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Neues Schulfach „Gesundheit“? Politik steht in der Pflicht
Karikatur zum Download auf www.neue-allgemeine.de

Neues Schulfach „Gesundheit“? Politik steht in der Pflicht

Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland/ Ausgabe November 2009

Essen – Mit der gesundheitlichen Aufklärung unserer Kinder und Jugendlichen steht es schlecht. Beweis dafür ist unter anderem die drastische Zunahme von ernährungsbedingten Krankheiten, wie Diabetes mellitus Typ 2. Die Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland greift die Problematik im Leitartikel der November-Ausgabe auf und führt in diesem Rahmen ein Interview mit Friedemann Schmidt, Apotheker und Vize-Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die ABDA fordert die Einführung eines neuen Schulfaches „Gesundheit“, um der negativen Entwicklung der vergangenen Jahre entgegenzuwirken. Die Neue Allgemeine Gesundheitszeitung erscheint monatlich deutschlandweit mit einer Auflage von einer Million Exemplaren und ist kostenlos in Apotheken erhältlich.

„Apotheke macht Schule – Prävention im Klassenzimmer“ APOTHEKER FORDERN JETZT SCHULFACH „GESUNDHEIT“

„Prävention ist eine wichtige Aufgabe für Apotheker. Die Jugendlichen wollen wir in ihrer normalen Lebenswelt erreichen. Deshalb halten Apotheker im Rahmen des Projekts , Apotheke macht Schule‘ in Schulen Vorträge vor Schülern, Eltern und Lehrern“, so Apothekerin Karin Graf, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Fleiß, Kreativität und Innovationslust galten immer schon als Markenzeichen für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Kein Wunder also, dass auch die Apotheker in diesem Bundesland neue Wege beschritten: Im Jahr 2006 star-tete die Apothekerkammer Baden-Württemberg unter der Leitung ihrer Vizepräsidentin Karin Graf das Projekt „Apotheke macht Schule, Prävention im Klassenzimmer“. Der riesige Erfolg sorgte dafür, dass das Programm auf weitere Bundesländer ausgeweitet wurde. Heute halten Apothekerinnen und Apotheker in zahlreichen Schulen Vorträge zu Themen, die Schulen und Eltern gleichermaßen auf den Nägeln brennen: Alkoholmissbrauch in jungen Jahren, Drogen und Suchtverhalten, Essstörungen und Leistungsdruck, der nicht selten mit der Einnahme von Medikamenten einhergeht. Nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer sind begeistert – auch Politik und Verwaltung unterstützen die Bemühungen der Apotheker, schon Kinder und Jugendliche für eine gesunde Lebensführung zu sensibilisieren. Aber das reicht nicht. Schon sehr bald erkannten die Verantwortlichen in den Apothekerkammern, dass punktuelle Vorträge in Schulen – und seien es noch so viele – keine dauerhafte Veränderung der Lebensgewohnheiten einer möglichst großen Zahl von Kindern und Jugendlichen herbeiführen würden. Dazu bedarf es einer radikalen Neuerung in den Schulen: der Einführung eines neuen Schulfaches „Gesundheit“. Nun sind die Apotheker damit an die Öffentlichkeit gegangen.

