Mitgliederversammlung bestätigt Vorstand für weitere drei Jahre/Verband mahnt sachgerechte Entscheidungen bei ApoVWG, GKV-Beitragssatzstabilisierung und GOÄ-Reform an.
Die Mitgliederversammlung der Akkreditierten Labore in der Medizin e.V. (ALM e.V.) hat am Mittwoch in Berlin die gesundheitspolitischen Herausforderungen für die fachärztliche Labordiagnostik beraten und den Vorstand des Verbandes für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die zahlreichen parallel laufenden Reformprozesse im Gesundheitswesen, die für die medizinischen Labore mit erheblichen fachlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen verbunden sind.
„Unsere fachärztlichen Labore versorgen Deutschland jeden Tag mit patientenzentrierter und qualitätsgesicherter Labordiagnostik – und das rund um die Uhr und in ärztlicher Verantwortung. Als Vollversorger stellen wir den niedrigschwelligen, flächendeckenden und wohnortnahen Zugang zur medizinischen Labordiagnostik sicher. Damit das auch künftig so bleibt, brauchen wir verlässliche strukturelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen“, erklärte Dr. med. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., zu Beginn der Mitgliederversammlung in Berlin.
„Die aktuellen Reformvorhaben zeigen sehr deutlich, dass der Zugang zur Labordiagnostik als Selbstzahlerleistung in Apotheken zur vermeintlichen Entlastung der ambulanten Versorgung quasi deprofessionalisiert wird, indem auf eine ärztliche Indikationsstellung verzichtet wird. Gleichzeitig werden über Vergütungsreformen die Honorare für Laboratoriumsuntersuchungen in Facharztlaboren gekürzt. Schließlich sollen wichtige Elemente wie die Prävention in der Menge begrenzt werden, eine dem politischen Willen zur Stärkung von Prävention entgegenstehende Maßnahme im Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Hier braucht es insgesamt zur Aufrechterhaltung der Qualität und Sicherheit der Laborversorgung eine Kurskorrektur im Sinne der Patientinnen und Patienten.“
Viele Reformen gleichzeitig: Belastungsprobe für Labore und Versorgung
„Die medizinischen Labore arbeiten für Patientinnen und Patienten, meist nach Überweisung von Praxen und Kliniken eher im Hintergrund, denn die Arbeit der Facharztlabore ist für Betroffene in aller Regel nicht direkt sichtbar. Auch deshalb wird die zentrale Bedeutung der fachärztlichen Labordiagnostik in politischen Verfahren meist unterschätzt“, erklärte Dr. med. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., im Anschluss an die Mitgliederversammlung. „Wer weiterhin die Versorgungssicherheit in der gewohnten Weise möchte, hat die Labore als ärztlich verantwortete Versorgungsstruktur zu stärken und zusätzliche Belastungen, unklare Zuständigkeiten oder unsachgerechte Vergütungsregeln zu vermeiden.“
Die Beratungen der ALM-Mitglieder in Berlin machten deutlich: Für die fachärztliche Labordiagnostik geht es derzeit nicht nur um einzelne Reformvorhaben, sondern um die Summe vieler gleichzeitiger Eingriffe. Laborreform im EBM, die geplante GOÄ-Reform, Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz, GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Digitalisierung, IT-Sicherheit, Qualitätssicherung, Akkreditierung und Fachkräftegewinnung greifen ineinander. In ihrer Summe haben sie erheblichen Einfluss darauf, wie stabil die diagnostische Infrastruktur der Versorgung bleibt. Der ALM e.V. sieht darin eine zentrale politische Aufgabe: Die medizinischen Labore sollten stärker wahrgenommen werden, damit die Versorgung durch unbedachte Maßnahmen nicht ins Stocken gerät und so Befundzeiten länger werden oder Versorgungsstrukturen unter unangemessenen und vermeidbaren Druck geraten. Verlässliche Labordiagnostik braucht verlässliche Rahmenbedingungen.
ApoVWG: Diagnostik ist mehr als Blutabnahme
Kritisch bewertet der ALM e.V. die im Rahmen des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes vorgesehenen Erweiterungen diagnostischer Tätigkeiten in Apotheken. Medizinische Diagnostik ist mehr als die bloße Analyse einer Probe und Feststellung eines Messwertes. Sie umfasst Indikationsstellung, Präanalytik, Qualitätssicherung, Befundbewertung, ärztliche Beratung und die Einbindung in den weiteren Versorgungspfad. Der ALM e.V. sieht daher die durch das Gesetz entstehenden Parallelstrukturen, die weder medizinisch notwendig noch versorgungspolitisch sinnvoll sind, kritisch und erwartet dadurch vermeidbare signifikante Kostensteigerungen für das GKV-System. Statt niedrigschwellige Testangebote außerhalb ärztlich verantworteter Strukturen auszuweiten, sollte der Zugang der Patientinnen und Patienten zur fachärztlichen Labordiagnostik sinnvoll verbessert werden. Dazu gehört aus Sicht des Verbandes auch die Diskussion über einen geregelten Direktzugang zum Labor, wo dieser medizinisch sinnvoll, qualitätsgesichert und in ärztlicher Verantwortung erfolgt.
