Übersicht / Verbraucherzentrale NRW / Meldung vom 14.08.2007

Dienstag, 14. August 2007, 10:40 Uhr

Verbraucherzentrale NRW

Geschmackssache

Aufgepepptes Trinkwasser mit Wellness-Touch

Düsseldorf – Eine Welle neuer Wellness-Getränke schwappt in die Läden. Zart gefärbte Tafelwässer, angereichert mit exotisch anmutenden Pflanzen- und Heil­kräu­teraromen locken als "harmonisierende" und "belebende" Erfrischungs­ge­tränke im Verkaufsregal - mit einem Preisaufschlag ver­steht sich. "Doch was wie ein verfeinertes Mineralwasser aus dem Gesundbrunnen daher­kommt, ist häufig ein mit Zusatzstoffen aufge­pepptes Trinkwasser. Unterm Strich: teuer, überflüssig und längst nicht kalorienarm", rät die Verbraucher­zentrale NRW, vor dem Griff zu den speziellen Wellness-Wässern einen Blick auf deren Preis und Zutaten zu werfen. Folgende Hinweise sollen hel­fen, den wa(h)ren Wert der - in Fachkreisen als Near-Water-Getränke bezeichneten - Durstlöscher bes­ser einordnen zu können:

- Farbe, Extrakte und Aromen: Mit zart rosa Färbung oder einem leichten Grünstich bzw. leicht gelb getönt machen Near-Water-Getränke auf sich aufmerksam. Exotische Pflanzenextrakte und Heilkräuter - etwa Zitronengras, Ingwer, Guarana, Grün-Tee, Aloe vera, Sanddorn, Holunderblüte oder Apfelessig - so lauten die wer­bewirksamen Zutaten, die wellness-orientierten Kunden auf der Fla­sche ins Auge springen, um sie auf den Geschmack zu bringen. Die zugesetzten Mengen sind jedoch meist nur minimal und in ihrer Wirkung nicht messbar. Der fruchtige Geschmack nach Orange, Limette, Pfirsich oder Zitronengras wird überwiegend mit Hilfe von Aromen erzeugt.

- Tricks mit Süße und Vitaminen: Die meisten Near-Water-Ge­tränke sind mit Fruktose (Fruchtsüße) angereichert - aus gutem Grund: Mit diesem Süßmacher oder der Beigabe bestimmter Vita­mine können Produkte als Diätgetränk für Diabetiker dekla­riert und pfandfrei angeboten werden. Fruktose ist als Süßungsmittel für Getränke jedoch umstritten, da der Stoff mög­licherweise Überge­wicht stärker fördert als andere Zucker.

- Achtung - nicht kalorienfrei: Im Schnitt beträgt der Kalorienge­halt der meisten Wellness-Wässer zwischen 130 und 250 Kilo­kalorien pro Liter - einige liegen mit 290 Kalorien noch darüber. Jedoch nur Getränke bis zu 200 Kalorien pro Liter gelten noch als kalorienarm.

- Willkürlicher Vitamin-Mix: Den speziellen Durstlöschern wer­den hauptsächlich B-Vitamine wie Vitamin B6, Folsäure, Biotin oder Vitamin B12 als Nährstoffe zugesetzt. Dieser Gruppe der B-Vita­mine wird allgemein eine positive Wirkung für Nerven und Schön­heit nachgesagt. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Beigabe von Vitaminen nicht notwendig.

- Near-Water nicht mit Mineralwasser verwechseln: Mineralwäs­ser versorgen den Körper zu einem erheblichen Teil mit Mineral­stoffen wie Calcium oder Magnesium. Die meisten Near-Water-Getränke werden jedoch aus normalem, teilweise mit Kohlensäure versetztem Trinkwasser - ohne elementar wichtige Mineralstoffe - hergestellt. Auch wenn diese Getränke einen natürlichen Heil- und Gesundheitseffekt suggerieren, kommen viele von ihnen nicht ohne Konservierungs- oder Anti­oxidationsmittel aus.

- Tipps zum Kauf: Wer Near-Water-Getränke kaufen will, sollte dar­auf achten, dass sie auf der Basis von Mineralwässern her­gestellt sind und nicht ausschließlich Aromastoffe, sondern auch richtige Saftanteile enthalten. Kunden, die auf ihre Figur und Gesundheit bedacht sind, sollten den Kalorien- und Zuckergehalt sowie die Zutatenliste auf der Flasche studieren. Produkte in Mehrwegfla­schen sind ökolo­gisch eher zu empfehlen als Ein­weg-Varianten. Die aufgepeppten Wellness-Wässer kosten zwi­schen 40 Cent und 2 Euro pro Liter und sind somit deutlich teu­rer als Mineralwässer.