohl Petra als auch die Familie des Mädchens haben den Wunsch sich persönlich kennenzulernen. Nach zwei Jahren ist dies in vielen Ländern möglich. Per Email tauschen sich Billal, der Vater des Mädchens und Petra auf Englisch aus. Petra freut sich sehr, dass die heute sechsjährigen Bushra aus Dhaka auf dem Weg der Besserung ist. Im Juli 2010 ist das Mädchen mit ihrem Vater zur Nachuntersuchung in Deutschland. Spontan fragt der Vater Petra per Email nach einem Treffen. Gefragt, getan. Am 17. Juli ist es soweit. Schüchtern versteckt sich die Sechsjährige zunächst hinter ihrem Vater. Kaum bei Petra in Wesseling angekommen, verliert sie jedoch jegliche Scheu und plappert drauf los. Da Bushra nur Bengalisch spricht, übersetzt der Vater alles ins Englische. „Ihr gehört jetzt zu meiner Familie“, sagt das Kind immer wieder. Einen besonderen Narren hat sie an Petras 17-jähriger Tochter Nadine gefressen. „Es war ein wunderschönes Erlebnis. Auch wenn es nur zwei Tage waren, wir sind sehr gute Freunde geworden. Bushra und ihr Vater haben sich sehr wohl gefühlt und gehören nun auch mit zu unserer Familie“, erzählt Petra. Beide Seiten bleiben in Kontakt und die Einladung nach Dhaka gibt es auch schon. Schließlich will Bushra Petras Familie, auch ihrer Mutter und ihren zwei Brüder, fünf und 15 Jahre, vorstellen.

Alleine in Deutschland findet immer noch jeder fünfte suchende Patient keinen passenden Spender. Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale des Stammzellspenders nahezu vollständig mit denen des Patienten übereinstimmen müssen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Übereinstimmung liegt zwischen 1:20.000 und 1: mehreren Millionen. Da die Gewebemerkmalkombinationen des Knochenmarks bzw. der Blutstammzellen regional sehr unterschiedlich sind, ist es erst recht ein großer Zufall, dass Petras Gewebemerkmale mit denen des bengalischen Mädchens übereinstimmen. Damit ist jedoch bewiesen: jeder, der sich typisieren lässt, kann vielleicht schon morgen zum Lebensspender werden. In die DKMS aufnehmen lassen kann sich grundsätzlich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 18 und 55 Jahren. Jeder Einzelne zählt!