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Donnerstag, 11. Oktober 2012, 17:56 Uhr

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Pressemitteilung

Gesundheitsminister Andreas Storm: Mammographie-Screening führt zu früherer Tumordiagnose - erste positive Ergebnisse im Saarland

Saarbrücken – Gesundheitsminister Andreas Storm hat heute in Homburg an der mobilen Mammographie-Einheit, dem so genannten „Mammobil“, zusammen mit den für das Programm im Saarland verantwortlichen Akteuren erste Ergebnisse des Mammografie-Screenings 2006-2012 für das Saarland vorgestellt. „Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebsneuerkrankung und Krebstodesursache bei Frauen. Aber durch Mammografie-Screening gelingt es, die bösartigen Veränderungen und Knoten in eine früheren Stadium zu erkennen und somit die Heilungschancen zu erhöhen“, erklärte der Minister. „Ich möchte daher alle teilnahmeberechtigten Frauen ermuntern, die Einladung zum Mammographie-Screening wahrzunehmen“, sagte Storm. Die Daten des Saarländischen Krebsregisters zeigen, dass im Saarland jährlich zwischen 800 und 900 Frauen neu an Brustkrebs erkranken. Im Jahr 2010 sind 262 Frauen an den Folgen einer Brustkrebserkrankung verstorben.„Krebsfrüherkennung hat im Saarland eine gute Tradition und so freue mich, dass die Hälfte (51,6 Prozent) der eingeladenen Frauen im Saarland bereits in der 1. Runde der Einladung zum Mammographie-Screening gefolgt ist“, kommentierte Dr. Gunter Hauptmann, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, vor Ort in Homburg die Ergebnisse. „Wir sind sehr zufrieden, dass darüber hinaus 70,6 Prozent der Frauen, die wir bereits zum zweiten Mal eingeladen haben, zur Früherkennung kommen“, sagte Hauptmann weiter. „Unberücksichtigt hierbei ist die Zahl der sogenannten Selbsteinladerinnen – Frauen, die von dem Programm gehört haben und sich bei der Zentralen Stelle oder in den Screening-Stationen melden. Betrachtet man ausschließlich die Teilnehmerinnenzahlen für das Mammobil, so kann man von einer kleinen Erfolgsgeschichte sprechen“, erklärte der Mediziner. „Es gilt aber weiterhin“, so Dr. Hauptmann „denjenigen Frauen, die sich einer Mammographie-Untersuchung gegenüber noch zögerlich verhalten, Mut zu machen, ihre Bedenken zu überwinden. Vielleicht hilft hierbei auch ein unverbindlicher Besuch des Mammobils vor Ort!“

Knapp 140 000 Frauen haben derzeit im Saarland Anspruch zweijährlich an den Screening-Runden teilzunehmen. Für die 2011 erstmals komplett abgeschlossene 1. Screening-Runde, die sogenannte Prävalenz-Runde, wurden die Ergebnisse vorgestellt.

„Generell lässt sich sagen, dass seit Beginn des Screenings im Jahr 2006 insgesamt 861 Brustkrebserkrankugnen entdeckt wurden. Die im Screening entdeckten Tumoren weisen dabei in der Regel ein deutlich früheres Stadium auf als außerhalb des Screenings Entdeckte – dies zeigt die Auswertung des Krebsregisters“, so Dr. Bitsch und Dr. Keller, die programmverantwortlichen Ärzte für das Saarland. 4,8 Prozent der Screening-Teilnehmerinnen wurden in der 1. Runde wegen auffälliger Befunde nochmals eingeladen – dies entspricht den internationalen Qualitätsvorgaben. Von diesen wurde bei 18,7 Prozent der Fälle eine Biopsie direkt in der Screening-Einheit in Saarlouis durchgeführt. Von den Frauen, bei denen eine Biopsie durchgeführt wurde, hatte jede 2. Frau auch einen bösartigen Tumor. „Der Anteil der kleinsten Tumoren (< 10 mm), die entdeckt wurden, lag bei 16,8 Prozent. Dank der frühen Entdeckung durch die digitalen Röntgenaufnahmen standen die Chancen in diesen Fällen gut, dass der Tumor dauerhaft entfernt, die Brust erhalten und gleichsam eine bessere Lebensqualität gewährleistet werden konnte“, erklärten die beiden Ärzte heute vor Ort.

