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Montag, 19. März 2007, 11:19 Uhr

Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

"In Bayern jährlich rund 200 FSME- und bis zu 10000 Borreliose-Fälle "

Schnappauf: Zeckengefahr verbreiteter, früher und intensiver denn je - Impfung und Vorsorge wichtig

München – Die Zeckengefahr ist verbreiteter, früher und intensiver denn je - rechtzeitige Impfung und gründliche Vorsorge sind bereits jetzt zu Frühlingsbeginn unerlässlich. Darauf machte Gesundheitsminister Werner Schnappauf heute in München aufmerksam. Schnappauf: "Wegen des milden Winters sind die Zecken jetzt schon aktiv. Es wurde bereits ein FSME-Fall aus dem mittelfränkischen Landkreis Roth gemeldet. Wichtig ist daher, jetzt schon an die Doppelstrategie aus Impfung plus Vorsorge zu denken." Weil die Zeckengefahr mittlerweile zwei Drittel von Bayern erfasst hat, rät der Minister zu erhöhter Aufmerksamkeit und vorsorglicher Impfung. "Auch wenn im eigenen Landkreis noch kein Zecken-Alarm gilt, so verbringen viele Familien ihren Wanderurlaub oder Wochenend-Trip vielleicht in einem Risikogebiet. Daher ist eine Impfung auch für solche Fälle angeraten." Immer noch zu wenig bekannt sei, dass eine Impfung zwar gegen das FSME-Virus schützt, nicht aber gegen das Borreliose-Bakterium. Beide Krankheitserreger können in Bayern aber durch den Zeckenbiss übertragen werden. An Borreliose erkranken 50 bis 100 mal mehr Menschen als an FSME. Zudem kommt die Borreliose nicht nur in bestimmten Gegenden, sondern überall in Bayern vor. Im letzen Jahr gab es 188 FSME- und geschätzt bis zu 10.000 Borreliose-Fälle im Freistaat. Die Gesundheits-Experten des Ministeriums raten daher, beim Streifzug durch die Natur lange Ärmel und Hosen sowie geschlossene Schuhe zu tragen. Auf heller Kleidung sind die kleinen Quälgeister leichter zu entdecken. Insbesondere Kinder sollten nach dem Aufenthalt im Freien gründlich abgesucht werden.

Bereits jetzt sind 55 bayerische Kreise als FSME-Risikogebiet eingestuft.; einziges Hochrisikogebiet ist der Landkreis Passau. In einem Risikogebiet sind bis zu 5 Prozent aller Zecken mit dem FSME-Virus verseucht. Auch wenn der Großteil Schwabens, das westliche Oberbayern und das nördliche Unterfranken noch keine Risikogebiete sind, können dort Zecken mit Krankheitserregern auftreten. Das Robert-Koch-Institut hat angekündigt, die Definition des Risikogebiets zu ändern. Sie soll sich künftig nicht mehr nur an den FSME-Fallzahlen, sondern unter anderem an der Durchimpfungsrate der Bevölkerung, der Viruslast der Zecken und dem Infektionsrisiko in angrenzenden Kreisen richten. "Es ist zu erwarten, dass sich die Zahl der bayerischen Risikogebiete durch die Neu-Definition und möglicherweise auch durch die Klimaerwärmung weiter erhöht", so Schnappauf.

Einer neuen Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) zufolge sind die Impfraten in den Risikogebieten unterschiedlich hoch. Im Schnitt sind knapp ein Viertel der Bayern vollständig immunisiert. Der Durchimpfungsgrad schwankt dabei zwischen 0 und 72 Prozent. Dies nahm Schnappauf zum Anlass, an eine vollständige Impfung zu erinnern: "Ein wirksamer Grundimpfschutz besteht aus drei Impfungen. Alle 3 bis 5 Jahre - in Abhängigkeit vom jeweiligen Alter und Impfstoff - ist eine Auffrischimpfung erforderlich. Wer meint, mit einer einzigen Impfung geschützt zu sein, wähnt sich in falscher Sicherheit und läuft Gefahr, bei einer Infektion genauso schwer zu erkranken wie ein Ungeimpfter." Bedenklich sei laut GfK-Studie auch, dass viele Menschen gar nicht wüssten, dass sie in einem Risikolandkreis leben und sich deshalb nicht impfen ließen. Der Minister rief daher auch niedergelassene Ärzte und die Gesundheitsämter auf, für die FSME-Impfung zu werben. Die bayerischen Risikogebiete und weitere Tipps rund um FSME und Borreliose sind unter http://www.stmugv.bayern.de zu finden.

Redaktionelle Hinweise: Ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt wird zum FSME-Risikogebiet erklärt, wenn sich dort mindestens zwei Personen im Zeitraum von einem Jahr (bzw. mindestens fünf Erkrankte innerhalb von 5 Jahren) mit dem FSME-Virus infiziert haben; zum Hochrisikogebiet, wenn sich innerhalb von 5 Jahren mindestens 25 FSME Erkrankte die Infektion dort zugezogen haben. Deutschlandweit sind die Risikogebiete unter http://www.rki.de zu finden.

Die Impfung gegen FSME bringt einen Impfschutz für etwa drei bis fünf Jahre. Bei anhaltendem oder erneutem FSME-Risiko sollte dann unbedingt wieder aufgefrischt werden. Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr steht ein spezieller, gut verträglicher Kinderimpfstoff zur Verfügung.

Bei einer FSME-Infektion kann es sieben bis 14 Tage nach einem Zeckenstich zu unspezifischen Anzeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und leichten Magen-Darm-Beschwerden ähnlich einer Sommergrippe kommen. Nach etwa acht beschwerdefreien Tagen zeigt sich bei ca. 10 Prozent der Infizierten eine Hirnhaut-, Gehirn- oder/und Rückenmarksentzündung.

Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung. Infolge der weitaus stärkeren Verbreitung von infizierten Zecken sind Erkrankungen wesentlich häufiger. Um die Einstichstelle bildet sich meist nach ein bis vier Wochen eine ring- oder kreisförmige Wanderröte aus. Das Hautgebiet um die Einstichstelle sollte daher etwa vier Wochen lang täglich auf das Auftreten dieser Hautrötung kontrolliert werden. Wenn sie erscheint, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Nicht oder zu spät mit Antibiotika behandelte Infektionen können akute und chronische Krankheitserscheinungen an Nervensystem, Herz, Gelenken und Haut hervorrufen.

Wenn eine Zecke entdeckt wird: umgehend langsam herausziehen, am besten mit einer Zeckenzange oder Pinzette. Das Tier dabei am Kopf fassen und darauf achten, die Zecke auf keinen Fall zu zerquetschen. Die verbreitete Überzeugung, der Holzbock müsse links- oder rechtsherum ''herausgeschraubt'' werden ist falsch. Auch sollten keine Substanzen wie Klebstoff, Alkohol, Nagellack oder Öl zur Entfernung von Zecken eingesetzt werden.