Übersicht / Verbraucherzentrale NRW / Meldung vom 26.02.2007

Montag, 26. Februar 2007, 09:32 Uhr

Verbraucherzentrale NRW

Nahrungsergänzungsmittel

Überflüssige Extraportionen

Düsseldorf – Gesundheit ist käuflich - diese Botschaft vermitteln Lebensmittel- und Pharmahersteller zuhauf. Vitamin- oder Mineralstoffpräparate bzw. Pflan­zenextrakte sollen bestimmten Krankhei­ten oder vorzeitigem Altern vor­beugen, das Immunsystem stärken oder ungesunde Essgewohnheiten kompensieren. Die gesundheitsfördernde Wirkung wird den besonderen Inhaltsstoffen dieser Lebensmit­tel zugeschrieben, die in vielfältiger Form als Kapsel, Tablette oder Pulver angeboten werden. Kunden können den riesigen Markt zwar kaum noch durchschauen, sind aber anfällig für diese Produkte. "Denn die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel suggeriert, dass diese Präparate inzwi­schen bitter nötig sind, weil die übliche Ernäh­rung in punkto Versorgung angeblich versagt", moniert die Verbraucher­zentrale NRW. Sie hat einige Werbeaussagen kritisch unter die Lupe genommen und rückt deren Bot­schaf­ten zurecht:

- Deutsche leiden nicht unter Vitaminmangel: Der Anteil an Vitami­nen und Mineralstoffen in der täglichen Ernährung ist grund­sätzlich ausreichend. Die Versorgung mit Folsäure, Calcium und Jod könnte insgesamt noch optimiert werden. Eine Extraportion an zusätzlichen Nährstoffen benötigen nur Risikogruppen - etwa Schwangere, alte und kranke Menschen - wenn deren Bedarf tat­sächlich erhöht ist. Vor dem Griff zu Monoprä­paraten sollte jedoch stets der Arzt um Rat gefragt werden.

- Richtige Ernährung kostet nicht viel Zeit und Geld: Wer mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte und weniger Wurst, Fleisch und Fertiggerichte auf den Tisch bringt, muss für Lebensmittel nicht mehr ausgeben. Gesunde Mahlzeiten mit frischen Lebens­mitteln lassen sich preiswert und schnell - in maximal 30 Minuten - zube­reiten. Für kostenloses Vitamin D sorgt übrigens ein täglicher Auf­enthalt im Freien bei Tageslicht. Der Kauf von zusätzlicher Gesundheitskost sorgt eher für Ebbe in der Kasse: Kapseln, Brau­setabletten, Säfte und Co. schlagen pro Tag mit bis zu zwei Euro zu Buche.

- Obst und Gemüse sind nicht nährstoffärmer als früher: Düngen versorgt Nutzpflanzen mit den benötigten Mineralien. Vitamine pro­duzieren sie selbst. Der Nährstoffgehalt ist aber nicht bei allen Pflanzen gleich. Der Gehalt an wertvollen sekundären Pflanzen­stoffen beispielsweise ist umso höher, je län­ger Obst und Gemüse ausreifen darf. Mit diesen natürli­chen Nährstoffen kann der geringe Anteil an extrahierten Vitaminen und Mineralien in Kapseln nicht mithalten.

- Inhaltsstoffe können unangenehme Nebenwirkungen entfalten: Eine zu hohe Dosierung einzelner Substanzen in einem Präparat kann andere Nährstoffe in ihrer Aufnahme behindern und dadurch erst recht einen Mangel auslösen. Auch die Kombination von Nah­rungsergänzungsmitteln mit Medi­kamenten löst unter Umständen schädliche Wechselwirkungen aus. Wer Medikamente einnimmt oder an einer chronischen Krankheit leidet, sollte die Einnahme von gesundheitli­chen Extras mit dem Arzt oder Apotheker abklären.

- Nahrungsergänzungsmittel sind keine Allheilmittel: Unge­sunder Lebens­stil und mangelnde Bewegung lassen sich nicht mit Tablet­ten ausgleichen. Stressabbau, Entspannung und genügend Schlaf fördert Gesundheit und Wohlbefinden mehr als eine regel­mäßige Vitamin-Dosis aus der Packung. Auch Freizeitsportler kön­nen auf die Extraportion an Nährstoffen getrost verzichten.

Weitere Informationen zur Werbung und Wirkungsweise von Nah­rungs­ergänzungsmitteln enthält das Faltblatt "Vitamine & Co.", das unentgelt­lich in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW erhältlich ist.