Übersicht / Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Meldung vom 25.08.2010

Mittwoch, 25. August 2010, 17:52 Uhr

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Gesundheitszustand der vier Kinder mit klinischen Infektionssymptomen weiter verbessert

Krisenstab tagt weiter – Identifizierung des zweiten Bakteriums als „Escherichia hermannii“ bestätigt

Mainz – Der Gesundheitszustand der vier Kinder, die seit der Gabe einer mit Bakterien verunreinigten Infusionslösung am vergangenen Freitag klinische Symptome einer Infektion gezeigt hatten, verbessert sich weiter. Allerdings werden die vier Kinder aufgrund ihrer Grunderkrankung oder Frühgeburtlichkeit weiterhin intensivmedizinisch betreut.

Inzwischen wurde die Identifizierung des zweiten Bakteriums in der Infusionslösung als „Escherichia hermannii“ bestätigt. Genau wie bei dem zuerst identifizierten Bakterium „Enterobacter cloacae“ handelt es sich um einen im menschlichen Darm vorkommenden Keim, der an dieser Stelle harmlos ist. Gelangen beide Keime jedoch an andere Stellen im Körper, können sie Infektionen auslösen. Die Antibiotika, die die Kinder bekommen hatten, sind auch für diesen zweiten Keim wirksam, so dass die antibiotische Therapie von Anfang an optimal war.

Derweil tagt der Krisenstab täglich. „Bezüglich der Ursachenforschung sind unsere Möglichkeiten jedoch durch die laufenden Ermittlungen begrenzt“, so der Medizinische Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Norbert Pfeiffer. „Wir haben alle Lösungen und Materialien in die Obhut der Staatsanwaltschaft übergeben. Hier zählen wir daher auf die Ergebnisse der Untersuchungen, die dort in Auftrag gegeben wurden.“ Ferner durchleuchte man weiterhin genauestens die Prozesse des Herstellungsverfahrens in der Apotheke, wobei jeder Schritt detailliert betrachtet und analysiert werde. „Wir drehen dabei jedes Steinchen doppelt um und werden dazu auch auf externe Expertise zurückgreifen“, so Prof. Dr. Norbert Pfeiffer.

Staatsanwaltschaft und Polizei hatten gestern mitgeteilt, dass mit einem Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchungen des Schlauchsystems nicht vor Donnerstagvormittag (26.08.2010) zu rechnen sei.

Zum Hintergrund

Am Samstag, 21.8.2010, waren im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz zwei Kinder verstorben, am Montag, den 23. August ein drittes Kind. Die drei Säuglinge, die aufgrund ihrer schweren Grunderkrankung oder ihrer Frühgeburtlichkeit bereits intensivmedizinisch betreut wurden, verstarben möglicherweise im Zusammenhang mit der Gabe einer durch Bakterien verunreinigten Infusionslösung. Darüber hinaus wurden acht weitere Kinder mit Infusionslösungen derselben Charge versorgt.

Bei den betroffenen Infusionen handelt es sich um Ernährungslösungen, die aus verschiedenen Komponenten externer Hersteller in der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz täglich patientenindividuell hergestellt werden. Entsprechend den Herstellungsstandards wird die Qualität dieser Produkte täglich durch das Institut für Mikrobiologie und Hygiene überwacht. Dadurch wurde die Verkeimung dieser Infusionen festgestellt.

Alle in Frage kommenden Patienten wurden bei dem ersten Verdacht einer möglichen Verkeimung der Infusionslösung entsprechend vorsorglich medizinisch behandelt. Aus Sicherheitsgründen wurden vier weitere Kinder, die anderweitig portionierte Medikamente erhalten hatten, untersucht und vorbeugend behandelt. Diese Patienten weisen keine Auffälligkeiten auf. Zudem wurde die Nutzung der in Frage kommenden Herstellungssysteme und Lösungen sofort gestoppt. Bis zur Klärung der Ursache werden die Infusionen in einem alternativen Verfahren hergestellt.

Die Universitätsmedizin Mainz hatte die zuständigen Behörden unverzüglich informiert und eingebunden. Die Suche nach der genauen Ursache innerhalb der gesamten Herstellungskette wird mit Hochdruck vorangetrieben.