Übersicht / Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren / Meldung vom 09.05.2012

Mittwoch, 09. Mai 2012, 16:46 Uhr

Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren

Mehr Schlaganfälle wegen demografischer Entwicklung

Sozialministerin Katrin Altpeter: "Nur wenn alle Beteiligten schnell handeln, steigen die Chancen einer erfolgreichen Behandlung"

Stuttgart – Tag des Schlaganfalls am 10. Mai - Baden-Württemberg bei Behandlung von Schlaganfällen bundesweit vorn

Sozialministerin Katrin Altpeter rechnet angesichts der demografischen Entwicklung mit einer Zunahme der Zahl der Schlaganfälle. Deshalb komme einer guten Versorgungsstruktur mit hoher medizinischer Qualität künftig eine noch größere Bedeutung zu. „Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall und darum sollte ein Patient möglichst schnell in ein spezialisiertes Krankenhaus gebracht werden. Nur wenn alle Beteiligten schnell handeln, steigen die Chancen einer erfolgreichen Behandlung“, sagte Ministerin Altpeter aus Anlass des Tags des Schlaganfalls am 10. Mai. Jährlich erleiden etwa 40.000 Menschen in Baden-Württemberg einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache neben Krebs- und Herzerkrankungen und der häufigste Grund für Behin­derungen im Erwachsenenalter. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe sterben 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Ungefähr die Hälfte der überlebenden Patienten bleibt dauerhaft behindert.

Altpeter wies darauf hin, dass Baden-Württemberg bundesweit schon früh mit der Neustrukturierung der Schlaganfallversorgung eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Mit derzeit 47 spezialisierten Schlaganfalleinheiten, darunter sieben Schlaganfallzentren, den sogenannten Stroke Units an den Standorten der Maximalversorgung, sieben regionalen Schlaganfallschwerpunkten sowie 33 lokalen Schlaganfallstationen habe das Land mittlerweile ein nahezu flächendeckendes Behandlungsnetz mit einem gestuften Versorgungsangebot. Rund 70 Prozent aller Schlaganfallpatientinnen und -patienten werden bereits in einer spezialisierten Schlaganfalleinheit versorgt.

Für Sozialministerin Altpeter ist die regelmäßige Zertifizierung dieser Einheiten ein wichtiger Baustein bei der flächendeckenden Umsetzung der Schlaganfallkonzeption des Landes. „Nur so kann bestehende Qualität in der Schlaganfallversorgung verbessert werden.“ Alle 47 Schlaganfalleinheiten hätten bisher ein Zertifikat erhalten, 14 seien bereits in den letzten 2 Jahren rezertifiziert worden und weitere würden demnächst aufgrund ihrer Bemühungen zur Verbesserung der Qualität in der Schlaganfallversorgung ebenfalls rezertifiziert.

Optimale Versorgungsstrukturen sind für Ministerin Altpeter aber nur die eine Seite der Medaille. Hinzukommen müsse eine ausreichende Sensibilität bei Betroffenen, Angehörigen und den betreuenden Ärzten. „Nur wenn die Symptome richtig und frühzeitig erkannt werden, kann das professionelle Versorgungssystem richtig greifen.“ Die Früherkennung könne und müsse noch verbessert werden, so Altpeter. „Es ist für die betroffenen Menschen von zentraler Bedeutung, wenn ihre Lebensqualität durch Früherkennung und qualifizierte Behandlung erhalten werden kann.“

Ergänzende Informationen:

Mit der Schlaganfallkonzeption des Landes soll die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten optimiert werden. Zu Grunde liegt ein gestuftes Versorgungsangebot mit sieben Schlaganfallzentren, sieben regionalen Schlaganfallschwerpunkten sowie derzeit 33 lokalen Schlaganfallstationen. Lokale Schlaganfallstationen sind stationäre Einheiten mit mindestens vier Überwachungsbetten, die eine spezialisierte Schlaganfallbehandlung möglichst wohnortnah anbieten sollen.

Alle Schlaganfalleinheiten müssen u.a. nachweisen, dass sie über eine sofortige neurologische und internistische Diagnostik verfügen, eine anfangs lückenlose Überwachung von EKG, Blutdruck, Puls und Atmung und dass sie frühzeitig mit Rehabilitationsmaßnahmen beginnen (Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie). Darüber hinaus muss die Kooperation mit neurochirurgischen und gefäßchirurgischen Kliniken nachgewiesen werden.

Vor allem muss jedoch sichergestellt werden, dass Notärzte, Rettungsdienste, einweisende Ärzte oder selbst einweisende Patienten und deren Angehörige bei Verdacht auf Schlaganfall nur die ausgewiesenen und damit kompetent ausgestatteten sowie rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Zentren als Anlaufstelle in Anspruch nehmen.

Seit 2002 wird bei den ausgewiesenen Einheiten im vierjährigen Abstand die Strukturqualität (personelle Ausstattung, apparative Ausstattung und die vorhandene Krankenhausstruktur) überprüft. Sind die Kriterien nach der Schlaganfallkonzeption des Landes erfüllt, erhalten die Krankenhausträger für ihre Schlaganfalleinheiten ein Zertifikat als Qualitätsnachweis.