Übersicht / ÖKO-TEST / Meldung vom 27.09.2016

Dienstag, 27. September 2016, 15:37 Uhr

ÖKO-TEST

Themenspezial: Zähne | Zahngesundheit

ÖKO-TEST Verlag GmbH

Test: Zahnpflegekaugummis - Das zieht sich!

Frankfurt am Main – Starker Kariesschutz! Für ein strahlendes Lächeln! Hilft Zahnverfärbungen zu vermindern! Wahr oder falsch? Wir haben Werbeaussagen und vollmundige Versprechen zu Zahnpflegekaugummis gecheckt und zahlreiche Produkte getestet. Unser Ergebnis: Alle sind wirksam, aber nur knapp ein Drittel empfehlenswert.

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Strahlend weiße und gesunde Zähne sind das Ideal - und das lassen sich Patienten einiges kosten! Je nach Aufwand kostet eine professionelle Zahnreinigung zwischen 50 und 150 Euro. Zahn-Bleeching, also das Aufhellen der Zähne mit der Chemiekeule, gibt es in der Drogerie und in der Apotheke schon für wenige Euro, beim Zahnarzt kostet es ein Vielfaches. Viele Verbraucher vertrauen außerdem auf die Versprechen der Hersteller von Zahnpflegekaugummis. ÖKO-TEST wollte wissen, ob Werbeaussagen wie "Für strahlend weiße Zähne" oder "Hilft Plaquesäuren zu neutralisieren" stimmen oder ins Reich der Mythen gehören.

Zuckerfreie Kaugummis sind eine gute Ergänzung zum Zähneputzen!

Stimmt - allerdings maximal als eine Art "kleine Lösung" zur Zahnpflege zwischendurch, also nach dem Essen oder Naschen, wenn Zähneputzen gerade nicht möglich ist. Ein vollwertiger Ersatz fürs Zähneputzen sind zuckerfreie Kaugummis aber nicht. "Durch das Kaugummikauen wird primär der Speichelfluss angeregt, was beispielsweise unmittelbar nach Verzehr von Süßigkeiten oder gesüßten Getränken zu einer Verkürzung der Zeit führt, in der Säuren in der Zahnplaque gebildet werden", erklärt der Zahnmediziner und Professor am Universitätsklinikum Aachen, Hendrik Meyer-Lückel. "Gleichwohl wird die Plaque an den entscheidenden Stellen aber nicht durch Kaugummikauen entfernt." Das erreiche man nur durch Zähneputzen und Zahnzwischenraumhygiene.

Zahnpflegekaugummis beugen Karies vor und neutralisieren zahnschädliche Säuren!

Stimmt! Das haben voneinander unabhängige klinische Studien belegt. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich mit der wissenschaftlichen Untermauerung von gesundheitsbezogenen Angaben für zuckerfreien Kaugummi befasst und die Wirkungen zur Zahn- und Mundgesundheit bestätigt. Im Mund funktioniert das so: "Kaugummikauen stimuliert und erhöht den Speichelfluss. Dadurch werden neben Nahrungsresten auch kariesauslösende Bakterien von den Zähnen und aus der Mundhöhle geschwemmt", erklärt Dr. Thomas Wolf, Zahnarzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Unimedizin Mainz im Bereich Zahnerhaltungskunde. "Je größer die Speichelmenge und je höher die Speichelfließrate ist, umso schneller werden die potenziell schädlichen Substanzen abtransportiert." Unsere Zähne sind besonders nach dem Genuss zucker- und kohlenhydrathaltiger Mahlzeiten gefährdet. Können danach die Zähne nicht ordentlich gereinigt werden, sinkt der pH-Wert im Mund und der Säuregehalt steigt an. Dem Zahnschmelz werden so Mineralstoffe entzogen. Kaugummikauen kann dem entgegenwirken: "Durch die verstärkte Speichelproduktion und die Puffersysteme des Speichels steigt der pH-Wert wieder an und Säuren werden weggewaschen", sagt Dr. Wolf. Zugleich unterstützt der Speichel die Remineralisierung des Zahnschmelzes, da er die zuvor entzogenen Mineralstoffe wieder auffüllt.