Magdeburg – Wie lässt sich die Zukunft für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen besser gestalten? Mit dieser Frage beschäftigten sich mehr als 700 Teilnehmende beim 13. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Magdeburg. Am Freitagabend ging die zweitätige Veranstaltung unter dem Motto „Demenz: Zusammen Zukunft gestalten“ zu Ende.
„Unser Kongress schafft Raum, um neue Impulse zu setzen, Erfahrungen zu teilen und Lösungen zu entwickeln. Ich habe hier wieder unzählige engagierte und hoch motivierte Menschen getroffen, die sich mit ganzer Energie dafür einsetzen, bessere Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen zu schaffen. Das alleine reicht aber nicht. Wir brauchen auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen und politische Weichenstellungen, um Menschen mit Demenz unabhängig vom Wohnort ein besseres Leben zu ermöglichen“, sagt Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.
Wie vielfältig die Aufgabenstellungen sind, zeigte das Programm des Kongresses: In rund 70 Vorträgen und sechs Workshops gaben Menschen aus Praxis und Wissenschaft sowie Menschen, die selbst mit einer Demenz leben, Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. Die Themen reichten von frühdiagnostischer Versorgung, neuen Therapieformen, therapeutischen Ansätzen und seltenen Formen der Demenz, über Demenzstrategien in Bund und Ländern bis hin zu gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Demenz und der Unterstützung von Angehörigen.
Der Kongress bot auch dieses Mal viel Raum für Vernetzung. Die Teilnehmenden konnten konkrete Anregungen für ihre Arbeit vor Ort mitnehmen und vielfach wurden auch die Grundsteine für neue Kooperationsprojekte gelegt.
Aber es wurde auch deutlich, dass der Unterstützungsbedarf für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an vielen Stellen nach wie vor bei weitem nicht gedeckt ist. Wegweisende Projekte sind teilweise ausschließlich aus Spendengeldern finanziert, weil es keine staatliche Förderung dafür gibt.
Großer Diskussionspunkt am Rande der Symposien waren die bevorstehenden Änderungen beim Pflegeversicherungsgesetz. Letztere beinhalten viele Leistungskürzungen, die ganz besonders Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen betreffen und eine große Zahl bestehender Unterstützungsangebote gefährden dürften. Hier befürchten viele, die in den Alzheimer-Gesellschaften, in der Beratung und Pflege tätig sind, gravierende Einschnitte und einen Rückschritt in der Versorgung um Jahrzehnte.
Zu dem am 30. September vorgelegten Kabinettsentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz hat sich die DAlzG bereits kritisch geäußert.
Zum Kongress:
Der 13. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft fand unter dem Motto „Demenz: Zusammen Zukunft gestalten“ vom 15. bis 16. Oktober 2026 in der Messe Magdeburg statt.
Er stand unter der Schirmherrschaft von Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt.
Der Kongress wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.
Mehr Informationen unter www.demenz-kongress.de
Hintergrund
In Deutschland leben heute etwa 1,78 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Etwa zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken rund 360.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,3 bis 2,6 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich für ein besseres Leben mit Demenz. Sie unterstützt und berät Menschen mit Demenz und ihre Familien. Sie informiert die Öffentlichkeit über die Erkrankung und ist ein unabhängiger Ansprechpartner für Medien, Fachverbände und Forschung. In ihren Veröffentlichungen und in der Beratung bündelt sie das Erfahrungswissen der Angehörigen und das Expertenwissen aus Forschung und Praxis. Als Bundesverband von rund 130 Alzheimer-Gesellschaften unterstützt sie die Selbsthilfe vor Ort. Gegenüber der Politik vertritt sie die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Die DAlzG setzt sich ein für bessere Diagnose und Behandlung, mehr kompetente Beratung vor Ort, eine gute Betreuung und Pflege sowie eine demenzfreundliche Gesellschaft. Die DAlzG arbeitet politisch und konfessionell unabhängig und verzichtet auf Sponsoring durch Unternehmen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Ein großer Teil ihrer Arbeit wird durch Spenden finanziert.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist als Interessenvertreterin von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen und hat sich dem dafür geltenden Verhaltenskodex verpflichtet.
