Übersicht / BMG - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung / Meldung vom 03.05.2007

Donnerstag, 03. Mai 2007, 11:32 Uhr

BMG - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Drogen- und Suchtbericht: Erneut weniger Drogentote

Schluss mit der Verharmlosung von Alltagsdrogen

Berlin – Anlässlich der heutigen Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing: "Die Eindämmung des Drogen- und Suchtproblems bleibt eine der wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. Vor allem die gesellschaftliche Verharmlosung von Alltagsdrogen führt zu unermesslichem, oft stillem und unbeachtetem Leid der Tabak-, Alkohol- und Medikamentenabhängigen und deren Angehörigen. Kontinuierliche Aufklärung muss die Gefahren jeglichen Suchtmittelkonsums aufzeigen."

Beim Alkohol muss Verantwortung die Grenze setzen. "Die Diskussion über das Rauschtrinken unter Jugendlichen hat deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, mehr und nachdrücklicher für ein gemeinsames Verständnis für den zurückhaltenden Alkoholkonsum zu tun. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit gegenüber einem problematischen Trinkverhalten und ein von Verantwortung geprägtes Leitbild für den Umgang mit Alkohol. Das muss insbesondere Kindern und Jugendlichen vorgelebt werden. Prävention beginnt schon in der Familie", so Bätzing. Mehr als 10 Millionen Menschen trinken Alkohol in riskanter Weise. 1,6 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,7 Millionen praktizieren einen gesundheitsschädigenden, missbräuchlichen Alkoholkonsum. Mit der Aktionswoche "Alkohol - Verantwortung setzt die Grenze" wird vom 14. bis 18. Juni 2007 in Deutschland die Diskussion zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol in alle Lebensbereiche der Gesellschaft getragen. "Bereits im Vorfeld ist es gelungen, eine breite Allianz für einen verantwortungsvollen Alkoholkonsum zu schmieden. Ob alt oder jung - engagierte Menschen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Sport, der Medizin, den Jugendparlamenten beteiligen sich schon jetzt aktiv mit etwa 1.000 Aktionen bundesweit. Mein Ziel ist, dass noch mehr dieses wichtige Anliegen aufgreifen: www.suchtwoche.de - mitmachen und weitersagen", fordert Bätzing als Schirmherrin der Aktionswoche auf.

Im Jahr 2006 sind die Regelungen für einen besseren Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene einen großen Schritt vorangekommen. Dazu erklärt Bätzing: "Effektiv ist der Nichtraucherschutz nur, wenn er ausnahmslos ist. Das gilt auch für den Bereich der Gaststätten. Die Tabakprävention wird mit unveränderter Intensität fortgesetzt. 33 Prozent der deutschen Bevölkerung älter als 18 Jahre rauchen, 74 Prozent davon täglich. Ein Rauchstopp bringt sofortige und entscheidende gesundheitliche Vorteile für Raucher aller Altersgruppen. Wie beim Alkohol ist auch beim Rauchen das vorgelebte Beispiel entscheidend für den Raucheinstieg von Kindern und Jugendlichen. Schritt für Schritt muss Nichtrauchen der Normalfall im Alltag werden."

Ein wichtiges Signal gegen Medikamentenmissbrauch und für einen gesunden Sport war 2006 die Einführung der Besitzstrafbarkeit von Dopingmitteln. Dazu erklärt Bätzing: "Doping als Form des Medikamentenmissbrauchs stellt vor allem im Freizeitbereich ein hohes Gefährdungspotential für junge Männer als Hauptkonsumenten dar." Insgesamt sind 1,4 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig. Zwei Drittel davon sind Frauen: "Noch liegen in Deutschland nur wenige Daten zum schädlichen Gebrauch und zur Abhängigkeit von Medikamenten vor. Weitere Ergebnisse erwarte ich in diesem Jahr als Grundlage, um die Hilfsangebote bei Medikamentenmissbrauch zu verbessern. Zudem müssen Ärzte, Apotheker, Pfleger, Sozialarbeiter stärker für diese Problematik sensibilisiert werden. Betroffene Menschen müssen ermuntert werden, bestehende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen", so Bätzing.

Der Drogen- und Suchtbericht belegt, dass im vergangenen Jahr in Deutschland 1.296 Menschen infolge ihres Rauschgiftkonsums verstarben. Die Zahl der Todesfälle infolge des Konsums illegaler Drogen ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 2,3% gesunken und seit dem Jahr 2000 rückläufig (2000: 2.030, 2001: 1.835, 2002: 1.513, 2003: 1.477, 2004: 1.385, 2005: 1.326). Sie befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten von "harten Drogen" ist gesunken. Dazu erklärt Bätzing: "Ich bin froh, dass 2006 erneut weniger Menschen infolge des Konsums illegaler Drogen gestorben sind. Das zeigt den Erfolg niedrigschwelliger Beratungsangebote für Opiatabhängige sowie die stetige Verbesserung in der Substitutionsbehandlung. Es ist zugleich Ansporn, eine gesetzliche Regelung zur Fortführung der Diamorphinbehandlung innerhalb der Regelversorgung auf den Weg zu bringen. Das Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung hat gezeigt, dass gesundheitlich und sozial stark verelendeten Schwerstabhängigen wirksam geholfen werden kann."

"Meine Aufgabe als Drogenbeauftragte sehe ich in der konsequenten Fortführung der modernen Drogen- und Suchtpolitik, die erfolgreich legale Suchtstoffe wie Alkohol, Tabak und Medikamente einbezieht. Sie basiert auch weiterhin auf den vier bewährten Säulen Prävention, Therapie, Schadensminimierung und Repression. Dabei setze ich in der Prävention einen Schwerpunkt, um von vornherein den Drogen- und Suchtmittelkonsum zu reduzieren und dessen Folgen zu verhindern", sagt Bätzing.

Der Drogen- und Suchtbericht gibt Auskunft über die Schwerpunkte der Drogen- und Suchtpolitik im Jahr 2006. Er ist im Internet unter http://www.drogenbeauftragte.de abrufbar.