Gesundheitsminister Andreas Storm: “Der Nationale Krebsplan, dessen Umsetzungsempfehlungen wir als Gesundheitsministervorsitzland gerade im Juni diesen Jahres mit verabschiedet haben, formuliert als vorrangige Ziele die Verbesserung der Krebsfrüherkennung und der Krebsbekämpfung durch effektives zielgerichtetes und auf einander abgestimmtes Handeln aller Akteure“.

Mein ausdrücklicher Appell daher: „Informieren Sie sich über die Chancen, die eine Teilnahme am Mammographie-Screening bietet und treffen Sie gut informiert Ihre Entscheidung im Hinblick auf Nutzen und Risiken. Das Programm verhindert keinen Brustkrebs, es hilft jedoch, die Tumoren früher zu erkennen und damit Leiden durch eine wenige aggressive Behandlung zu verhindern, so wie die Sterblichkeit zu reduzieren“.

Hintergrund:
Brustkrebs ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die häufigste Krebserkrankung der Frau. Bundesweit erkranken derzeit jährlich rund 75 000 Frauen neu an Brustkrebs und etwa 17 500 Frauen sterben pro Jahr an den Folgen dieser Erkrankung. Um die Brustkrebssterblichkeit in Deutschland zu senken, wurde 2005 ein nach europäischen Leitlinien zertifiziertes Mammographie-Screening-Programm zur Brustkrebsfrüherkennung für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt, das seit Ende 2009 flächendeckend und wohnortnah in den Bundesländern angeboten wird. Start im Saarland war Dezember 2006 in Saarlouis, es folgten weitere Aufnahmeeinheiten in Saarbrücken, St, Ingbert, Merzig und St. Wendel. 2011 wurde auf ein digitales Bildgebungsverfahren umgestellt, Saarbrücken und Saarlouis blieben als stationäre Einheiten bestehen, das restliche Saarland wird seitdem mit einer mobilen Aufnahmeeinheit bedient.

Seit Inbetriebnahme des mobilen Trucks vor 15 Monaten haben 65,3 Prozent der Frauen, die eine Einladung erhielten, die angebotene Leistung in Anspruch genommen. Die Zahlen sprechen für eine überaus deutliche Akzeptanz des Früherkennungsprogramms mit seinen hohen Qualitätsanforderungen, und dies nicht nur an die Technik, sondern auch an die Menschen, in diesem Fall die mit der Auswertung der digitalen Röntgenergebnisse befassten Ärzte. Es ist davon auszugehen, dass diese Tendenz in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird.

Die Koordination, Organisation und Erfahrungsbewertung des Mammographie-Screening-Programms erfolgt in Deutschland zentral durch die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die 2003 in gemeinsamer Trägerschaft der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegründet wurde. Das Programm wird finanziert durch die Kostenträger. Die Qualitätssicherung, Fortbildung der programmverantwortlichen Ärzte sowie regionale Auswertung übernehmen fünf Referenzzentren.

Für das Saarland zuständig ist das Referenzzentrum Südwest in Marburg. Geleitet wird die saarländische Screening-Einheit von den beiden niedergelassenen Gynäkologen, Dr. Manfred Bitsch und Dr. Erich Keller, als zuständige programmverantwortliche Ärzte in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Ärzte- und Betreuungsstab.

Die anspruchsberechtigten Frauen werden durch die Zentrale Stelle im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, die dem Saarländischen Krebsregister angegliedert ist, eingeladen. Das Screening-Programm wird für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren durchgeführt, da etwa die Hälfte der Neuerkrankungen in dieser Altersklasse auftritt und die Dichte und Beschaffenheit des Brustgewebes in diesem Alter bildgebende Screening-Verfahren ermöglicht.

Für Fragen zur Brustkrebsfrüherkennung stehen Ihre betreuende Ärztin oder Ihr betreuender Arzt sowie die Zentrale Stelle, telefonisch zu erreichen unter: 0681 / 501 6100, zur Verfügung. Darüber enthält der Brustkrebswegweiser, im Internet zu finden unter www.brustkrebs-wegweiser.saarland.de, jede Menge nützliche Informationen und Kontaktadressen für Betroffene, Angehörige und Interessierte bereit.

Alles Wissenswerte zum Mammographie-Screening gibt es unter www.gut-informiert.de bzw. www.mammo-programm.de. Informationen der Zentralen Stelle können unter www.gesundheit.saarland.de erreicht werden. Informationen finden Betroffene beim Krebsinformationsdienst unter www.krebsinformationsdienst.de und Selbsthilfegruppen und Initiativen sind zu finden unter www.selbsthilfe-saar.de. Noch mehr Informationen zum Nationalen Krebsplan unter www.nationaler-krebsplan.de.