Übersicht / Saarland - Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales / Meldung vom 07.04.2009

Dienstag, 07. April 2009, 14:42 Uhr

Saarland - Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales

Gesundheitsminister Vigener

Saarland startet 2010 Zeckenscreening

Saarbrücken – - Vorsicht vor Zecken: Saison beginnt wieder - Zeckenscreening Programm startet 2010 - Auch im Saarland FSME- Infektion – Saarland kein Risikogebiet - Schutz durch Impfung und geschlossene Kleidung

„Zeckenbisse treten häufig vom Frühjahr bis zum Spätherbst auf bei Personen, die sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. Dabei werden die blutsaugenden Insekten an Wegrändern, Wiesen, im Wald, aber auch in Gärten oder Parks von Gräsern, Sträuchern oder Unterholz abgestreift. Zecken lassen sich nicht - wie häufig behauptet wird - von Bäumen fallen“, so Gesundheitsminister Prof. Dr. Gerhard Vigener, der auf die Gefahren von Zeckenbissen aufmerksam macht. Das Saarland gilt trotz dreier Fälle im Raum St. Ingbert im vergangenen Jahr nicht als FSME - Risikogebiet. Auch die Kontrolle von weit über 2035 im letzten Jahr im Saarland eingesammelten Zecken konnte diesen Verdacht nicht erhärten. Der Rohrbacher Weiher ist in ein Bundesprojekt beim Screening einbezogen. Auch ist das Saarland in ein Zecken-Interreg-Programm integriert, das 2010 starten wird.

„Der Zeckenbiss selbst ist nicht gefährlich, aber während des Saugaktes können mit dem Speichel des Tieres Krankheitserreger übertragen werden. Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen sind die Borreliose und eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Der Erreger der Boreliose ist ein Bakterium, das erst ganz am Ende des Saugaktes, wenn die Zecke genügend Blut aufgenommen hat, in die winzige Stichwunde gelangt. Ein möglichst frühes Entfernen der Zecke am Anfang des Saugaktes kann also eine Borreliose verhindern. Das Verbreitungsgebiet der Borreliose ist identisch mit dem der Zecken, ungefähr jede 5. Zecke trägt diese Bakterien in sich. Das erste Anzeichen dieser Erkrankung ist meist eine schmerzlose Hautrötung an der Zeckenbissstelle, die sich kreisförmig vergrößert und dabei im Zentrum wieder abblasst. Diese sog. "Wanderröte" kann bis zu 16 Wochen nach dem Zeckenbiss auftreten und von Jucken, Brennen, lokalen Lymphknotenschwellungen und allgemeinen, grippeähnlichen Symptomen begleitet sein. Im weiteren Verlauf kommen andere Symptome an verschiedenen Organen und Organsystemen dazu. Wird die Borreliose in diesem Stadium nicht erkannt und behandelt, kann ein chronisches Stadium mit Befall der Haut (sog. Pergamenthaut), der Gelenke (chronische Gelenkentzündungen), des Nervensystems (Kopf- und Nervenschmerzen) und des Herzens (chronische Herzmuskelentzündung) auftreten. Die Borreliose ist gut mit Antibiotika zu behandeln.

Die FSME wird durch ein Virus übertragen, das gleich mit Beginn des Blutsaugens der Zecke in den menschlichen Organismus gelangt. Nicht in allen Regionen Deutschlands können Zecken die FSME übertragen. Das Virus tritt vor allem in Baden-Württemberg und Bayern auf. Kleinere Verbreitungsgebiete finden sich außerdem in Rheinland-Pfalz, Hessen (Odenwald) und in den neuen Bundesländern (Brandenburg, Sachsen, Thüringen). Aber auch in diesen Gebieten ist nur jede 100. bis 500. Zecke Virusträger. Außerhalb von Deutschland tritt die FSME vorwiegend in Ost- und Südosteuropa und in einigen Regionen Skandinaviens auf.

Die Erkrankung verläuft von Person zu Person unterschiedlich schwer. „Nur jeder dritte Infizierte erkrankt an einer fieberhaften "Sommergrippe", und nur jeder fünfte bis zehnte Infizierte zeigt eine Beteiligung des Nervensystems. Diese Erkrankungsphase beginnt mit massiven Kopfschmerzen und hohem Fieber, oft begleitet von Erbrechen und Nackensteifigkeit. Bei ca. 60% der Erkrankten bleibt es bei dieser "reinen" Hirnhautentzündung, die meist folgenlos abheilt. Eine schwerere Form mit zusätzlicher Entzündung des Gehirns kommt in ca. 30% vor. Dabei können dauerhafte Schäden in Form von psychischen Auffälligkeiten oder Lähmungen zurückbleiben. Die seltenste (ca. 10%) und schwerste Verlaufsform ist durch eine zusätzliche Beteiligung des Hirnstammes und des Rückenmarks gekennzeichnet“, so Vigener.

Gesundheitsminister Vigener rät allen Saarländerinnen und Saarländern dazu, Zecken als Überträger von Krankheiten ernst zu nehmen und sich deshalb vor Zeckenbefall zu schützen. „Zecken sind Überträger der Frühsommer-Menningo-Enzephalitis (FSME) und der Borreliose. Daher ist Vorsicht geboten“, so der Minister.

Vigener weist darauf hin, dass das Saarland zwar nicht als FSME-Risikogebiet gelte. Jedoch habe es im Jahr 2001 eine und in 2008 drei im Land erworbene Erkrankung an FSME gegeben. Auch 1994 konnte eine Erkrankung festgestellt werden. Es sei davon auszugehen, dass es einzelne Naturherde gebe, die sporadische Infektionen auslösen können. Eine generelle Impfung gegen FSME sei im Saarland nicht angeraten. Impfen lassen sollten sich jedoch alle Saarländer, die in Regionen mit vermehrtem FSME-Vorkommen Urlaub in der freien Natur machen wollen.

Deshalb rät Gesundheitsminister Vigener zur Vorsorge: Die Gefahr, Zecken zu akquirieren, besteht bei Freilandaufenthalten mit Kontakt zu bodennahen Pflanzen (hohes Gras, Kraut, Farne, Strauchwerk). Durch Kleidung, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt (z. B. lange Hosen, langärmelige Hemden und festes Schuhwerk) und ggf. Antizeckenmittel beim Aufenthalt im Freien kann der Zeckenbefall vermieden werden. Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend ohne überflüssige Manipulationen entfernt und die Wunde sorgfältig desinfiziert werden.