AOK-Gesundheitsbericht 2025: Mehr als ein Viertel aller Krankheitsfälle waren Atemwegserkrankungen
Kiel – Der Krankenstand in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der AOK NordWest hervor. Danach weist die Gesamtbilanz der Krankmeldungen bei den rund 355.000 bei der AOK NordWest versicherten Arbeitnehmenden für das Jahr 2025 einen Krankenstand von 6,7 Prozent aus. „Im Vergleich zum Vorjahr 2024 mit 6,9 Prozent ist das zwar ein leichter Rückgang. Dennoch bleibt der Krankenstand weiterhin auf einem hohen Niveau“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann bei der heutigen Vorstellung des Gesundheitsberichts in Kiel. Beschäftigte in Schleswig-Holstein fehlten im Schnitt 24,6 Tage krankheitsbedingt in ihren Betrieben. Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen verursachten 40 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.
Hohe Schwankungen beim Krankenstand im Jahresverlauf
Der Krankenstand in Schleswig-Holstein lag 2025 mit 6,7 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,4 Prozent. Im Jahresverlauf gab es hohe Schwankungen: Die höchsten Krankenstände waren im Februar mit 8,7 Prozent sowie im März (7,7 Prozent) zu verzeichnen. In den Monaten August und Mai gab es die niedrigsten Krankenstände mit 5,8 und 6,1 Prozent.
Atemwegserkrankungen häufigster Grund für Krankschreibung
Der Anteil der Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Atemwegserkrankungen an allen AU-Fällen lag im Jahr 2025 bei 27,2 Prozent und so mit weitem Abstand weiterhin an erster Stelle. Die Entwicklung zeigt einen kontinuierlichen Anstieg: Im Jahr 2021 lag der Anteil bei nur 14,4 Prozent, 2022: 25,2 Prozent, 2023: 26,4 Prozent, 2024: 26,7. Prozent. „Atemwegserkrankungen verursachten damit fast 90 Prozent mehr Arbeitsausfall als noch fünf Jahre zuvor“, so Ackermann. Danach folgten erst die Muskel- und Skeletterkrankungen (13,2 Prozent), Verdauungserkrankungen (6,6 Prozent) und Verletzungen mit einem Anteil von 5,5 Prozent an allen AU-Fällen.
Die meisten Ausfalltage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen
Bezogen auf die Anzahl der AU-Tage waren die vier häufigsten Krankheitsarten 2025: Muskel und Skelett mit 19,4 Prozent, Atemwegserkrankungen (14,3 Prozent), Psyche (13,9 Prozent) und Verletzungen (9,3 Prozent). Die durchschnittliche Krankheitsdauer je Arbeitsunfähigkeit lag bei 10,1 Tagen.
Psychische Erkrankungen stark angestiegen
Laut der aktuellen Auswertung sind die AU-Tage, die durch psychische Erkrankungen von mehr als sechs Wochen verursacht wurden, zwischen 2016 und 2025 stark gestiegen. Im Vergleich zu den anderen Diagnosegruppen sind sie mit durchschnittlich 28 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall zudem mit den längsten Ausfallzeiten verbunden.
Krankenstand im Branchenvergleich
Im Branchenvergleich ist der höchste Krankenstand bei den AOK-Mitgliedern in Schleswig-Holstein im Jahr 2025 mit 7,9 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bereich Energie/Wasser und Entsorgung mit 7,7 Prozent zu beobachten. Der niedrigste Wert war in der Land- und Forstwirtschaft mit 4,2 Prozent sowie im Wirtschaftszweig Banken und Versicherungen mit 4,7 Prozent festzustellen.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Der AOK-Gesundheitsbericht wertet auch den Krankenstand nach Alter und Geschlecht aus. Danach lag bei den Männern in Westfalen-Lippe der höchste Krankenstand mit 11,0 Prozent in der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren, der niedrigste in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren, 30 bis 34 Jahren sowie 35 bis 39 Jahren mit 5,3 Prozent. Bei den Frauen lag der höchste Krankenstand zwischen 60 und 64 Jahren bei 10,1 Prozent, der niedrigste im Alter von 15 bis 19 Jahren sowie 30 bis 34 Jahren bei 5,6 Prozent.
Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen
AOK-Chef Ackermann weist darauf hin, dass sich das Arbeitsleben in den letzten Jahren durch eine zunehmende Digitalisierung, dem demografischen Wandel, Fachkräftemangel, Arbeitsverdichtung und Homeoffice deutlich verändert habe. „Hier kann betriebliche Gesundheitsförderung Ansätze bieten, um die Widerstandsfähigkeit und psychische Belastbarkeit der Belegschaft von Betrieben zu stärken. Eine gute Unternehmenskultur und Führung sind zentrale Stellschrauben, um Mitarbeitende gesund zu erhalten und langfristig an die Unternehmen zu binden“, so Ackermann.