GKV-Finanzstabilisierung: Prävention ist zu stärken anstelle sie durch Budgetierung auszubremsen
„Wer Prävention stärken will, sollte präventive Laborleistungen entsprechend der Inanspruchnahme unbudgetiert vergüten, denn damit wird die Vermeidung von Krankheiten oder die verbesserte Früherkennung gestärkt“, erklärt Prof. Dr. med. Jan Kramer, stellvertretender Vorsitzender des ALM e.V., mit Blick auf die aktuelle Diskussion zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. „Früherkennung und Screening helfen, schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden, Therapien früher einzuleiten und Folgekosten zu reduzieren. Diese Leistungen brauchen weiterhin eine verlässliche Finanzierung.“ Deshalb fordert der ALM e.V. erneut, G-BA-richtlinienbasierte Präventions- und Screening-Leistungen von geplanten Begrenzungsmechanismen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen auszunehmen. Der Verband warnt davor, evidenzbasierte Früherkennung durch Budgetlogik auszubremsen. Zugleich widerspricht dies der Ausweitung von präventiven und diagnostischen Leistungen im Rahmen des ApoVWG.
GOÄ-Reform: Ärztliche Verantwortung muss angemessen abgebildet werden
Auch die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärztinnen und Ärzte war Gegenstand der Beratungen. Der ALM e.V. sieht weiterhin erheblichen Klärungsbedarf mit Blick auf die sachgerechte Abbildung der fachärztlichen Labordiagnostik. Laborärztliche Leistungen sind ärztliche Leistungen mit hoher Verantwortung für Diagnostik, Therapieentscheidungen und Patientensicherheit. Zur fachärztlichen Labordiagnostik gehören neben der Analytik insbesondere Indikationsstellung, Qualitätssicherung, Plausibilitätsprüfung, Befundinterpretation, Antibiotic Stewardship, auch die Beratung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren. Diese ärztliche Leistung muss auch in einer neuen GOÄ angemessen berücksichtigt werden. „Die GOÄ-Reform muss die fachärztliche Labordiagnostik als ärztliche Leistung angemessen abbilden“, betont Müller. „Wer moderne Diagnostik, Innovation, Qualitätssicherung und ärztliche Verantwortung erwartet, muss diese Leistungen auch sachgerecht abbilden.“
Mitgliederversammlung bestätigt Vorstand – Fabian Raddatz neu im Vorstand
Die Mitgliederversammlung des ALM e.V. hat den Vorstand für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Fabian Raddatz, Geschäftsführer von Labor Berlin – den Gemeinschaftsunternehmen von Charité und Vivantes. Er folgt auf Nina Beikert, die nach langjährigem Engagement aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Der ALM e.V. dankt ihr ausdrücklich für ihre wichtige Arbeit und ihr außerordentliches Engagement im Verband. Mit Raddatz gewinnt der Vorstand eine starke Stimme für die stationäre Labordiagnostik und die Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Gerade an diesen Schnittstellen entscheidet sich, wie gut Versorgung funktioniert“, erklärt Raddatz. „Ich freue mich darauf, insbesondere meine Erfahrung aus der Krankenhauslabordiagnostik sowie aus den Themen Fachkräfte und Qualifizierung in die Arbeit des ALM e.V. einzubringen.“
ALM e.V. bringt sich weiter konstruktiv ein
Die Mitgliederversammlung unterstrich die Bedeutung einer starken fachärztlichen Stimme der Labordiagnostik in den laufenden gesundheitspolitischen Beratungen. Der ALM e.V. wird sich weiterhin konstruktiv in Gesetzgebungsverfahren, Selbstverwaltung und öffentliche Debatten einbringen. „Wir versorgen Deutschland mit Labor. Damit das auch in Zukunft zuverlässig gelingt, brauchen die medizinischen Labore planbare, sachgerechte und bundesweit verlässliche Rahmenbedingungen. Es geht uns nicht um Partikularinteressen, sondern um eine leistungsfähige diagnostische Infrastruktur für die Versorgung der Patientinnen und Patienten“, so Müller abschließend.
Hinweis für Medien
Der ALM e.V. diskutiert die aktuellen Herausforderungen der fachärztlichen Labordiagnostik auch im Rahmen seines Satellitensymposiums beim Hauptstadtkongress am 24. Juni 2026. Die Veranstaltung findet hybrid statt; eine Online-Teilnahme ist möglich.
Weitere Informationen und Anmeldung: www.alm-ev.de/hsk
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Über den ALM e.V.: Der ALM e.V. ist der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin und
repräsentiert über 200 medizinische Laboratorien in Deutschland. Er engagiert sich für eine
patientenzentrierte, qualitativ hochwertige und wirtschaftlich nachhaltige Labordiagnostik.