Die Neue Allgemeine Gesundheitszeitung sprach mit Friedemann Schmidt, Apotheker und Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände. NAGZ: Herr Schmidt, Sie fordern die Einführung eines neuen Schulfaches „Gesundheit“. Gibt es einen konkreten Auslöser, der die ABDA im Namen der Apotheken zu diesem Schritt veranlasst hat? FRIEDEMANN SCHMIDT: Diese Idee ist seit einiger Zeit gereift. Wir wollten sie nach der Bundestagswahl einbringen. Aber uns ist klar, dass die Umsetzung einige Zeit beanspruchen wird. NAGZ: Experten klagen vermehrt darüber, dass immer mehr Kinder ungesund leben, keinen Sport treiben, sich falsch ernähren. Wird diese Problematik auch vermehrt in Apotheken wahrgenommen und wie äußert sie sich dort? FRIEDEMANN SCHMIDT: Gespräche mit Eltern über die Ernährung ihrer Kinder beginnen oft damit, dass sie nach Vitaminpräparaten fragen. Sie wollen kompensieren, dass ihre Kinder vor allem Fastfood oder Nudeln essen, aber kaum Gemüse. Von Vitaminpräparaten rate ich in diesen Fällen grundsätzlich ab. Es überrascht mich in solchen Gesprächen immer wieder, wie viele grundlegende Fakten über gesunde Ernährung nicht bekannt sind. NAGZ: Bereits seit längerer Zeit engagieren sich Apothekerinnen und Apotheker, indem sie im Rahmen des Projektes „Apotheke macht Schule“ Vorträge an Schulen halten. Wie lautet das Resümee der beteiligten Pharmazeuten aus diesen Vortragsreihen? FRIEDEMANN SCHMIDT: Es ist für die Apotheker ein voller Erfolg. Alle Beteiligten, ob Schüler, Lehrer oder Eltern, sind begeistert von „Apotheke macht Schule“. Das Projekt wurde von der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg entwickelt und wird von Apothekerkammern vieler Bundesländer übernommen. NAGZ: Ihre Forderung eines neuen Schulfaches ist angesichts von Klagen über Lehrermangel und Unterrichtsausfall schon in den regulären Fächern nicht unerheblich. Was erhoffen Sie sich aus solch einem Unterrichtsfach? FRIEDEMANN SCHMIDT: Das Schulfach „Gesundheit“ ist interdisziplinär und würde ein alltagsrelevantes und themenübergreifendes Lernen ermöglichen. Die Unterrichtsinhalte könnten direkt in den Alltag der Kinder einfließen – zum Beispiel, weil sie zum Essen Wasser statt Limo trinken. NAGZ: Gibt es bereits ein Konzept, aus dem zum Beispiel hervorgeht, welche Inhalte wie häufig unterrichtet werden sollten? FRIEDEMANN SCHMIDT: Es gibt bislang noch kein ausgearbeitetes Konzept. Wir Apotheker sind aber gerne bereit, uns in die Diskussion einzubringen.

NAGZ: Wie schätzen Sie die Beurteilung Ihrer Forderung von Seiten der Politik ein? Gibt es bereits ein Feedback? FRIEDEMANN SCHMIDT: Unsere Idee ist auf breite Zustimmung gestoßen – ein konkretes Feedback aus der Politik gibt es aber noch nicht.

