Übersicht / Verbraucherzentrale NRW / Meldung vom 05.07.2010

Montag, 05. Juli 2010, 09:16 Uhr

Verbraucherzentrale NRW

Pressemitteilung

Begrenzter Schutzfaktor / Sonnenvitamine in Kapseln

Düsseldorf – Kein schädliches Sonnenbaden und Eincremen mehr, sondern natürlichen Sonnenschutz von innen – diesen Effekt verspricht die Werbung von Sonnenvitaminen in Kapseln. Doch Beta-Carotin-Pillen, die im Handel und Internet als Nahrungsergänzungsmittel unter Bezeichnungen wie „Sonnen-Vitamine“, „Hautschutzkapseln“ oder „Sonnen-Brause“ als Kapseln und Tabletten angeboten werden, bieten keinen umfassenden Schutz vor schädlichen UV-Strahlen. „Die Pillen mit dem scheinbar schützenden und bräunenden Stoff sind lediglich eine Ergänzung zu handelsüblichen Sonnenschutzmitteln und können das Eincremen oder Einölen nicht ersetzen“, bremst Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW hohe Erwartungen an einen sicheren Schutz durch Pilleneinwurf. Vor dem Griff zu Carotin-Produkten sollten Sonnenhungrige zunächst folgende Hinweise beachten:

Kaum Schutz: Dass die Haut durch die Aufnahme von Beta-Carotin einen wirksamen natürlichen Schutzschirm gegen eine schädliche UV-Sonneneinstrahlung aufbaut, ist wissenschaftlich nicht ausreichend erwiesen. Ein leichter Schutzaffekt – maximal Lichtschutzfaktor vier – wird erst nach einer mindestens zehn­wöchigen Einnahme von mehr als 20 Milligramm Beta-Carotin pro Tag erzielt.

Hinweise Fehlanzeige: Auf die geringe Sonnenschutzwirkung wird auf den meisten Verpackungen dagegen nicht oder nur sehr uneinheitlich hingewiesen. Dies offenbart ein Blick der Verbrau­cherzentrale NRW auf die Kennzeichnung von 21 Produkten: Auf elf Packungen fehlt jeglicher Hinweis zum geringfügigen Sonnenschutz. Die Angaben auf den restlichen Produkten sind recht vage.

Schädlich für Raucher: Wer regelmäßig zum Glimmstengel greift, sollte nach Ansicht des Bundesinstituts für Risiko­bewertung nicht mehr als zwei Milligramm isoliertes Beta-Carotin pro Tag zu sich nehmen. Sonst schnellt die Gefahr, an Lungen­krebs zu erkranken, noch weiter in die Höhe. Auch das Risiko bei bestehenden Herz-Kreislauf-Problemen steigt. Dieses gesundheitliche Risiko wird von den Herstellern weitgehend ignoriert, obwohl sie sich bereits vor neun Jahren verpflichtet haben, Raucher ab einer Tagesdosis von mehr als 4,9 Milli­gramm Beta-Carotin deutlich auf ihren Produkten vor einer Einnahme zu warnen. Viele Packungen mit Sonnenvitaminen enthalten jedoch Pillen mit einer empfohlenen Dosis zwischen 5,6 und 25 Milligramm Beta-Carotin pro Tag: Raucher werden auf gesundheitliche Gefahren oftmals nicht oder wenn, dann nur unzureichend aufmerksam gemacht. Eine klare Orientierung bietet diesbezüglich nur ein Hinweis: „Nicht für Raucher und zur langfristigen Einnahme gedacht“. Unzureichende Infos im Internet: Angaben zum Sonnenschutz oder Warnhinweise für Raucher bei Carotin-Kapseln suchen Kunden in Internetshops – auch auf Seiten bekannter Marken­hersteller – meistens vergebens. Darüber hinaus bieten auch nur wenige Versandapotheken hilfreiche Zusatzinformationen – etwa Beipackzettel oder Zutatenlisten – zu ihrem Angebot an Sonnenvitaminprodukten an. Beim Kauf von Kapseln mit hoch­dosiertem Beta-Carotin im Internet ist deshalb vor allem bei unbekannten Produkten höchste Vorsicht geboten.

Nützliche Tipps zum Einkauf von Lebensmitteln im Internet bietet die Verbraucherzentrale NRW unter http://www.vz-nrw.de