Das ist im Augenblick wohl auch nicht zu erwarten. Zu sehr starrt die politische Welt zurzeit auf die Bemühungen von CDU und FDP, ein tragfähiges Konzept für die Lösung der finanziellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme in der nächsten Legislaturperiode zu erarbeiten. Und doch – die Politik sollte sich schleunigst dem Thema „Gesundheitserziehung in der Schule“ zuwenden, denn „gesundheitsbewusstes Handeln beginnt im Kopf. Je früher, desto besser“, formulierte es Karin Graf treffend. Wie sieht die Realität aus? Viel Obst und Gemüse, gesunde Fette, ausreichend Kalzium, wenig Süßes, viel Bewegung: Die wichtigsten Regeln für eine gesunde Kindheit sind den meisten Eltern bekannt und leicht umsetzbar, möchte man meinen. Tatsächlich aber nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Übergewicht und damit verbundenen Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck, zu. Nicht nur Kinderarztpraxen, sondern auch Apotheken können diesen Trend bestätigen. Genau deshalb schlagen die Apotheker als langfristige und nachhaltige Lösung vor, dieses neue, interdisziplinäre Schulfach zu schaffen, das den Kindern die Grundlagen gesunder Lebensführung vermittelt. Dass nicht nur das unmittelbare Umfeld betroffener oder gefährdeter Kinder in der Verantwortung steht, der negativen Entwicklung entgegenzuwirken, zeigen die langfristigen Probleme. Die häufigste Folge ungesunder Lebensweise bei Kindern ist starkes Übergewicht aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung. Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle, doch sie allein macht keinen jungen Menschen zum Schwergewicht. Betroffene geraten in einen Kreislauf, aus dem es sich nur schwer ausbrechen lässt: Kinder, deren natürlicher Bewegungsdrang nicht frühzeitig gefördert wird und die – statt an der frischen Luft mit Gleichaltrigen oder auch den Eltern zu toben – einen Großteil ihrer Freizeit vor dem Fernseher und dem Computer verbringen, nehmen schnell zu. Sind sie erst einmal übergewichtig, nimmt das Bedürfnis nach Bewegung ab. Dazu kommt es häufig zu einer sozialen Ausgrenzung, da übergewichtige Kinder oft Opfer von Hänseleien werden. Die medizinischen Folgen wurden bereits genannt: Vor allem Diabetes mellitus Typ 2, im Volksmund auch „Altersdiabetes“ genannt, betrifft immer häufiger auch Kinder und Jugendliche. Zu den privaten Problemen kommen drastische volkswirtschaftliche Folgen: Allein in den USA haben sich die Kosten für durch Fettsucht verursachte Krankheiten nahezu verdoppelt. Laut einer aktuellen Studie kostet starkes Übergewicht die Amerikaner jährlich etwa 147 Milliarden Dollar. Auch in Deutschland sieht es nicht rosig aus: Den veröffentlichten Zahlen der International Association for the Study of Obesity (IASO) zufolge leiden allein in Deutschland rund 20 Prozent der Jungen und Mädchen unter Übergewicht. Problem erkannt, Gefahr gebannt? Mitnichten. Wo Eltern versagen und Lehrer überfordert sind, steht die Politik in der Verantwortung. Eine Schulstunde pro Woche würde genügen. Jetzt sind die Fachminister in den Ländern gefordert. Lernen Kinder schon in der Schule, was eine gesunde Lebensweise bedeutet, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Die nächsten Generationen werden es uns danken. Und die Sozialkassen auch.

LECKER, LEICHT, GESUND? Ein Kommentar der Redaktion Die frische, gesunde Küche wird in immer mehr Haushalten durch schnelle Gerichte ersetzt. Gemüse wird verschmäht und statt dessen dominieren Nudeln mit Tomatensoße oder Pommes mit Mayo den Ernährungsalltag. Dass das auf Dauer nicht gut sein kann, ist den meisten Eltern bewusst. Da kommen attraktive Werbeversprechen diverser Lebensmittelproduzenten gerade recht. Sie garantieren, dass ihr süßer Joghurtdrink vor Kalzium strotzt, dass die fluffigen Frühstückscerealien (der Begriff „Cerealie“ geht übrigens auch auf clevere Werbeleute zurück) alles beinhalten, was das Kind für einen erfolgreichen Schultag benötigt und dass der süße Snack für zwischendurch den Familienzusammenhalt fördert. Geschickte Versprechen, denen viele Eltern auf den Leim gehen. Und so landen auf dem Frühstückstisch statt eines vollwertigen Müslis die vor Zucker und Fett nur so strotzenden Frühstücksflocken, das Obst in der Pause wird durch einen schokoladigen Müsliriegel ersetzt und auf dem Mittagstisch stehen statt eines vollwertigen Gerichts Fertigprodukte, die mit einem hohen Gemüseanteil werben, tatsächlich aber voll von Salz, gesättigten Fetten und geschickt getarnten Geschmacksverstärkern sind. Verbraucherschützer fordern von der Politik schon seit geraumer Zeit das Einführen einer Nährwert-Ampel, die dem Konsumenten sofort anschaulich vermittelt, was das Produkt in Sachen Zucker, Fett und Salz tatsächlich zu bieten hat. Eine gesunde Idee, finden wir! Es bleibt abzuwarten, wer hier am längeren Hebel sitzt: Das Bundesverbraucherministerium oder die Lebensmittellobby.